Die Wertstofftonne hat durch die Miterfassung von sonstigen Wertstoffen sehr positive Umweltauswirkungen

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 69

Flächendeckende Einführung einer Wertstofftonne im Land Berlin

Laut Bundesumweltministerium ist die Wertstofftonne ein abfallwirtschaftlicher Ansatz, bei dem der bisherige Stoffgruppenkatalog des Systems Gelbe Tonne (Verpackungen) um stoffgleiche Wertstoffe (Kunststoffe, Metalle, Verbunde) sowie Holz und Elektrokleingeräte erweitert wird. Die stoffgleichen Wertstoffe im System Wertstofftonne können über die gleichen Trennstufen wie die Verpackungen sortiert werden und die gleichen Verwertungswege durchlaufen. Ziel des Sammelsystems ist eine Effizienzsteigerung, die sich u.a. in der Erhöhung der Verwertungsquoten und damit auch der Senkung der Entsorgungskosten bemessen lässt. Im Rahmen der Novellierung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallrechts sollen bereits die rechtlichen Grundlagen für die flächendeckende Einführung einer einheitlichen Wertstofftonne (gemeinsame Erfassung von Verpackungen und stoffgleiche Nichtverpackungen) in Deutschland gelegt werden. In diesem Zusammenhang soll die Verpackungsverordnung in Richtung einer allgemeinen Wertstoffverordnung weiterentwickelt werden.

Die Wertstofftonne hat durch die Miterfassung von sonstigen Wertstoffen sehr positive Umweltauswirkungen. Dies betrifft insbesondere die Aspekte Treibhausgase und Energieeinsparung. So wird pro Mg erfasster Wertstoffe eine Einsparung von rund 800 kg CO2-Äquivalente erzielt. Somit erweist sich die Wertstofftonne im Vergleich zu den spezifischen Klimaentlastungen beispielsweise durch das MHKW Ruhleben, die MPS-Ersatzbrennstoffverwertung und einer emissionsarmen und energieeffizienten Bioabfallvergärung unter Klimaschutzaspekten als besonders effektiv.

Positiv wirkt sich die erweiterte Wertstofferfassung auch auf die Akzeptanz der Sammlung bei der Bevölkerung aus.

Unabhängig von der Organisationsform der Wertstoffsammlung könnten durch eine weitgehend flächendeckende Einführung einer nachhaltigen Wertstofftonne zusätzliche Wertstoffmengen in der Größenordnung von 20.000 Mg bis 30.000 Mg pro Jahr im Land Berlin erfasst und einer klimaschonenden Verwertung zugeführt werden. Unter den Vorgaben der Abfallrahmenrichtlinie sollen die erfassten Wertstoffe voranging einer stofflichen Verwertung zugeführt werden.

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 170

Neues Wertstofferfassungssystem Service Orange der BSR Ergänzend zum bestehenden Sammelsystem (Restmüll, BIOGUT, Papier, WeißGlas, Grün-Glas, Gelbe Tonne) testen die BSR derzeit ein zusätzliches neues Wertstoffsammelsystem „Service Orange" für sonstige Wertstoffe bei Haushaltungen. Mit dem Service Orange wollen die BSR den Bürgern Berlins ein kommunales Sammelsystem zur zusätzlichen Wertstofferfassung zur Verfügung stellen. Der Service Orange mit den Bestandteilen „Orange Box" und „Orange Corner" ist ein neues Produktangebot zur zusätzlichen Wertstofferfassung im Rahmen der hoheitlichen Abfallentsorgung der BSR. Die „Orange Box" ist eine auf privaten Grundstücken aufgestellte Wertstofftonne, in der die Bewohner ihre Wertstoffe direkt vor Ort zur Entsorgung bereitstellen können. Hierzu zählen zum Beispiel Elektrokleingeräte, Kunststoffe, Metalle, Spielzeug, Datenträger und Altholz. Erfasst werden auch Alttextilien. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass Alttextilien einen besonders hohen Anteil der sogenannten Fehlwürfe im Restmüll ausmachen (nach aktuellen Untersuchungen rund 25.000 Mg/a). Nicht in die „Orange Box" gehören Stoffe gemäß der Verpackungsverordnung.

