Wohnen

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Begründung zum Bebauungsplan II-200g

Innerhalb des Geltungsbereichs befinden sich keine Biotope, die dem gesetzlichen Schutznach § 26a NatSchG Bln unterliegen. Natürliche oder naturnahe Biotope finden sich ebenfalls nicht im Plangebiet. Die Wertstufe 4 wird daher nicht vergeben.

Aufgrund ihres Alters und der langen Regenerationszeiten werden alte Einzelbäume, Baumgruppen und Alleen der Wertstufe 3 zugeordnet. Sie erlangen auf Grund ihrer Artenzusammensetzung, ihres Alters und ihrer Vitalität eine hohe Wertigkeit für den Biotop- und Artenschutz. Zwei herausragende Einzelexemplare auf dieser Fläche, eine Buche und eine Platane, besitzen darüber hinaus den Status eines eingetragenen Naturdenkmals. Ebenso stellen die Kastanien- und Platanenallee aufgrund ihres Alters prägende Baumbestände mit hoher Wertigkeit dar. Baumgruppen mittleren Alters werden ebenso wie die Pionierwaldbestände als von mittlerer Wertigkeit (Wertstufe 2) bewertet. Sie sind schneller regenerierbar als die zuvor genannten Biotoptypen.

Die Ruderalflächen mit und ohne Gehölze sind aufgrund ihres Refugialfunktion für seltene Arten und ihrer rückläufigen Tendenz innerhalb der Innenstadt trotz ihrer hohen anthropogen Beeinflussung als allgemein- bis mittelwertig (Wertstufe 1-2) anzusehnen. Hingegen besitzen Grasflächen, Zierrasen und die Beachvolleyballfläche aufgrund ihrer starken anthropogenen Standortprägung, ihres eingeschränkten Arteninventars mit häufigen und weit verbreiteten Arten sowie der mehr oder weniger intensiven Nutzung bzw. Pflege lediglich eine allgemeine ökologische Bedeutung auf (Wertstufe 1).

Die befestigten und überbauten Flächen im Plangebiet sind naturschutzfachlich weitgehend bedeutungslos. Die Flächen sind überwiegend vegetationslos, vollversiegelt und die Gebäude ohne Dachbegrünung. Sie werden als Flächen mit der Wertstufe "0" eingestuft. Aufgrund des Lebensraumpotenzials der Gebäuderuine für gebäudebrütende und Gebäude bewohnende Vogel- und Fledermausarten wird jedoch die Ruine als von mittlerer bis hoher Wertigkeit eingestuft.

In folgender Tabelle werden die im Untersuchungsgebiet aufgenommenen Biotoptypen aufgelistet und bewertet.

Sie sind Teil des innerstädtischen Systems an Grün- und Freiflächen im Verlauf des Gewässers mit Anbindungen an weitere innerstädtische Freiflächen und Parkanlagen. Direkte Anbindungen des Plangebietes an den Großen Tiergarten, der sowohl für sein relatives Artenreichtum als auch für seine Refugialfunktion für seltene und bedrohte Pflanzen- und Tierarten bekannt ist, gibt es nicht, da die Spree die Flächen trennen.

Die Spree selbst stellt ein wichtiges, über die Stadtgrenzen hinaus in das Berliner Umland führendes Vernetzungselement für wassergebundene Arten dar. Im Bereich des Planungsgebietes kann sie diese Funktion aufgrund ihres kanalartigen Ausbaustandes mit verbauten Ufern, fehlender Uferzone und dem hohen Verkehrsaufkommen nur stark eingeschränkt erfüllen.

Die offenen, teils vegetationslosen Flächen entlang der Bahntrasse besitzen nach Süden nur noch eine Verbindung über den Baumbestand der Ingeborg-Drewitz-Allee zu den Freiflächen des hier entstandenen Wohngebiets. Nach Norden bestehen unter der Straße Alt-Moabit noch Verknüpfungen zum ULAP-Gelände und den noch vorhandenen Freiflächen am Hauptbahnhof, die jedoch bei Umsetzung der geplanten Bebauung entfallen.

