Nachhaltigkeit

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 87 rung der Infrastruktur und des Umfeldes zur Aufwertung dieser Wohngebiete. Fördergebiete liegen in Marzahn-Hellersdorf, in Lichtenberg sowie in den innerstädtischen Quartieren am Bahnhof Ostkreuz, in Mitte und Prenzlauer Berg.

Beim Stadtumbau West werden vorwiegend unter Wert genutzte Gewerbeflächen oder Brachen aufgewertet sowie Großsiedlungen an den demographischen Wandel angepasst. Wesentliches Ziel der Maßnahmen ist es, durch gezielte öffentliche Investitionen private Investoren zu gewinnen /50/.

Der Bestandssicherung entgegen wirkt eine Vernichtung von Gebäudesubstanz. Mit Ausnahme der Jahre 2002, 2003 und 2004 (verstärkter Rückbau von Plattenbauten) bei den Wohngebäuden und des Jahres 2000 bei Nichtwohngebäuden ist in den letzten zehn Jahren in Berlin ein Rückgang der Abrissaktivitäten von Gebäudesubstanz zu verzeichnen. Damit wurde ein nachhaltiger Beitrag zur Vermeidung von Bauabfall geleistet.

Umnutzung vorhandener Gebäudesubstanz Des Weiteren dienen auch die Umnutzungen von vorhandener Gebäudesubstanz sowie eine Wiederverwendung von Bauteilen und Bauabfällen der Vermeidung von Abfällen.

Eine Reihe von Einrichtungen des Bundes, u.a. das Bundesministerium für Finanzen, das Auswärtige Amt etc. haben bei ihrem Umzug nach Berlin bewusst auf einen Neubau von Verwaltungsgebäuden verzichtet und nutzen jetzt für sie umgebaute historische Bauwerke der Stadt.

Darüber hinaus gab und gibt es beispielhafte Bauvorhaben mit schwerpunktmäßiger Nutzung der vorhandenen Bausubstanz im Rahmen des Berliner Landesprogramms „Stadtökologische Modellvorhaben". Konzepte dieser Art wurden beispielweise beim Umbau der Kirche zum Heiligen Kreuz in Berlin-Kreuzberg, beim Gewerbehof der WeiberWirtschaft e.G. in Berlin-Mitte sowie bei weiteren Modellprojekten umgesetzt /51/). Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 188

Einsatz von langlebigen umweltverträglichen Materialien

Eine gezielte Auswahl von langlebigen, recyclingfreundlichen, schadstofffreien bzw. -armen Baustoffen führt auf längere Sicht ebenfalls zu einer deutlichen Reduzierung des Abfallaufkommens.

Nach § 1 der Chemikalienverbotsverordnung (ChemVerbotsV) /52/, dürfen Materialien, die gemäß dem Anhang der Verordnung verbotene Stoffe freisetzen können oder enthalten (z.B. DDT, Dioxine, Furane), nicht in Verkehr gebracht werden. Das gilt auch für die beim Bauen zum Einsatz kommenden Bauprodukte.

Für den Bereich des öffentlichen Bauens in Berlin wurden mit den Rundschreiben BauWohnV VI 10/1998 /53/ und BauwohnV VI A 14/2004 /54/ Verwendungsverbote und Verwendungsbeschränkungen für Baustoffe (u.a. für PVC, Tropenholz) bei öffentlichen Bauvorhaben ausgesprochen. Das Rundschreiben über wirtschaftliche Standards des Öffentlichen Bauens /55/, nach dem Baustoffe und Bauteile hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeit geprüft und zum Einsatz kommen sollen, wird derzeit einer Aktualisierung unterzogen.

Wiederverwendung

Nach der Begriffsbestimmung in Artikel 3 der Richtlinie 2008/98/EG /4/ wird unter „Wiederverwendung" jedes Verfahren bezeichnet, bei dem Erzeugnisse oder Bestandteile, die keine Abfälle sind, wieder für denselben Zweck verwendet werden, für den sie ursprünglich bestimmt waren.

Unter Wiederverwendung wird bei der Baudurchführung insbesondere der erneute Einsatz von Baustoffen und Bauteilen verstanden (z.B. demontierte Stahlbetonfertigteile aus dem Rückbau von Plattenbauten, Pflastersteine, Stahlträger, Holzbalken, Dachziegel, Türen, Fenster, Sanitärobjekte, Lichtanlagen, Heizungs- und Klimatechnik).

Bei der Wiederverwendung gebrauchter Bauteile gelten im Land Berlin die Regelungen des Abschnitts 3 der Bauordnung für Berlin (BauOBln) /46/. Eine Wiederverwendung gebrauchter Bauteile ist in der Regel ohne erneuten Verwendungsnachweis möglich, wenn an ihnen keine wesentlichen Änderungen durchgeführt wurden und sie für einen gleichartigen Einsatzzweck vorgesehen sind. Für Bauteile, die den geltenden technischen Regeln nicht mehr entsprechen, müssen bauaufsichtliche Verwendbarkeitsnachweise vorgelegt werden.

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Bisher werden Bauteile nach wie vor hauptsächlich im privaten Bereich oder bei der Restaurierung historischer Gebäude wiederverwendet.

Bei der Wiederverwendung von Bauteilen besteht weiterhin noch ein beträchtliches ungenutztes Potential. Hier sind gezielte Anstrengungen und Regelungen erforderlich, um die Wiederverwendung von Abfällen oder die Zweitverwendung von Produkten im Baubereich künftig stärker umzusetzen. Sie muss dafür auch als Teil der Hersteller- und Produktverantwortung und als Mittel der höchstmöglichen Wertschöpfung und Ressourcenschonung verstanden werden.

Optimierung der Baustellenlogistik und ressourcenschonender Umgang mit Baumaterialien

Durch eine detailliert geplante Baustoff- und Abfalllogistik während der eigentlichen Baudurchführung sind weitere Vermeidungspotentiale erschließbar. Bei repräsentativen Bauvorhaben in den letzten Jahren im Land Berlin, wie z. B. dem Sony-Center am Potsdamer Platz, beim Bau des Einkaufcenters in Berlin-Spandau, beim Bau der Treptowers u.a. konnte durch eine zentral gesteuerte Bau- und Abfalllogistik der Nachweis erbracht werden, dass die Stoffströme so optimierbar sind, dass im Ergebnis sowohl der Abfallanfall als auch der Abfalltransport nachweislich reduzierbar sind. Auf der Baustelle lassen sich zudem Abfälle vermeiden durch:

Schutz der Baustoffe bzw. Bauteile auf der Baustelle vor Schäden,

Bedarfsgerechte Materialzubereitung (z. B. Zuschnitt von Gipskarton- und Holzplatten),

Anlageninterne Kreislaufführung (z. B. Einsatz des Bodenaushubs am Entstehungsort),

Einsatz von Mehrweg- und Großgebinden,

Auswahl unkomplizierter und schalungsfreier Konstruktionen sowie

Vermeidung von Baumängeln.