Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurden zwei verschiedene Szenarien der optimierten Biomassenutzung entwickelt

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 63

Entsprechend den umweltpolitischen Zielen sollen die in hohen Mengen anfallenden Biomasseabfälle zukünftig hochwertig als regenerative Energieträger eingesetzt werden. Das Land Berlin verfolgt dabei die folgenden Strategien:

Substitution von Behandlungsverfahren (z. B. Vergärung statt Kompostierung) mit entsprechenden Minderungstechniken für Methanemissionen,

Steigerung der Energieeffizienz bei der Verwertung,

Steigerung der getrennten Erfassung biogener Stoffmengen.

Im Rahmen des Forschungsvorhabens wurden zwei verschiedene Szenarien der optimierten Biomassenutzung entwickelt. In einem Trend-Szenario soll die gegenwärtige positive Entwicklung der energetischen Nutzung von Biomasse forciert fortgeschrieben werden. In einem Öko-Szenario sollen darüber hinaus Maßnahmen und Aktivitäten zu einer weitestgehend hochwertigen Verwertung der anfallenden Biomasse und somit zu einer maximierten Klimaentlastung beitragen.

Im Rahmen dieser beiden Szenarien wurden folgende Maßnahmen entwickelt:

Einsatz des gesamten Bioabfalls aus Haushaltungen in emissionsarmen Vergärungsanlagen mit entsprechender Methanminderungstechnologie,

Ausdehnung der Bioabfallsammlung auf die gartenreichen Außenbezirke Berlins,

Einsatz krautiger Biomassen (Rasenschnitt) in Vergärungsanlagen oder nach entsprechender Aufbereitung in energieeffizienten Heizkraftwerken,

Energetische Verwertung loser Laubmengen in entsprechenden hocheffizienten Heizkraftwerken,

Optimierung und Ausbau der Erfassung von Altfetten, Fettabscheiderinhalten und Speiseabfällen,

Energetische Verwertung von Holz in Heizkraftwerken mit hoher Effizienz,

Effizienzsteigerung bei der Klärschlammverbrennung Ruhleben durch KraftWärme-Kopplung,

Energetische Verwertung der separierten Organik aus dem Straßenkehricht sowie aus dem Rechengut,

Weiterentwicklung der mechanisch-biologischen Abfallbehandlung mit dem Ziel der energetischen Nutzung der bisher noch deponierten und somit nicht genutzten Biomasse. Wie bisherige Studien zeigen, fällt die errechnete CO2-Bilanz bei Kompostierungsverfahren negativ aus, wenn Gutschriften (Düngerersatz, Humus-Anreicherung) den Lastschriften (Sammlung, Anlage, Ausbringung) gegenüber gestellt werden. Vor diesem Hintergrund plant das Land Berlin, ab 2015 keine kommunalen Bioabfälle mehr in solchen Kompostierungsanlagen zu behandeln.

Bei der Behandlung von Biomassen in Vergärungsanlagen hingegen ergeben sich aufgrund einer zusätzlichen Gutschrift für die energetische Nutzung deutlich positive Klimagasbilanzen. Gegenüber der Kompostierung zeigen sich Verfahrensvorteile von über 170 kg CO2-Äquivalent pro Mg Inputmaterial. Im einem noch laufenden Vorhaben des Umweltbundesamtes über die Emissionen bei der Verwertung von Bioabfällen wurden u.a. Methanemissionen in Höhe von 3,7 kg pro Mg Input als Durchschnittswert an bestehenden Vergärungsanlagen nachgewiesen. Zur Gewährleistung einer schadlosen Verwertung im Sinne des KrW-/AbfG ist es unbeAbfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 65 dingt geboten, dass derartig hohe klimaschädliche Methan-Emissionen bei neuen geplanten Vergärungsanlagen möglichst weitgehend vermieden werden. Bei der Errichtung von emissionsarmen und energieeffizienten Bioabfallvergärungsanlagen mit entsprechender Methanminderungstechnik ergibt sich eine CO2-Gutschrift von 245 kg pro Mg Input. Darüber hinaus kann nur mit einer solchen relevanten Methanreduktion gewährleistet werden, dass nach den verbindlichen Vorgaben des § 5 Abs. 5 KrW-/AbfG die Vergärung gegenüber der Beseitigung die umweltverträglichere Entsorgungsform darstellt.

Zudem wird für die Klimabilanzierung im Trend- und Öko-Szenario unterstellt, dass sowohl das bestehende MHKW Ruhleben mittelfristig hinsichtlich der Energieeffizienz noch weiter optimiert wird sowie zukünftig Biomasseströme der MBAUnterkornfraktion, die derzeit noch ohne Nutzen auf den Deponien abgelagert werden, als regenerativer Energieträger energetisch verwertet werden. Im ÖkoSzenario wird zusätzlich eine Optimierung der derzeitigen Energieeffizienz der Klärschlammbeseitigung Ruhleben durch den Aufbau einer Kraft-Wärme-Kopplung bis 2020 unterstellt.

Mit diesen Maßnahmen lassen sich alljährlich zusätzlich zu den bereits heute eingesparten CO2-Gutschriften von 188.500 Mg CO2 weitere ca.