Innovationsförderung

15 Zu 13.: Die Universitäten verfügen durch ihre gemeinsamen Berufungen mit den stark anwendungs- und industrieorientierten Instituten vor allem der FraunhoferGesellschaft, des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, der Helmholtzgemeinschaft der Großforschungseinrichtungen sowie des Forschungsverbunds Berlin über eine Vielzahl von Industriekooperationen, deren Aufzählung den Rahmen der Beantwortung dieser Großen Anfrage sprengen würde. Die Universitäten und die Charite berichten über ihre Zusammenarbeit mit der Industrie jährlich in ihren Leistungsberichten, auf die zur ergänzenden Information verwiesen sei.

Aus der Vielzahl der Aktivitäten seien hier nur einige Ergebnisse der letzten Jahre genannt.

Das Helmholtz-Zentrum Berlin setzt in Kooperation mit der TU Berlin in dem aus Mitteln des BMBF-Programms und des Senats (Spitzenforschung Innovation ­ Ost) geförderten Photovoltaik-Kompetenz-Zentrum Berlin (PVcomB) einen neuen Schwerpunkt in der Dünnschicht-Photovoltaik.

Das Fraunhofer-Institut für Mikrointegration und Zuverlässigkeit war maßgeblich an der Entwicklung und Einführung der neuen Umweltstandards für bleifreie Lötverbindungen in der Mikroelektronik beteiligt. Die am Institut in enger Zusammenarbeit mit der TU Berlin hinsichtlich der Machbarkeit nachgewiesenen Miniatur-Brennstoffzellen belegen den hohen Stand der Beteiligung an aktuellen Forschungsthemen weltweit.

Der von Berlin und Brandenburg gemeinsam geförderte Innovationscluster der Fraunhofer-Gesellschaft „MRO ­ Maintenance, Repair and Overhaul" am Fraunhofer Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik erprobt in enger Zusammenarbeit mit dem Produktionstechnischen Zentrum der TU Berlin und der Industrie neue Wege zum ressourcen- und umweltschonenden Betrieb von Anlagen und Systemen. Die Ergebnisse dieses jeweils zu einem Drittel aus Mitteln des Paktes für Forschung und Innovation, Ländermitteln und Projektmitteln der Industrie finanzierten Innovationsclusters gehen unmittelbar in den Alltagsbetrieb der beteiligten Unternehmen ein.

Das Leibniz-Institut für Höchstfrequenztechnik (Ferdinand-Braun-Institut) des Forschungsverbunds Berlin setzt mit seiner miniaturisierten Leistungselektronik neue Maßstäbe für die Regelungstechnik, ohne die eine dezentrale Energieversorgung mit heterogenen Netzeinspeisungen aus Solarenergie und Windkraft nicht vorstellbar ist.

Hinzu kommen wegweisende Entwicklungen auf dem Gebiet der Photonenquellen, die schon bald die Energiesparlampen als hocheffiziente Beleuchtungsquellen ablösen werden.

Nicht zuletzt steht auch das DFG-Forschungszentrum MATHEON der Berliner Universitäten (Sprecheruniversität TU Berlin) mit seinen Kooperationsprojekten zur Effizienzsteigerung und Simulation von Optimierungen an der Wegbereitung der Green Economy unmittelbar im internationalen Wettbewerb um die umweltfreundlichste Lösung.

Neben der breiten Beteiligung von Berliner Forschungseinrichtungen am 7. Forschungsrahmenprogramm der EU konnten weitere europäische Fördermittel durch Erfolge bei Ausschreibungen eingeworben werden.

So erlangte die TU Berlin auf dem Wege einer Ausschreibung der Knowledge and Innovation Centers (KIC) des European Institute of Technology die Mitberechtigung zur Antragstellung für den Aufbau von europaweiten Strukturen für gemeinsam mit der Industrie durchzuführende Projekte mit einem Gesamtvolumen von 100 Mio. Eu- 16 ro auf dem Gebiet der Klimaforschung (KIC der Klimaforschung). Weiterhin ist die TU Berlin im KIC "EIT ICT Labs" (IKT-Technologien) in dem europäischen Konsortium verantwortlich für den Bereich Innovation. Die TU Berlin ist einer der sechs deutschen Hauptpartner.

