Für die quantitativen Annahmen dieses Teilplans werden daher die Aussagen der Modellrechnung unverändert herangezogen

Gymnasium Demgegenüber nimmt die Schülerzahlentwicklung bei den Gymnasien einen deutlich anderen Verlauf. Die Steigerungsraten fallen wesentlich höher aus (+14% bis 2011/12), und bis zum Ende des Prognosezeitraums nimmt die Schülerzahl gegenüber 2008/09 nicht ab, sondern um 4 % zu. Der Anteil der Schülerschaft wächst dementsprechend von derzeit 40 % auf 42,5 %.

Verteilung auf die Schularten

Die im vorliegenden Teilplan verwendeten Prognosewerte wurden auf Grundlage des bisherigen mehrgliedrigen Schulsystems erstellt. Quantitative Verschiebungen aufgrund struktureller Änderungen des Systems können derzeit nicht sinnvoll antizipiert werden. So kann z. B. heute nicht eingeschätzt werden, ob bzw. in welchem Umfang die auf 12 Jahre verkürzte Zeit bis zum Abitur sowie die künftig veränderten Zugangsbedingungen zum Gymnasium auf mittlere Sicht ein anderes Wahlverhalten bzw. veränderte Schülerzahlen zur Folge haben werden.

Für die quantitativen Annahmen dieses Teilplans werden daher die Aussagen der Modellrechnung unverändert herangezogen. Sofern es in der Zukunft an einzelnen Standorten oder in Teilregionen zu einer relevanten Veränderung der Nachfrage kommen sollte, können die Schulträger auf diese Entwicklung innerhalb des bestehenden Netzes der Schulen der Sekundarstufe I z. B. durch Gründung und Aufhebung einzelner Schulen reagieren. Aufgrund der zu erwartenden unterschiedlichen Entwicklung in den einzelnen Bezirken - Überkapazitäten hier, Raumdefizite dort - bedürfen diesbezügliche Vorhaben einzelner Schulträger immer auch der überbezirklichen Abstimmung.

Entwicklung der Schülerzahlen in der Sekundarstufe II (Anlage 2)

Ausgangslage

Im Schuljahr 2008/09 wurden Gymnasiale Oberstufen an 93 Gymnasien (29.618 Schülerinnen und Schüler) und 36 Gesamtschulen (8.765 Schülerinnen und Schüler) sowie 16 Berufliche Gymnasien an Oberstufenzentren (2.467 Schülerinnen und Schüler) geführt (insgesamt 40.850)

Als Folge der Verkürzung der Schulzeit bis zum Abitur wird es ab 2011/12 die gymnasiale Oberstufe in zwei- und dreijähriger Form geben. Das Gymnasium wird keine Einführungsphase mehr haben, die Oberstufe damit nur noch zwei Jahre umfassen. An Integrierten Sekundarschulen, die eine gymnasiale Oberstufe entweder eigenständig, in Kooperation mit einem Beruflichen Gymnasium oder mit einer anderen Integrierten Sekundarschule anbieten, wird es sowohl eine zweijährige als auch eine dreijährige Form geben. Berufliche Gymnasien werden weiterhin in der dreijährigen Form (eine einjährige Einführungsphase und die sich anschließende Qualifikationsphase) geführt.

Prognose

Für den öffentlichen allgemein bildenden Bereich (Gymnasien, Gesamtschulen) und die Beruflichen Gymnasien liegen getrennte Vorausberechnungen zur Schülerzahlentwicklung vor.

In beiden Schularten wird - neben dem generellen Absinken der Schülerzahlen - vor allem die Schulzeitverkürzung gegenüber dem Schuljahr 2008/09 (38.383 Schülerinnen und Schüler) bis 2012/13 zu einem Rückgang von ca. 35 % führen (24.534 Schülerinnen und Schüler); anschließend ist mit einer relativ stabilen Nachfrage auf leicht erhöhtem Niveau zu rechnen (2017/18: 25.179 Schülerinnen und Schüler).

Bei den dreijährig organisierten Beruflichen Gymnasien werden im Prognosezeitraum nur geringe Veränderungen erwartet und zwar von 2.467 (2008/09) über 2.388 (2012/13) auf 2.553 Schülerinnen und Schüler im Jahr 2017/18 (+/- 3%).

