Forschung

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 93

So sind z. B. für die ungebundenen und hydraulisch gebundenen Tragschichten unter Fahrbahnen und Geh- und Radwegen gebrauchte Baustoffe oder Baustoffgemische einzusetzen. Die Regelungen sehen vor, dass ein Ziegelanteil von maximal 25

Gewichtsprozent (Klinker, dichte Ziegel und Steinzeug) sowie maximal 5 Gewichtsprozent Kalkstein (weich gebrannte Ziegel, Putz u.ä.) im Recyclingmaterial enthalten sein darf. Höhere Anteile sind zulässig, wenn nachgewiesen ist, dass sie sich nicht nachteilig auswirken. Für Fahrbahndecken aus Asphalt ist Ausbauasphalt mit einem Anteil über 25 Gewichtsprozent zu verwenden.

Einsatz im Hochbau

Neben den genannten traditionellen Verwertungswegen im Tief- und Erdbau wird der Einsatz von Recyclingbaustoffen bei der Betonherstellung bereits in die entsprechende Normung festgeschrieben. Mit Recyclaten hergestellte Bauprodukte dürfen nach den bauaufsichtlichen Vorschriften nur verwendet werden, wenn diese Bauprodukte vollständig durch technische Regeln, die als Technische Baubestimmungen eingeführt sind, erfasst sind. Die Verwendung von Recyclaten in Bauprodukten lässt sich am ehesten über eine allgemeine Zulassung nach § 19 der Bauordnung für Berlin /46/ durch das Deutsche Institut für Bautechnik erzielen.

Seit den 90-er Jahren sind in Deutschland einzelne Forschungsprojekte zum Einsatz von Recyclingbeton im Hochbau gefördert und durchgeführt worden. So wurden beim Bau des Verwaltungsgebäudes Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück im Jahr 1994/95 sowie im Hundertwasserhaus Waldspirale in Darmstadt 1998/2000 für Innenbauteile Recyclingbeton verwendet. Derzeit wird in Ludwigshafen ein Gästehaus eines kommunalen Wohnungsunternehmens gebaut, bei dem alle aufgehenden Wände und Geschossdecken aus Recyclingbeton hergestellt werden. Dadurch werden bis zu 30 % an natürlichen mineralischen Rohstoffen (z.B. Sand, Kies, Naturstein bzw. daraus gewonnene Baustoffe) substituiert.

Schwierigkeiten gibt es nach wie vor auch mit den Verwertungsmöglichkeiten von Ziegelmaterialien. Ziegelsplitt kann als Zuschlagstoff für Beton gemäß DIN 4226

Teil 2 zwar verwendet werden, dies gilt jedoch ausschließlich für reines Ziegelmaterial, wie es im Grunde nur beim Herstellungsprozess anfällt. Ziegelabfälle aus dem Abbruch von Gebäuden sind insbesondere durch Mörtelanhaftungen u.ä. so verunreinigt, dass sie als Zuschlagsstoff bei der Betonherstellung nicht einsetzbar sind.

In Auftrag der Deutschen Bundesstiftung Umwelt wurde ein wirtschaftliches und umweltgerechtes Aufbereitungs- und Verwertungskonzept für gebrauchte Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 194

Bentonitschlämme entwickelt. Das Konzept beruht auf der Entwässerung der Suspension und dem anschließenden Einsatz als Rohstoff bei der Herstellung wärmedämmender Leichtziegel. Durch Anwendung dieses innovativen Verfahrens ist zukünftig eine hochwertige Verwertung von Bentonit möglich.

Weitere gewerkespezifische Einsatzbereiche von Recycling-Baustoffen im Hochbau sind im Anhang 7 der weiter unten genannten „Arbeitshilfen Recycling" /61/ aufgeführt.

Recycling-Baustoffe aus nicht-mineralischen Abfällen Nachfolgende nicht-mineralische Abfälle aus dem Baubereich und aus anderen Branchen können zu Recycling-Baustoffen verwertet werden:

Papier- und Holzabfälle zur Herstellung von Dämmstoffen,

Kunststoffabfälle zur Herstellung von Kunststoffrohren,

Nichteisen- und Stahlschrott zur Herstellung neuer Metallerzeugnisse.