Erfolge bei solchen Ausschreibungen sind deshalb von großer Relevanz, weil sie den Grundstock für die notwendige internationale Vernetzung der Universität zwischen ihren europäischen Partnern und der weltweit tätigen Industrie legen. Auf diese Weise entsteht auch für den Standort Berlin und die hier vertretenen Akteure in Wissenschaft und Wirtschaft eine deutlich erhöhte Sichtbarkeit und damit neue Chancen zur Einwerbung weiterer Kooperationen.

Auch die Berliner Fachhochschulen entwickeln sich noch stärker als bisher besonders im Umfeld von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zu wichtigen Partnern.

Das von der Senatsverwaltung für Bildung, Wissenschaft und Forschung initiierte "Institut für angewandte Forschung" der Berliner Hochschulen für angewandte Forschung hat sich als eingetragener Verein konstituiert und die Arbeit aufgenommen.

Das Institut wird im Rahmen des Masterplans „Wissen schafft Berlins Zukunft ­ Forschungsoffensive" für die Laufzeit des Programms ­ zunächst bis zu seiner Evaluierung im Jahre 2011 mit 2 Mio. Euro jährlich gefördert. Die vier beteiligten Hochschulen haben unter dem Dach des Instituts hochschulübergreifende Kompetenzzentren gebildet, die auf den jeweiligen Profilen der Hochschulen aufsetzen. Das Institut stärkt so die unmittelbare Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen und schlägt die Brücke direkt zu den anwendenden Unternehmen. Die bisherigen Projekte haben Schwerpunkte bei der Entwicklung umweltschonender und sicherer Verpackungsformen, Akzeptanz- und Gründungsforschung.

Kooperationen zwischen Industrie und Universitäten werden auch durch Stiftungslehrstühle von Industrieunternehmen begründet. Solche industriellen Förderer gibt es vor allem bei der TU, während die Stiftungslehrstühle der Charite, der FU und der HU vor allem von Stiftungen (etwa Krupp-Stiftung) oder Verbänden (Stifterverband für die deutsche Wissenschaft) gefördert werden. Beispielsweise trägt die Stiftungsprofessur der Veolia Wasser an der TU Berlin, FG Siedlungswasserwirtschaft, mit dazu bei, die einer nachhaltigen Wasserwirtschaft dienenden Forschungs- und Entwicklungsarbeiten am Kompetenzzentrum Wasser Berlin (KWB) voranzubringen.

Für die Weiterentwicklung der Innovations- und Wirtschaftspolitik im Bereich der Green Technology / Green Economy setzt der Senat auf eine enge Vernetzung der Potenziale und Akteure in Wissenschaft und Wirtschaft. Mit Blick auf die besondere Leistungskraft und die bedeutenden Potenziale in Wissenschaft und Wirtschaft hat er sich im Jahre 2008 entschlossen, das Kompetenzfeld Energietechnik als eine weitere zentrale Achse in seiner Innovationsstrategie einzurichten und dazu ein Kompetenzfeldmanagement bei der Technologiestiftung Berlin (TSB) etabliert. Innerhalb des Kompetenzfeldes wurden mehrere prioritäre Handlungsfelder festgelegt, und in mehreren Fällen auch mit der Einrichtung von Netzwerken organisatorisch gefasst. Diese Netzwerke werden in der Regel aus GRW-Mitteln kofinanziert.

Insgesamt wurden damit die Voraussetzungen für eine enge Kooperation zwischen Wirtschaft und Wissenschaft und eine Verbesserung des Technologietransfers weiter optimiert. Mit dem konzentrierten und prioritären Einsatz der Berliner Instrumente der Wirtschafts- und Innovationsförderung auf die Kompetenzfelder wird zudem ein deutlicher Anreiz zur Förderung der umwelt- und energierelevanten Aktivitäten gesetzt.

