Forschung

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1126

Somit können neben der thermischen Behandlung von ca. 520.000 Mg/a in dem bestehenden MHKW Ruhleben zusätzlich noch ca. 320.000 Mg/a in den beiden mechanisch-physikalischen Behandlungsanlagen entsorgt werden.

Bei der Behandlung von rund 840.000 Mg/a Siedlungsabfall in den oben genannten Anlagen entstehen je nach technischem Verfahren spezifische OutputStoffströme, die in der folgenden Tabelle dargestellt sind. Auch die anfallenden Inertfraktionen können weitgehend stofflich verwertet werden.

Die aufbereiteten Ersatzbrennstoffe (EBS) werden derzeit zum weitaus überwiegenden Teil regional im Kraftwerk Jänschwalde sowie in Zementwerken eingesetzt und substituieren dort relevante Mengen an fossilen Energieträgern.

Durch diese energetische Verwertung der erzeugten Ersatzbrennstoffe werden pro Mg Input bei den beiden MPS-Anlagen rund 600 kg CO2 eingespart. Dies entspricht bei einer aktuellen Behandlung von 320.000 Mg Siedlungsabfällen in den beiden MPS-Anlagen einer Einsparung von rund 192.000 Tonnen CO2 pro Jahr.

Der ab 2013 stattfindende kostenträchtige CO2-Emissionshandel wird mittelfristig nachhaltige Auswirkungen auf die Braunkohlekraftwerke haben. Nach einer möglichen Reduzierung der vorhandenen Kapazitäten des Braunkohlekraftwerks Jänschwalde sollten dann die anfallenden Ersatzbrennstoffmengen aus den Berliner MPS-Anlagen in einem energieeffizienteren Kohleheizkraftwerk (z.B. Schwarze Pumpe) eingesetzt werden. So weist das Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe mit einem Nutzungsgrad von über 51 Prozent eine deutliche höhere Energieeffizienz als das Braunkohlekraftwerk Jänschwalde mit 36 Prozent auf.

Bei Reduzierung der Anlagenkapazität in Jänschwalde könnte beim Einsatz der Ersatzbrennstoffe im Braunkohlekraftwerk Schwarze Pumpe die bisherige hohe CO2-Gutschrift von rund 750 Kg pro Mg EBS auf rund 1.040 kg pro Mg EBS noch weiter gesteigert werden. Bei einer jährlichen Ersatzbrennstoffmenge von über 180.000 Mg aus den beiden MPS-Anlagen ergäbe sich dadurch eine zusätzliche CO2-Einsparung von über 55.000 Mg pro Jahr.

Des Weiteren kann auch die Energieeffizienz und somit die Klimawirksamkeit der energetischen Nutzung von sonstigen Ersatzbrennstoffen aus den Vorbehandlungsanlagen (Sortieranlagen) in den nächsten Jahren noch deutlich gesteigert werden. Beispielsweise werden in einem Kraftwerk die eingesetzten Ersatzbrennstoffe nur mit einem Wirkungsgrad von unter 30 Prozent energetisch genutzt. Dagegen liegt der Wirkungsgrad bei einem Heizkraftwerk mit Stromund Wärmeauskopplung bei über 60 Prozent

Der Markt für die energetische Verwertung von Sekundärbrennstoffen unterliegt zukünftig durch den CO2-Emissionshandel und auch durch die Planung bzw. Inbetriebnahme zusätzlicher großer Anlagenkapazitäten mit Kraft-WärmeKopplung im Großraum Berlin starken Veränderungen.

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1128

Im Sinne einer nachhaltigen und klimaschonenden Kreislaufwirtschaft muss daher darauf geachtet werden, mittelfristig einen hochwertigeren Einsatz der erzeugten Energieträger abzusichern. So kann die Energieeffizienz beim Einsatz von Berliner Ersatzbrennstoffen in Industrieanlagen mit Kraft-Wärme-Kopplung mittelfristig deutlich gesteigert werden. In Folge ergibt sich auch eine weitere relevante Reduzierung insbesondere von Klimagasemissionen. Diese klimarelevanten Vorteile beim Einsatz von Ersatzbrennstoffen in Kraft-WärmeKopplungsanlagen wurden auch in einem aktuellen noch nicht abgeschlossenen Forschungsvorhaben des Umweltbundesamtes hervorgehoben. Diesbezüglich wurde auf relevante noch erschließbare CO2-Einsparungen hingewiesen.

Im Rahmen der beschriebenen Abfallbehandlung der Siedlungsabfälle zur Beseitigung werden bzw. wurden zusammenfassend folgende Maßnahmen zur Reduktion von Menge und Schädlichkeit umgesetzt:

Mengenreduktion um rund 2/3 des Abfallinputs durch thermische Behandlung in dem Müllheizkraftwerk (MHKW) Ruhleben.

Mengenreduktion durch mechanisch-physikalische Behandlung in den Anlagen der MPS Reinickendorf und Pankow (Wasserverlust durch Trocknung).

Begrenzung der Luftschadstoffemissionen bei dem MHKW Ruhleben und den Industrieanlagen nach den Vorgaben der 17. BImSchV /66/.

Begrenzung der Luftschadstoffemissionen bei den MPS-Anlagen nach den Vorgaben der TA-Luft /5/.

Nutzung des Abfalls als erneuerbarer Energieträger zur Verringerung von CO2 ­Emissionen.