Der Bahntrasse kommt auf Grund ihrer Bauweise als Viadukt keine Biotopverbundfunktion zu.

Im Rahmen der derzeit laufenden Aktualisierung und Fortschreibung des Landschaftsprogramms, Programmplan Biotop- und Artenschutz wird das Plangebiet als potenzielles Verbindungsbiotop für zwei Zielarten gesehen. Hierbei handelt es sich um den Europäischen Biber (Castor fiber), der in der Spree als Durchzugsgast vorstellbar ist und die Heuschreckenart Kiesbank-Grashüpfer (Chorthippus pullus). Er könnte ggf. im Bereich sandig-kiesiger Freiflächen in Ufernähe Ersatzbiotope finden.

Beide Arten sind im Planungsgebiet und den angrenzenden Flächen nicht nachgewiesen.

Die potenzielle Verbundfunktion des Plangebietes besteht hier ausschließlich in der Tatsache, dass das Plangebiet mögliche Ersatzbiotope für die genannten Arten aufweist.

Vögel

Zur Erfassung der Brutvögel wurde das Plangebiet mehrmals im August 2008 aufgesucht.

Die Brutvogeldichte wurde aufgrund des Untersuchungszeitraums in Anlehnung an die allgemein anerkannten Revierkartierungsmethoden ermittelt. Es konnten 32 Vogelarten nachgewiesen werden. Davon sind 13 Brutvogelarten, 12 Arten mit Brutverdacht und sieben Nahrungsgäste zu verzeichnen. Die Zusammensetzung der Avifauna entspricht damit dem Erwartungswert. Das Gebiet ist für eine Reihe von Vogelarten als Nahrungs- und Bruthabitat von Bedeutung. Die Artenanzahl ist abhängig von einer hohen Habitat- und Strukturdiversität, wie sie teilweise im Gebiet zu finden ist. Die vorhandene Ruderalfläche dient hauptsächlich als Nahrungsraum.

In der aktuellen Untersuchung konnten 25 Vogelarten nachgewiesen werden, die die Fläche als Brutgebiet nutzten oder für die Brutverdacht besteht (Ringeltaube, Blaumeise, Kohlmeise, Zilpzalp, Fitis, Rotkehlchen, Gelbspötter, Steinschmätzer, Nachtigall, Hausrotschwanz, Gartenrotschwanz, Gartenbaumläufer, Kleiber, Zaunkönig, Amsel, Klappergrasmücke, Mönchsgrasmücke, Eichelhäher, Star, Buchfink, Haussperling, Feldsperling, Grünfink, Stieglitz und Girlitz). Das entspricht 15,1 % der regelmäßig in Berlin brütenden Vogelarten.

Daneben konnten 7 Arten (Buntspecht, Mauersegler, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Schwanzmeise, Elster und Nebelkrähe) als Nahrungsgäste nachgewiesen werden.

Um die Wertigkeit des Bestandes für die Avifauna darzustellen, wurden die Bestandstrends der einzelnen Arten ohne die Nahrungsgäste betrachtet. Bei 12 Arten (48,0 %) ist ein positiver Bestandstrend in Berlin zu beobachten, neun Arten (36,0 %) zeigen eine gleich bleibende Tendenz, während bei vier Arten (Girlitz, Feldsperling, Steinschmätzer und Gelbspötter ­ insg. 16,0 %) die Bestände in Berlin zurückgehen.

Als Besonderheit muss der Brutverdacht des stark gefährdeten Steinschmätzers angesehen werden. In wieweit es sich wirklich um einen Brutvogel gehandelt hat oder einen durchziehenden Vogel, ist ungeklärt.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Begründung zum Bebauungsplan II-200g

Gefährdung / Schutzstatus

Im Untersuchungsgebiet wurde eine in Berlin stark gefährdete Art festgestellt, der Steinschmätzer. Die Art gilt auch bundesweit als stark gefährdet. Zwei Arten stehen in Berlin auf der Vorwarnliste (Gelbspötter, Feldsperling)

Alle europäischen Vogelarten gehören nach § 7 BNatSchG zu den besonders geschützten Arten. Rechtsgrundlage ist die europäische Vogelschutzrichtlinie (79/409/EWG). Davon sind somit alle im Untersuchungsgebiet festgestellten Vogelarten betroffen. Nach § 7 BNatSchG streng geschützte Arten oder Arten des Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie konnten im Gebiet nicht nachgewiesen werden.

