Umwelt

Abfallwirtschaftskonzept Berlin, Teil 2 53

Die grundsätzliche Vorgehensweise ist in Abbildung 4 dargestellt.

Allgemeine Prüfung

1. Handelt es sich um Abfall?

2. Handelt es sich um ein Verwertungsverfahren?

3. Erfolgt die Verwertung ordnungsgemäß und schadlos?

2. Besitzt der durch den Abfall ersetzte Stoff eine hohe Veredlungsstufe?

3. Verbleibt der Abfall im Wirtschaftskreislauf?

4. Ist die Gefahr der diffusen Verteilung von Umweltschadstoffen gering?

Vergleichende Bewertung der Verwertungsmöglichkeiten

5. Schadstofffreisetzungen

6. Sekundärabfälle

7. Stofflicher Ressourcenverbrauch

8. Energieverbrauch, Energienutzung

9. Anreicherung von Schadstoffen im Wertstoffkreislauf Festlegung der Rangfolge 2.Verfahrenstechnische Bewertung ja Abbildung 4: Prüfschema" Hochwertige Verwertung " Erscheinen nach dieser Prüfung mehrere mögliche Verwertungsverfahren bezüglich der Umweltverträglichkeit als gleichrangig, sollte dasjenige Verfahren ausgewählt werden, das in der Gesamtbetrachtung aller Bewertungsstufen die höherwertige Verwertung darstellt: Höherwertig ist grundsätzlich dasjenige Verfahren, bei dem die im Abfall enthaltenen Ressourcen am intensivsten genutzt werden und damit am längsten erhalten bleiben. Das Ziel ist ein möglichst geringer Verbrauch natürlicher Ressourcen. Mit zunehmender Verarbeitung und Veredlung von Produkten nehmen gleichzeitig Energie-, Material- und Umweltbelastung zu. Daher sollte demjenigen VerwertungsverAbfallwirtschaftskonzept Berlin, Teil 254 fahren der Vorzug gegeben werden, bei dem der durch den Abfall ersetzte Einsatzstoff eine möglichst hohe Veredlungsstufe besitzt.

Steigende Veredlungsstufe in folgender Reihenfolge: Natürliche Ressource Rohstoff Grundstoff / Energieträger Werkstoff Vorprodukt Endprodukt.

Es soll ferner dasjenige Verwertungsverfahren favorisiert werden, bei dem die Gefahr der diffusen Verteilung umweltgefährdender Stoffe minimal ist.

Insgesamt sollen das Substitutionspotenzial für Originalsstoffe durch den Einsatz von Abfall möglichst hoch und die Umweltbelastungseffekte durch die Verwertung möglichst gering sein.

Tabelle 9 zeigt am Beispiel der Verwertung von Strahlmitteln die grundsätzliche Vorgehensweise bei der Anwendung der genannten Kriterien beim Vergleich verschiedener Verwertungsverfahren.

Frage / Verfahren Herstellung von RecyclingStrahlmittel Einsatz im Wegebau Bewertung der stofflichen Nutzung Werden die Abfallstoffe entsprechend ihrem ursprünglichen Zweck oder in ähnlicher Weise verwendet?

ja nein Besitzt der durch den Abfall ersetzte Stoff eine hohe Veredlungsstufe?

ja nein Verbleibt der Abfall im Wirtschaftskreislauf? ja nein

Ist die Gefahr der diffusen Verteilung von Umweltschadstoffen gering?

ja nein Verfahrenstechnische Bewertung Emissionen niedrig niedrig Sekundärabfälle mittel niedrig Stofflicher Ressourcenverbrauch niedrig niedrig Energieverbrauch mittel gering Anreicherung von Schadstoffen im Wertstoffkreislauf nein nein Rangfolge 1. 2.

Tabelle 9: Bewertung von Verwertungsverfahren am Beispiel der Verwertung von Strahlmitteln

In Tabelle 10 sind weitere Verwertungsverfahren gegenübergestellt, wobei lediglich die für die Gesamtbewertung ausschlaggebenden Kriterien aufgeführt sind.

Abfallwirtschaftskonzept Berlin, Teil 2 55

Abfallart Verwertungsverfahren Bemerkung / Kriterium Bewertung (+/-) Aufbereitung und Wiederverwendung des Kühlschmierstoffs (KSS) im Prozess, Einsatz der Metallspäne im Elektrostahlprozess

Der Abfall wird auf einer hohen Veredlungsstufe eingesetzt (der aufbereitete Abfall ersetzt das Endprodukt). +Metallschleifschlamm Einsatz als Zuschlagstoff in der Zementherstellung

Der Abfall wird auf einer niedrigen Veredlungsstufe eingesetzt (Ersatz von Rohstoff durch eisenhaltige Abfälle) Aufbereitung und Wiederverwendung des Destillats als Frischware mit DIN-Qualität.

Der verwertete Abfall verbleibt lange im Wirtschaftskreislauf und schont daher natürliche Ressourcen. Verwertung des Bodenproduktes als Reduktionsmittel in der Erzverhüttung oder in der Stahlindustrie. Verarbeitung der Basisöle zu Motoren-, Hydraulik- und Getriebeölen.

Der verwertete Abfall verbleibt lange im Wirtschaftskreislauf und schont daher natürliche Ressourcen.

Abfall ersetzt den Einsatzstoff auf hoher Veredlungsstufe (Basisöl = Vorprodukt) +Altöle Aufbereitung zu Schwerölen. Der Abfall wird nicht seinem ursprünglichen Zweck entsprechend verwendet.

Der verwertete Abfall wird dem Wirtschaftskreislauf bei der nächsten Stufe entzogen (Down-Cycling). Lackschlämme Rückgewinnung von Lack aus Auswaschwasser von Spritzkabinen durch Ultrafiltration, Elektrophorese und Eindampfen.

Aufbereitung zu Neulacken.

Abfall ersetzt Einsatzstoff auf höchster Veredlungsstufe (Lack = Endprodukt) Abfall verbleibt vollständig im Wirtschaftskreislauf.

Bei der Aufbereitung entstehen kaum zusätzliche Sekundärabfälle.

+ Rückgewinnung von Bindemitteln durch Lösen, Trennen und Dünnschichtverdampfung. Anschließender Einsatz in der Lackproduktion.

Abfall ersetzt Einsatzstoff auf mittlerer Veredlungsstufe (Bindemittel = Grundstoff) Zusätzlicher relevanter Energieverbrauch.

Es entstehen zusätzliche Sekundärabfälle.