Sozialismus

Zum 60. Mal jährte sich 2009 das Inkrafttreten des Grundgesetzes, auch die Gründung der beiden deutschen Staaten war als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges 1949 erfolgt. Ein weiteres historisches Ereignis stand im Berichtszeitraum jedoch im Mittelpunkt der kollektiven Erinnerung und daher auch im Zentrum der Arbeit des Landesbeauftragten: die Friedliche Revolution der Jahre 1989/90.

Im Frühjahr 1989 hatte ein offenkundiger Wahlbetrug der in der DDR faktisch allein herrschenden Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) dazu geführt, dass sich die allgemeine Resignation der Bevölkerung zu wandeln begann. Zunächst auf eine verschwindend kleine Minderheit beschränkt, verstärkte sich im Verlauf der Monate der Widerstand gegen das illegitime Regime. Immer mehr Menschen erhoben ihre Stimme oder kehrten der DDR den Rücken. Die Fluchtwellen des Sommers, die Besetzungen der bundesdeutschen Botschaften in Prag, Warschau und andernorts sowie die Etablierung oppositioneller Gruppierungen und der sich auf den Straßen organisierende Protest zeigten eindringlich, dass einiges faul war im SED-Staat. Anfang Oktober entluden sich die angestauten Spannungen eruptiv. Nachdem es in Dresden bürgerkriegsähnliche Auseinandersetzungen gegeben hatte, glaubte die Partei- und Staatsführung immer noch, den 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober in Ost-Berlin pompös inszenieren zu können. Doch sie hatte die Rechnung ohne das Volk gemacht. Eine gespenstische Szenerie entstand: Im Palast der Republik verkündete Erich Honecker vor geladenen Gästen die immerwährende Existenzberechtigung des Sozialismus auf deutschem Boden, vor dem Gebäude protestierten genau dagegen Tausende. In den folgenden zwei Nächten schlugen die Sicherheitskräfte derartige Unmutsbekundungen brutal nieder, doch schon am 9. Oktober zeigte sich in Leipzig, dass sie die Kontrolle verloren hatten. Einen Monat später fiel die Mauer in Berlin, dann auch die innerdeutschen Grenzen. Am 9. November 2009 erklärte Bundespräsident Horst Köhler dazu: „Heute feiern wir Deutsche gemeinsam mit unseren Freunden und Partnern, dass vor zwanzig Jahren die Mauer fiel und die friedliche Revolution der Ostdeutschen das Tor zur Wiedervereinigung öffnete. Der

9. November 1989 war ein Tag der Freude."

Nach diesem Tag gingen die Veränderungen in der DDR noch rasanter voran als zuvor.