Zusätzlich zur „Orange Box" wird an geeigneten Stellen eine überdachte Abstellmöglichkeit ­ die „Orange Corner" ­ zur Verfügung gestellt, in der sperrige Gegenstände wie Kühlschränke oder Waschmaschinen zur Abholung bereitgestellt werden können. Laut Mitteilung der BSR soll mit dem Service Orange den Privathaushalten ein umfassendes Holsystem zur Wertstofferfassung zur Verfügung gestellt werden.

Der Service Orange ist 2009 als Pilotprojekt gestartet und konzentriert sich zunächst auf Großwohnanlagen. Das Sammelsystem wird vor Ort durch eine intensive Abfallberatung begleitet. So beträgt nach erster wissenschaftlicher Auswertung die erfasste Menge an zusätzlichen Wertstoffen hochgerechnet rund 20 kg/Ea. Aufgrund der hohen Sammelmenge sowie der guten Qualität der erfassten Materialien soll laut BSR der Service Orange nach Beendigung der Pilotphase am 31.12. fortgesetzt und ausgebaut werden.

Darüber hinaus wird das Sammelsystem durch ein haushaltsnahes Bringsystem ergänzt: Auf bereits bestehenden Standplätzen im öffentlichen Straßenland, die bisher zur Altglassammlung genutzt werden, sollen laut BSR zusätzliche Container zur Erfassung von Wertstoffen aufgestellt werden. In den „Orange Iglus" auf öffentlichem Straßenland können die gleichen Wertstoffe abgegeben werden, die in der „Orange Box" erfasst werden. Dabei befinden sich Standorte für Sammelcontainer nicht nur in den dicht besiedelten Innenstadtbereichen, sondern genauso in den Außenbezirken. Es ist bei „Service Orange" von einer sehr guten Umweltbilanz Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 71 auszugehen, die im Anschluss an die Pilotphase und im Ausbau zu ermitteln ist.

Ausgehend von den Ergebnissen zum Service Orange wird nach Angaben der BSR das Mengenpotential bei den Tonnen auf öffentlichem Straßenland auf rund 20.

Mg/a geschätzt.

Gelbe Tonne plus der Firma ALBA zur getrennten Erfassung von Leichtstoffverpackungen und stoffgleichen Nicht-Verpackungen

Im Rahmen eines im Jahr 2004 durchgeführten Pilotprojektes der Firma ALBA wurde ein erweitertes Sammelsystem unter dem Namen „Gelbe Tonne plus" (Verpackungen und stoffgleiche Nichtverpackungen wie Kunststoffe, Metalle, Verbunde sowie Holz und Elektrokleingeräte) für Geschosswohnungsbauten im Land Berlin erfolgreich getestet. Basierend auf diesen Ergebnissen wurde das System auf freiwilliger Basis bei diversen Berliner Wohnungsgesellschaften mit Geschosswohnungsbauten installiert.

Im Laufe der Systemeinführung haben sich die Erkenntnisse des Pilotversuches bestätigt:

Durch das Sammelsystem Gelbe Tonne plus werden dem Restmüll ca. 6 kg/E a Wertstoffe zusätzlich entzogen.

Der Mengenanstieg durch das Sammelsystem Gelbe Tonne plus lässt sich überwiegend auf die Miterfassung von trockenen Wertstoffen und Elektroaltgeräten zurückführen. Zusätzlich sind auch Steigerungen bei den erfassten Leichtverpackungen zu verzeichnen. Damit stellt das System Gelbe Tonne plus eine Verbesserung der Erfassung von Wertstoffen im Land Berlin dar.

Die Qualität der erfassten Stoffe ist insgesamt als gut zu bezeichnen.

Im Vergleich zur Sammlung Gelbe Tonne Standard in Geschosswohnungsbauten ist der Anteil der Stoffgruppe „sonstiger erfasster Stoffe" sogar um ca. 30 % geringer.

Dieser positive abfallwirtschaftliche Effekt ist nur zu erreichen, wenn die Haushalte bei der Systemeinführung intensiv und gezielt betreut werden und auch danach noch eine kontinuierliche Standplatzbetreuung durchgeführt wird.

Der Kostenaufwand für die Systemeinführung, die fortlaufende Betreuung sowie für die Sammlung und Verwertung der zusätzlich erfassten Mengen wird über Einspa