Umwelt

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 129

Bauabfälle

In Anbetracht des geringen Beseitigungsaufkommens von nur noch ca. 1% des Gesamtaufkommens (im Jahr 2008 rund 17.000 Mg) sowie der in der Region in ausreichendem Maße zur Verfügung stehenden Entsorgungskapazitäten wurden die nicht gefährlichen Bauabfälle seit dem 16. Juli 2009 von der Entsorgung durch den öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger Land Berlin ausgeschlossen /11/. Fallen im Land Berlin Bauabfälle an, die nicht verwertbar sind, sind diese von den Erzeugern oder Besitzern dieser Abfälle eigenverantwortlich einer ordnungsgemäßen Beseitigung zuzuführen.

Mehr als 90% der in Berlin anfallenden Bauabfälle sind mineralischer Natur und können derzeit fast vollständig stofflich verwertet werden. Bei fehlenden Verwertungsmöglichkeiten (z.B. Gipskarton, z.T. auch Ziegelmaterialien) werden sie deponiert. Nach den entsprechenden gesetzlichen Vorschriften dürfen nicht verwertbare mineralische Bauabfälle seit dem 16. Juli 2009 verordnungskonform nur noch auf basisgedichteten Flächen mit einer vorhandenen oder einer durch technische Maßnahmen geschaffenen geologischen Barriere deponiert werden.

Da die Deponien der MEAB mbH insbesondere für die Beseitigung von mineralischen Bauabfällen aus dem Land Berlin auch weiterhin von Bedeutung sein werden, wird darauf verwiesen, dass zusätzlich zu den bestehenden basisgedichteten Flächen auf den Siedlungsabfalldeponien Schöneiche und Vorketzin auf der Bauabfalldeponie Deetz ein dem Stand der Technik entsprechender Deponieabschnitt errichtet wurde.

Auf Grund der stofflichen Zusammensetzung der mineralischen, nicht gefährlichen Bauabfälle (anorganisch) sind Maßnahmen, die zu einer Verminderung von Menge und Schädlichkeit nichtverwertbarer Abfälle führen, nicht von Relevanz.

Nicht mineralische Bauabfälle wie z. B. Kunststoffe, gemischte Bau- und Abbruchabfälle, nicht mineralische Dämmmaterialien, Bitumendachpappen und Holz werden auch künftig einen untergeordneten Anteil am zu beseitigenden Bauabfall ausmachen. Da die Ablagerung von unvorbehandelten, nicht mineralischen Bauabfällen bereits seit dem 1.06.2005 rechtlich nicht mehr zulässig ist, sind diese Abfälle - ggf. über eine weitere Aufbereitung - einer energetischen Verwertung oder Beseitigung zur Reduzierung ihrer Menge und Schädlichkeit zuzuführen.

Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1130

Im Jahr 2008 wurden von den genannten nicht mineralischen Bauabfallfraktionen lediglich rund 800 Mg Dämmmaterialien (nichtmineralisch) zur Beseitigung überlassen und über das MHKW Ruhleben energetisch behandelt. Aus dieser relativ geringen Menge resultiert folglich nur ein geringerer ökologischer Effekt hinsichtlich Verminderung der Menge und Schädlichkeit nicht verwertbarer Abfälle.

Unabhängig von den geänderten Rahmenbedingungen hinsichtlich des Wegfalls der Überlassungspflicht gegenüber dem Land Berlin von Bauabfällen zur Beseitigung, sind nachfolgende Maßnahmen grundsätzlich geeignet, zur Reduktion von Menge und Schädlichkeit nicht verwertbarer Abfälle beizutragen:

Separierung von gefährlichen Abfällen mit hohem Schadstoffgehalt sowie von PVC-haltigen Abfällen an der Anfallstelle und anschließende Zuführung zur Entsorgung in geeigneten Anlagen,

Minimierung der Luftschadstoffemissionen im Falle des umweltverträglichen Schiffstransportes von Abfällen,

Erfassung und energetische Verwertung von klimaschädlichen Deponiegasen,

Mengenreduktion durch Einsatz von heizwertreichen Bauabfällen in Industrieanlagen,

Weitestgehende Zerstörung schädlicher organischer Inhaltsstoffe des Abfalls durch den thermischen Prozess,

Mengen- und Schadstoffreduktion für die Abfallfraktionen Bitumenpappe sowie nichtmineralische Dämmmaterialien durch thermische Behandlung,

Begrenzung der Luftschadstoffemissionen bei Abfallverbrennungs- sowie Industrieanlagen nach den Vorgaben der 17. BImschV /66/. Abfallwirtschaftskonzept Berlin ­ Teil 1 131

Klärschlämme

Bei der Entsorgung der Berliner Klärschlämme stehen gegenwärtig die energetische Verwertung sowie die Klärschlammbeseitigung unter Nutzung des Klärschlammenergieinhaltes im Mittelpunkt. Diese Entsorgungswege sind energietechnisch vorteilhaft, reduzieren die energiebedingten CO2-Emissionen und tragen daneben auch wesentlich zur Mengen- und Schadstoffreduzierung bei.

Derzeitig werden folgende Entsorgungswege, die zu einer Mengen- und Schadstoffreduktion beitragen, benutzt:

Ca. 37.000 Mg (TS) Klärschlämme werden jährlich durch Mitverbrennung in Braun- bzw. Steinkohlekraftwerken oder in Zementwerken im Bundesgebiet entsorgt. Die Mitverbrennung findet unter Nutzung des Klärschlammenergieinhaltes statt.

Bei der Monoverbrennung im Klärwerk Ruhleben werden seit 2007 zusätzlich zu den hier anfallenden Klärschlämmen ca. 11.000 Mg TS/a Klärschlämme aus anderen Klärwerken der Berliner Wasserbetriebe durch Verbrennung in 3 Wirbelschichtöfen mit entsorgt. Bei der Klärschlammverbrennung von insgesamt ca. 48.000 Mg TS/a im Klärwerk Ruhleben wird elektrische Energie in einer Größenordnung von 25.

MWh elektr. /a erzeugt und anfallende Wärme komplett zur Vorwärmung der Verbrennungsluft und des Kesselspeisewassers genutzt.

Zukünftig können mit dem für 2010 geplanten Beginn des kontinuierlichen Phosphatrecyclings im Klärwerk Waßmannsdorf (siehe Kapitel 6.3.2.2.) aus dem anfallenden Klärschlamm täglich ca. 3 Mg MAP (Magnesiumammoniumphosphat) zurück gewonnen werden (Mengenreduzierung).