Strom

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 105 der Phosphaterze ersetzt, noch Energie gewonnen wird und Schadstoffe in die Böden direkt eingetragen werden /67/. Aus diesem Grund besteht das langfristige Ziel darin, die Ressource Phosphat aus dem Klärschlamm zurückzugewinnen und damit zur Schließung von Stoffkreisläufen, ohne die Fortsetzung des Schadstoffeintrages in die Böden, beizutragen.

Zur Gewinnung von Sekundärphosphaten und damit zur Kreislaufführung eignen sich folgende Stoffströme:

Klärschlämme aus der kommunalen Abwasserbehandlung,

Klärschlammaschen aus Monoverbrennungsanlagen,

Wirtschaftsdünger, insbesondere Gülle sowie

tierische Nebenprodukte (Tier- und Fleischknochenmehl). Recyclingtechniken, die für die Phosphatrückgewinnung aus Klärschlammaschen in Frage kommen, sind: das Verfahren zur thermodynamischen Behandlung der Firma ASH-DEC, das BioCon- Verfahren, das SEPHOS- Verfahren.

Weitere Recyclingtechniken für die Phosphatrückgewinnung aus Klärschlamm sind: das Verfahren zur Gewinnung von Phosphor aus Überschussschlamm, das Verfahren zur Rückgewinnung aus Faulschlamm, das SEABORNE-Verfahren, das Phostrip-Verfahren, der Aqua-Reci-Prozessverfahren, die thermische Hydrolyse.

Die Verfahren befinden sich in unterschiedlichen Entwicklungsstadien. Gegenwärtig werden bei der Phosphatrückgewinnung aus Klärschlammaschen die größten Rückgewinnungspotentiale ausgewiesen.

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1106

Kurz- bis mittelfristige Maßnahmen

Die BWB planen zur Rückgewinnung von Phosphaten aus dem Klärschlamm am Standort Waßmannsdorf eine Aufbereitungsanlage in Betrieb zu nehmen. Das Verfahren zur gezielten Phosphatausfällung aus kommunalem Klärschlamm (MAP ­ Fällung) wurde durch die BWB in Zusammenarbeit mit der TU Berlin entwickelt und zur Produktionsreife geführt. Mit dem Verfahren kann die Abtrennung des Magnesiumphosphates aus dem Faulschlamm einer kommunalen Kläranlage mit biologischer Phosphatelimination erfolgen. Gegenwärtig können mit dem entwickelten Verfahren ca. 50% der im Klärschlamm enthaltenen Phosphate auskristallisiert werden.

Das gefällte und aufgearbeitete Magnesiumammoniumphosphat kann als Düngemittel in der Landwirtschaft eingesetzt werden.

Im nachfolgenden Bild ist das Verfahren der Phosphatrückgewinnung nach dem MAP- Verfahren dargestellt.

Abbildung 18: Schema der MAP-Ausfällung der Berliner Wasserbetriebe

Nach der Inbetriebnahme der Anlage werden durch die BWB kurz- bis mittelfristig Anstrengungen zur Effizienzsteigerung des Fällungsreaktors unternommen.

Gelingt es, die Anlage wirtschaftlich zu betreiben, kann die Anwendung mittel- bis langfristig auf weitere BWB- Klärwerksstandorte ausgedehnt werden.

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Langfristige Maßnahmen

Im Oktober 2008 wurde das EU-Projekt „Sustainable and Safe Re-use of Municipal Sewage Slugde for Nutrient Recovery" (SUSAN) mit dem Verfahren zur Phosphatrückgewinnung aus Klärschlammasche erfolgreich abgeschlossen. Dabei werden die Makro-Nährstoffe Phosphor, Kalzium, Kalium und Magnesium in die Asche überführt. Aus dem phosphathaltigen Verbrennungsrückstand kann das Phosphat bei ca. 1000 Grad C unter Zugabe chlorhaltiger Salze recycelt werden. Mit dem Verfahren können ca. 90 % des Phosphates aus dem Klärschlamm wiedergewonnen werden. Das Verfahren wurde in der Pilotanlage der österreichischen Fa. ASH-DEC erfolgversprechend erprobt. Das erzeugte Produkt kann als Recyclingdünger eingesetzt werden. Der Nachweis der Pflanzenverfügbarkeit wurde erbracht.

Nach Auswertung der Erfahrungen der Anwender o. g. Verfahren ist eine grundsätzliche Neuausrichtung der Klärschlammverwertung und die Anwendung im Land Berlin anzustreben.

Klärschlämme beinhalten ein großes Potential an sekundären Rohstoffen und Energiereserven, die in den Jahren 2010 bis 2020 erschlossen und genutzt werden sollen und können. Die folgenden Maßnahmen werden dazu beitragen, den Ressourcen­ und Klimaschutz bei der Klärschlammverwertung zu etablieren und zu optimieren. So können bei vollständiger Nutzung des Phosphatanteils im Berliner Klärschlamm ca. 2.500 Mg Rohphosphate eingespart und bei der Optimierung der Entsorgungswege ca.18 kg Quecksilber pro Jahr weniger emittiert werden. Aus den heute verifizierten Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, wie Mitvergärung von Fettabscheiderinhalten, Klärschlammtrocknung mittels alternativer Energieträger, effizientere Dampfnutzung, können mindestens ca. 50.000 Mg CO2 ­ Ersparnis hergeleitet werden.