Mehr Teilhabe für Senioren in Beruf und Ehrenamt ­ Altersbeschränkungen überprüfen!

Das Abgeordnetenhaus hat in seiner Sitzung am 15.10.2009 Folgendes beschlossen: „Der Senat wird aufgefordert, Senioren noch mehr Möglichkeiten zu Teilhabe in Beruf und Ehrenamt einzuräumen, um ihnen so eine gleichberechtigte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen und die Chancen des demografischen Wandels zu nutzen.

Dazu sind

1. alle Altershöchstgrenzen in Gesetzen, Verordnungen des Landes Berlin zu erfassen und kritisch darauf zu untersuchen, ob sie noch geeignet sind, die mit ihnen verfolgten Ziele zu erreichen, und ob aufgrund des demografischen Wandels und einer veränderten Lebenswirklichkeit von Senioren entsprechende Änderungen der Altersbeschränkungen vorgenommen werden müssen.

2. bei entsprechenden Ergebnissen und nach Auswertung der Studie „Altersgrenzen und gesellschaftliche Teilhabe" des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend konkrete Handlungsvorschläge zur Änderung oder Abschaffung von Altersgrenzen zu erarbeiten.

Hierzu wird berichtet:

Der Senat misst der Problematisierung und Bekämpfung von Altersdiskriminierung sowie der gleichberechtigten Teilhabe von Senior/innen in Beruf und Ehrenamt große Bedeutung bei und begrüßt den in der einvernehmlichen Beschlussfassung des

- 2 Abgeordnetenhauses zum Ausdruck kommenden breiten Konsens zum Thema. Die Sensibilisierung für die Problematik der Altersdiskriminierung sowie die Identifizierung und Überwindung von Hürden, die einer gleichberechtigten Teilhabe im Weg stehen, sind zentrale Schwerpunkte sowohl der Antidiskriminierungspolitik wie der Seniorenpolitik des Landes und standen u. a. im Mittelpunkt des gemeinsam von der Landesantidiskriminierungsstelle und dem Landesseniorenbeirat durchgeführten und vielbeachteten Fachtages „Altersdiskriminierung ­ (k)ein Thema?" im Oktober 2008.

In Umsetzung des Auftrags aus dem Abgeordnetenhaus legt der Senat nunmehr eine umfassende Bestandsaufnahme zu Altersgrenzen in den Berliner Rechtsvorschriften vor. Vorangestellt werden einige grundlegende Ausführungen zum Problemfeld der Altersdiskriminierung, zu den antidiskriminierungsrechtlichen Rahmenbedingungen und zu aktuellen fachwissenschaftlichen Beiträgen, die sich der Thematik aus einem juristischen und gerontologischen Blickwinkel annehmen.

Die Federführung für die Erarbeitung des Berichts lag bei der der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales zugeordneten Landesantidiskriminierungsstelle.

Altersdiskriminierung ­ Problemwahrnehmung und Dimensionen

Es ist bemerkenswert, dass die Wahrnehmung für die Problematik der Altersdiskriminierung in den letzten beiden Jahren stark zugenommen hat. Dies belegt beispielsweise das „Eurobarometer", über das Erfahrungen und Haltungen zum Themenfeld Diskriminierung europaweit kontinuierlich erfasst werden. Nach der aktuellsten Meinungsumfrage aus November 2009 wird zwar die Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft (61%) als die am weitesten verbreitete Form der Diskriminierung in der EU betrachtet, gefolgt jedoch von der Diskriminierung aufgrund des Alters (58%) und einer Behinderung (53%). Während sich hinsichtlich der Wahrnehmung von Diskriminierung aufgrund der Ethnizität seit 2008 keine bedeutenden Änderungen ergeben haben, konnte eine deutliche Veränderung in der öffentlichen Meinung zu Diskriminierung aufgrund des Alters und aufgrund von Behinderung beobachtet werden: während die Mehrheit vor zwei Jahren noch der Ansicht war, dass Diskriminierung aufgrund dieser beiden Merkmale selten vorkomme, werden diese beiden nun von mehr als der Hälfte der Europäer/innen als weit verbreitete Diskriminierungsgründe angegeben (Alter: +16 Prozentpunkte seit 2008; Behinderung: + 8 Prozentpunkte seit 2008). 64 % der EU-Bürger/innen sind zudem der Meinung, dass die derzeitige wirtschaftliche Lage zu einer weiteren Verstärkung der Diskriminierung aufgrund des Alters auf dem Arbeitsmarkt führen wird. Auf die Frage, aus welchem Grund Arbeitgebende eine/n Bewerber/in mit gleicher Qualifikation am ehesten ablehnen würden, nannten die bundesdeutschen Befragten mit 57% als häufigsten Ablehnungsgrund das Lebensalter.

Auch aus wissenschaftlicher Sicht gibt es eine Reihe von Untersuchungen, die auf den Tatbestand struktureller Diskriminierung Älterer im Erwerbsleben hindeuten. Der 5.

Eine Dokumentation gleichen Titels liegt vor und steht auch als download unter http://www.berlin.de/imperia/md/content/lb_ads/alter_.korr_14_01_09.pdf?start&ts=1273221057&file=alte r_.korr_14_01_09.pdf zur Verfügung