Künftige Bedarfsdeckung

Vom Schülerrückgang in den Oberstufen werden auch die bisherigen Gesamtschulen betroffen sein und über entsprechende freie Kapazitäten verfügen. Darüber hinaus wird derzeit nicht an allen Schulen die für eine Tragfähigkeit gymnasialer Oberstufen als Untergrenze geltende Mindestzahl von 50 Sch./Jahrgang erreicht, so dass hier weitere Kapazitätsreserven vorhanden sind.

Des Weiteren werden im Zuge des Hochwachsens der Gemeinschaftsschulen zusätzliche Plätze in gymnasialen Oberstufen angeboten. Es kann daher davon ausgegangen werden, dass auch bei einer erhöhten Inanspruchnahme der gymnasialen Oberstufe nach Einführung der Integrierten Sekundarschule insgesamt ausreichend Plätze in den bereits bestehenden Einrichtungen vorhanden sind. Dazu kommt eine strukturell bedingte Reserve an den Beruflichen Gymnasien, weil dort i.d.R. weniger als 50 Schüler je Jahrgang die gymnasiale Oberstufe besuchen. Schülerinnen und Schülern aus kooperierenden Integrierten Sekundarschulen wird ein Anspruch auf Aufnahme an ein Berufliches Gymnasium eingeräumt, wenn sie die Voraussetzungen für den Besuch der gymnasialen Oberstufe erfüllen.

Es besteht somit keine Notwendigkeit, neben den bestehenden bzw. noch aufwachsenden gymnasialen Oberstufen und Beruflichen Gymnasien kurz- und mittelfristig neue Einrichtungen zu schaffen.

4. Schulnetzplanung für ein zweigliedriges Schulsystem

Standortwahl

Der Schaffung möglichst günstiger Standort- und Raumbedingungen kommt für das Gelingen des Bildungsauftrags der Schule grundsätzlich eine hohe Bedeutung zu. Dies gilt besonders, wenn - wie bei der bevorstehenden Einführung der Integrierten Sekundarschule - neue und innovative Konzeptionen umgesetzt und zum Erfolg geführt werden sollen.

Das vorhandene Netz der in der Integrierten Sekundarschule aufgehenden Haupt-, Real- und Gesamtschulen ist sehr unterschiedlich strukturiert: von acht- bis zehnzügig konzipierten Gesamtschulgebäuden der 70er-Jahre reicht das Spektrum über die Standard-Schulgebäude der ehemaligen DDR bis hin zu kleineren, heute als Haupt- oder Realschule genutzten Schulbauten aus der sogenannten Kaiserzeit. Entsprechend unterschiedlich sind die Betriebsgrößen von achtzügigen Gesamtschulen mit Oberstufe bis zu zweizügig organisierten Hauptschulen.

Um erfolgreich arbeiten zu können, sollen die neuen Integrierten Sekundarschulen mindestens vierzügig organisiert sein; die Sechszügigkeit sollte nicht überschritten werden (ausgenommen bisherige Gesamtschulen, die weiterhin mit dem bisherigen Organisationsmodell arbeiten). Aufgrund der veränderten organisatorischen Vorgaben und des absehbaren Schülerrückgangs der kommenden Jahre ist bereits jetzt erkennbar, dass langfristig nicht alle derzeit genutzten Standorte erforderlich sind. Im Hinblick auf die nicht unbeträchtlichen Investitionserfordernisse, die die vorgesehene Umstrukturierung des Schulnetzes auslöst, ist es unabdingbar, das Schulnetz auf den mittel- bis langfristig gegebenen Bedarf auszulegen, um Fehlinvestitionen in nur kurzzeitig benötigte Schulraumkapazität zu vermeiden.