Fledermäuse

Die Untersuchung der Fledermäuse erfolgte im August 2008. Ziel war es, die Fledermausaktivitäten (Jagd, Quartiere) auf dem Gelände festzustellen und die Lebensraumeignung des vorhandenen Baumbestandes zu überprüfen.

Zum Zeitpunkt der Begehungen wurden keine Fledermäuse im Gebiet festgestellt. Sehr wahrscheinlich wird die Fläche aber als Nahrungsraum von Fledermäusen genutzt. Dem benachbarten Großen Tiergarten kommt eine bedeutende Funktion als Quartierstandort und Jagdrevier zu. Auch die angrenzende Spree ist Jagdrevier für mehrere Fledermausarten. Für die Umgebung des Untersuchungsgebietes sind Quartiere von Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus, Wasserfledermaus und Abendsegler bekannt. Das Gebiet könnte für folgende Arten Nahrungsraum sein:

- Wasserfledermaus (RL Berlin: stark gefährdet),

- Zwergfledermaus (RL Berlin: gefährdet),

- Großer Abendsegler (RL Berlin: gefährdet),

- Braunes Langohr (RL Berlin: gefährdet) und

- Breitflügelfledermaus (RL Berlin: gefährdet)

Die vorliegende Untersuchung hatte nicht den Anspruch, alle möglichen Quartiere auf Besatz zu überprüfen. Geeignete Quartiere sind aber im Gebiet vorhanden, z. B. Höhlenbäume.

Neben Höhlenbäumen können auch weniger auffällige Bäume mit Hohlräumen durch Zwieselbildung, Stammrisse, abstehende Rinde u.ä. Fledermäusen Quartiermöglichkeiten bieten.

Außerdem haben verschiedene Arten verschiedene Quartieransprüche. Gegebenenfalls bieten auch die vorhandenen Gebäude (Feuerwache, Gebäuderuine am Restaurant ParisMoskau etc.) Quartiermöglichkeiten.

Schutzstatus

Alle heimischen Fledermausarten zählen nach § 7 BNatSchG zu den streng geschützten Tierarten. Die Richtlinie 92/43/EWG der Europäischen Gemeinschaft (FFH-Richtlinie) führt im Anhang IV alle europäischen Fledermausarten auf. Danach sind die Arten bzw. ihre Quartiere vor Verfolgung und absichtlicher Störung geschützt.

Reptilien

Die Erfassung der Zauneidechse erfolgte an warmen Tagen im August 2008, indem potenzielle Verstecke beobachtet und wenn möglich auf Besatz untersucht wurden.

Ein Vorkommen der Zauneidechse konnte im Gebiet nicht festgestellt werden. Die typischen Habitate wie strukturreiche Ruderalflächen mit entsprechend ausgeprägter Kraut-, Strauchund Baumschicht in unterschiedlichen Altersstadien sind im Gebiet vorhanden. Aufgrund der intensiven Nutzung der Brachfläche als Hundeauslaufgebiet und der damit verbundenen Störungen ist allerdings ein Vorkommen der Zauneidechse sehr unwahrscheinlich.

Laufkäfer

Zur Erfassung der am Boden aktiven Laufkäfer wurden im Untersuchungsgebiet Becherfallenfänge und ergänzende Handaufsammlungen durchgeführt. Dabei wurden 16 Laufkäferarten ermittelt, das entspricht rund 6 % der aktuell in Berlin vorkommenden Arten. Der größte Teil der Arten ist in Berlin häufig oder sehr häufig. Zwei Arten sind selten (Ophonus puncticeps und Cicindela hybrida ­ Dünen-Sandlaufkäfer), eine Art ist extrem selten (Harpalus melancholicu).