Auch für diese Recycling-Baustoffe gelten die gleichen bautechnischen und umwelttechnischen Anforderungen wie für die mineralischen Recycling-Baustoffe.

Initiativen des Bundes zur Verwertung von Bauabfällen

Vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung und dem Bundesministerium für Verteidigung wurden die „Arbeitshilfen Recycling" /61/ zum Umgang mit Bau- und Abbruchabfällen sowie zum Einsatz von Recycling-Baustoffen auf Liegenschaften des Bundes erarbeitet. Die Arbeitshilfen wurden mit dem Stand 31.10.2008 im letzten Jahr aktualisiert. Sie gelten für den Umgang mit Bau- und Abbruchabfällen sowie den Einsatz von Recycling-Baustoffen im Rahmen von Neubau, Rück- und Umbaumaßnahmen bei der Durchführung von Bauaufgaben des Bundes. Das Land Berlin strebt an, diese Arbeitshilfen verbindlich in Berlin einzuführen.

In den Arbeitshilfen werden insbesondere die stoffliche Verwertung von Bau- und Abbruchabfällen zu Recycling-Baustoffen und deren Einsatzmöglichkeiten in den Vordergrund gerückt.

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 95

Initiative der Wirtschaftsverbände zur Verwertung von Bauabfällen

Im November 1996 hatten sich die in der Arbeitsgemeinschaft Kreislaufwirtschaftsträger Bau (ARGE KWTB) bundesweit zusammengeschlossenen Wirtschaftsverbände der Bau- und Baustoffwirtschaft verpflichtet, durch Förderung der Verwertung bzw. Wiederverwendung von Bauteilen und Bauabfällen die Ablagerung verwertbarer Bauabfälle im Jahre 2005 auf die Hälfte der im Jahr 1995 angefallenen Menge zu reduzieren. Die Zielvorgaben der Selbstverpflichtung wurden seit 1996 kontinuierlich erfüllt. Mit dem 5. Monitoring - Bericht der ARGE KWTB vom 28. Februar 2007 /62/ - endete die Selbstverpflichtung der Bauwirtschaft gegenüber der Bundesregierung.

Insgesamt wurde als großer Erfolg gewertet, dass heute beispielweise nur noch etwa ein Zehntel des bundesweit anfallenden Bauschutts auf Deponien landet; 1997 waren es noch 50 Prozent.

Im Land Berlin wurden vergleichsweise in den letzten Jahren 98 bis 99% der angefallenen Bauschuttfraktionen Beton, Ziegel, Fliesen etc. verwertet.

Stand der Vermeidung und Verwertung

Es wird eingeschätzt, dass beim Bauen im Land Berlin der Abfallvermeidung nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird, obwohl dadurch neben den positiven ökologischen Auswirkungen auch Kosteneinsparpotentiale sowohl beim Bauen als auch bei der künftigen Nutzung der Gebäude zu erzielen sind.

Bei der Verwertung von Bauabfällen wurde im Land Berlin bereits ein sehr hoher Stand erreicht. Ein bedeutsamer Anteil der Boden- und Bauschuttfraktionen wird dabei allerdings ohne weitere Aufbereitung bei Verfüllungs- und Rekultivierungsmaßnahmen verwertet.

Der Einsatz von Recyclingbaustoffen im Straßenbau bewegt sich bereits seit Jahren auf einem etwa gleichbleibend hohen Niveau. Die ausgebauten Straßenbaustoffe werden nahezu zu 100 % durch Wiedereinbau von Recyclaten verwertet.

Auch Gleisschotter wird, in der Regel nach einer Reinigung in einer entsprechenden Anlage, nahezu zu 100% wiederverwendet.

Die bei Bautätigkeiten anfallenden Holzabfälle werden hauptsächlich energetisch verwertet.