Bei der Auswahl der künftigen Sekundarschulstandorte ist auf eine regionale Ausgewogenheit zu achten. Weitere zu berücksichtigende standortbezogene Kriterien sind:

- Größe und Auslastung des Standorts sowie dessen Erreichbarkeit (gute Verkehrsanbindung)

- Eignung von Gebäudetyp, Bauart, Fachraumangebot, Freiflächen, Aufnahmefähigkeit und Entwicklungsfähigkeit

- Barrierefreiheit

- Baulicher Zustand, bereits erfolgte Investitionen, verbleibender Investitionsbedarf

- Ausstattung des Standorts mit gedeckten und ungedeckten Sportflächen

- Höhe der Infrastrukturkosten des Standortes

Räumliche Rahmenbedingungen

Für die Integrierte Sekundarschule wurde ein Musterraumprogramm entwickelt, das sowohl den unterschiedlichsten Differenzierungsmöglichkeiten Raum gibt als auch die für einen Ganztagsbetrieb erforderlichen Einrichtungen darstellt. Die für die Unterbringung einer Integrierten Sekundarschule geeigneten Standorte wurden in einem ersten Schritt gemeinsam mit den Bezirken einer Neubewertung auf der Grundlage des neuen Raumprogramms unterzogen, so dass der Umfang ggf. um- oder nachzurüstender Programmflächen in jedem Einzelfall erkennbar wird.

Angestrebt wird, die künftigen Standorte der Integrierten Sekundarschule möglichst rasch mit den erforderlichen Einrichtungen auszustatten. Insbesondere soll in den Integrierten Sekundarschulen von Beginn an der Ganztagsbetrieb eingeführt werden können. Aufgrund des konzentrierten Einsatzes der Mittel des Konjunkturprogramms II ist es zu erwarten, dass die baulichen Maßnahmen an einer Vielzahl von Standorten in den Jahren 2009 bis 2011 durchgeführt und bis zum Ende der Einführungsphase ca. 2014 / 2015 im Wesentlichen abgeschlossen sein werden.

Qualifizierung der schulischen Freiflächen für den Ganztagsbetrieb

Die längere tägliche Verweildauer der Schülerinnen und Schüler und erweiterte Anforderungen an die Gestaltung der Außenanlagen erforderten Freiflächen mit vielfältig nutzbaren Angeboten für Spiel und Bewegung, für Erholung und Entspannung sowie für Kommunikation in unterschiedlichen Formen. Im Zuge der Herrichtung der Standorte ist die entsprechende Gestaltung der Freiflächen zu initiieren bzw. bereits vorhandene Ansätze zu verstärken und weiter zu entwickeln. Wesentlich für die Akzeptanz der neu zu gestaltenden Freiflächen ist die Einbeziehung der jeweiligen Schülerschaft im Sinne eines partizipativen Planungsprozesses.

Verfahren

Um die bestehenden Haupt-, Real- und Gesamtschulen in das künftige System überzuleiten, werden - je nach Gegebenheit - einzelne Schulen umgewandelt oder zwei (ggf. auch drei) Schulen zur neuen Schulart zusammengelegt; Aufhebungen im Zusammenhang mit der Einführung der Integrierten Sekundarschule bleiben auf Einzelfälle beschränkt.

Für die Steuerung dieser komplexen Prozesse wurden bezirkliche Steuerungsgremien installiert, denen im Wesentlichen der Schulträger sowie Vertreter der Schulaufsichtsbehörde und der betroffenen Schulen angehörten. Zu den Aufgaben dieser Gremien gehörten vor allem:

- Festlegung des Modus für die Überleitung der bestehenden Schulen in die für Integrierte Sekundarschule geeigneten Standorte (Umwandlung oder Zusammenlegung)

- Frühzeitige Information und Beteiligung der Schulöffentlichkeit (Eltern, Lehrer, Schüler)

- Beteiligung schulischer Gremien im Bezirk

- Einleitung von Zusammenlegungsverfahren auf der Grundlage der „Leitvorstellungen für die Aufhebung und Zusammenlegung von Schulen" (Rundschreiben II Nr. 56/2004)

- Minderung von Leerstandskosten und der daraus folgenden finanziellen Belastungen des Bezirks

- Planung der zeitlichen Umsetzung der Maßnahmen mit dem Ziel der Schülerverträglichkeit (Minderung der Veränderungsbelastungen) und unter Berücksichtigung der Durchführung von erforderlichen baulichen Maßnahmen