Die Abfallwirtschaft trägt bereits jetzt erheblich zum Klimaschutz in Deutschland bei und wird dies auch in Zukunft weiter tun

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 21

Verminderung der Klimagasemissionen bis 2020

Ebenso muss sich die Abfallwirtschaft angesichts der Gefahren des Klimawandels noch stärker auf den Klimaschutz ausrichten. Das von dem Bundeskabinett am 23.08.2007 in Meseberg beschlossene Klima- und Energieprogramm /29/ sieht eine Reduktion der CO2-Emissionen um 40 % bis zum Jahre 2020 gegenüber 1990 vor. Auch der Berliner Senat strebt eine Senkung der CO2 Emissionen im Land Berlin im gleichen Maße an.

Die Abfallwirtschaft trägt bereits jetzt erheblich zum Klimaschutz in Deutschland bei und wird dies auch in Zukunft weiter tun. Im Jahr 1990 führte die Abfallwirtschaft noch zu einer Belastung von rund 38 Mio. Mg an CO2-Äquivalenten. Im Jahr 2006 wurde durch die Abfallwirtschaft beim Siedlungsabfall bereits eine Entlastung von rund 18 Millionen Tonnen an CO2-Äquivalenten in Deutschland erzielt. Im Vergleich zu 1990 macht dies eine jährliche Reduktion von rund 53 Millionen Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr aus.

Zu dieser Einschätzung kommt eine neue Studie von Öko-Institut und Ifeu (Institut für Energie- und Umweltforschung), die im Januar 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Im Auftrag von Umweltbundesamt, Bundesumweltministerium und dem Bundesverband der Deutschen Entsorgungswirtschaft wurde das Klimaschutzpotential der Abfallwirtschaft untersucht /30/.

Nach diesen Berechnungen können die treibhausschädlichen Gase in der deutschen Abfallwirtschaft bis zum Jahr 2020 um rund zehn Millionen Tonnen CO2 Äquivalente pro Jahr weiter reduziert werden. Der Studie ist zu entnehmen, dass allein der Siedlungsabfall mit rund 13 Prozent zu den Treibhausminderungszielen für Deutschland (40 Prozent bis 2020) beitragen kann Voraussetzungen zur Erreichung dieses Ziels sind:

Ausbau der Erfassung und Verwertung von Abfällen, qualitative Verbesserung der stofflichen Verwertung von Abfällen und

Weiterentwicklung der Energieeffizienz bei den Behandlungsanlagen.

Diesbezüglich werden die relevantesten zusätzlich einzusparenden Klimaentlastungen in der folgenden Tabelle dargestellt.

Vor diesem Hintergrund müssen auch in Berlin alle abfallwirtschaftlichen Maßnahmen mit einem relevanten CO2-Einsparpotential, die zu einer weiteren Verminderung der Klimagasemissionen führen, identifiziert und mittelfristig umgesetzt werden. Im Kapitel 6 sind die Maßnahmen mit den entsprechenden erzielbaren Klimaeinsparungen dargestellt.

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Weitgehender Verzicht auf Siedlungsabfalldeponien bis 2020

Das Bundesumweltministerium hat ein Eckpunkte-Papier zur „Siedlungsabfallstrategie 2020" /31/ vorgelegt, mit dem noch zielgerichteter Risiken für nachfolgende Generationen vermieden werden sollen und das zu einer weiteren Reduzierung der mit den Stoffströmen verbundenen Umwelt- und Gesundheitsbelastungen führen soll. Demnach sollen bis zum Jahr 2020 die Abfallströme möglichst vollständig in eine Verwertung gelenkt werden, da die deponierten Siedlungsabfälle keinerlei Nutzen sowohl zum Klimaschutz- als auch zur Ressourcenschonung haben. Somit werden Siedlungsabfalldeponien mittelfristig weitestgehend überflüssig und verzichtbar werden. Die Machbarkeit einer Umsetzung dieses Ziels ist bereits vor dem Jahr 2020 möglich.

Unter Berücksichtigung der oben genannten Sachverhalte ergeben sich bis 2020 folgende Schwerpunkte:

Eintrag von Schadstoffen in Produkte minimieren (z.B. ElektroaltgeräteVerordnung, Altauto-Verordnung, Chemikalienverbots ­ Verordnung),

Einsatz moderner abfallarmer Technologien (z.B. moderne Produktionsverfahren, automatisierte Aufbereitungsverfahren),

Optimierung und Ausbau der stofflichen Verwertung von Abfällen,

Hochwertige und schadlose Verwertung biogener Abfälle als regenerative Energieträger mit hoher Energieeffizienz in entsprechenden Anlagen sowie weitestgehende Reduzierung von klimaschädlichen Methanemissionen,

Schließung des Stoffkreislaufes für Phosphate,

Trocknung von Klärschlämmen mittels regenerativen Energieträgern,

Ausstieg aus der obertägigen Deponierung organikhaltiger Siedlungsabfälle,

Umsetzung der abfallwirtschaftlichen Ziele des Bundesumweltministeriums.

Die entsprechenden abfallwirtschaftlichen Maßnahmen, deren Umsetzung bis 2020 geplant sind, werden im Kapitel 6 dargestellt.