- 17 Wenngleich im Bereich der Umwelttechnologien gegenwärtig das Kompetenzfeld Energietechnik mit seinen Handlungsfeldern „Photovoltaik", „Elektrische Übertragungs- und Verteilungsnetze", „Turbomaschinen/Kraftwerkstechnik" sowie den „Energieeffizienztechnologien" im Vordergrund der Innovationsstrategie steht, bedeutet dieses nicht, dass die Potenziale in anderen Branchen der „Green Economy" verkannt werden. Vor allem auf dem Gebiet der „nachhaltigen Wasserwirtschaft" haben sich seit Jahren enge und fruchtbare Beziehungen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft herausgebildet, die auch organisatorisch über Netzwerke, wie dem KWB oder dem Netzwerk „WaterPN" verankert sind.

14. In welchen Bereichen der Green Economy sieht der Senat Handlungsbedarf, um vorhandene oder drohende Engpässe bei der Gewinnung von Fachkräften zu vermeiden? Mit welchen Maßnahmen unterstützt der Senat die Unternehmen bei der Suche nach geeigneten Bewerberinnen und Bewerbern und wie erhalten potentielle Bewerber Informationen über offene Stellen? Welche Möglichkeiten sieht der Senat, gezielt die Ausbildungsmöglichkeiten für diesen Bereich an Schule, Fachhochschule und Universität zu erhöhen? Wie kann einer Abwanderung von in der Region ausgebildeten Ingenieuren und Technikern vorgebeugt werden?

Zu 14.: Die im Februar 2010 vorgestellte Fachkräftestudie Berlin-Brandenburg zeigt deutlich, dass sich Berlin und Brandenburg auf veränderte Rahmenbedingungen auf dem Arbeitsmarkt einstellen müssen. Aus der Fachkräftestudie leitet sich ein allgemeiner Handlungsbedarf ab, der bei der Jugend- und Bildungspolitik beginnt, sich bei der Hochschulpolitik fortsetzt und in der Wirtschaftspolitik einen engen Schulterschluss zwischen Politik und Unternehmen voraussetzt. Hier müssen Rahmenbedingungen geschaffen und optimiert werden, die lebenslanges Lernen erleichtern und die Vereinbarkeit von Beruf, Freizeit und Familie gewährleisten. Mittel- und langfristig werden die Unternehmen erfolgreich bestehen können, die flexible Arbeitsplatzgestaltungen vornehmen, welche geeignet sind, die Potenziale auch älterer Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer zu erschließen. Für eine abgestimmte Strategie wird aktuell auf Grundlage der Fachkräftestudie Berlin-Brandenburg von der Senatsverwaltung für Integration, Arbeit und Soziales der Masterplan Qualifizierung (MPQ) erarbeitet. Der Masterplan Qualifizierung ist mit dem Masterplan Industriestadt Beriln 2010-2020 abgestimmt, insbesondere hinsichtlich der Schwerpunkte berufliche Weiterbildung und die berufsbezogene Bildungsberatung. Deutlich wurde aus der Fachkräftestudie, dass eine Reihe von Wirtschaftszweigen, die gegenwärtig die positive Entwicklung der Berliner Wirtschaft prägen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer mit ähnlichen Qualifikationen (Stichwort: MINT-Fächer) benötigen. Wenn sich hier tatsächlich ein Engpass auftun sollte, würde dies auch die Green Economy treffen.

Detaillierter untersucht wurde in der Fachkräftestudie unter anderem das Branchenkompetenzfeld Umwelt- und Energietechnik. Nach den Ergebnissen der Studie profitiert es von einer Unternehmensstruktur, die nicht ausschließlich kleine und Kleinstbetriebe umfasst. 48.000 Arbeitskräfte sind in 1.378 Unternehmen beschäftigt.

Zugleich ist das Durchschnittsalter deutlich höher als z. B. im Bereich Medien und IKT, wodurch für die Zukunft bei wirtschaftlichem Wachstum vor allem mit erhöhtem Bedarf an Nachwuchskräften durch Verrentung zu rechnen ist. Der Frauenanteil an den Beschäftigten konzentriert sich aktuell auf Bürofachkräfte und ist mit 24,3 % sehr niedrig. Zugleich haben die Gespräche mit Unternehmensvertreter/-innen der Umwelt- und Energietechnik gezeigt, dass die Akzeptanz von Frauen in technischen Tätigkeiten vielfach noch gering ausgeprägt ist, so dass fraglich bleibt, ob der Frauenanteil dort in den nächsten Jahren signifikant erhöht werden kann.