Die sandigen Deckschichten des Urstromtals erreichen in der Regel eine Mächtigkeit von

Begründung zum Bebauungsplan Senatsverwaltung für Stadtentwicklung II-200g tals. Im ehemaligen Überschwemmungsbereich der Spree und so auch im Bereich Moabiter Werder sind Flachmoortorfe zum Teil auf Sanden als alluviale Moorbildung dargestellt.

Die sandigen Deckschichten des Urstromtals erreichen in der Regel eine Mächtigkeit von 10 bis 15 m, die anstehenden pleistozänen Sande im Untergrund etwa 50 ­ 60 m. Als Ausgangsmaterial für die Bodenbildung nennt der Umweltatlas Fein- und Mittelsande sowie mittel-lehmige Sande, die nur eine geringe nutzbare Feldkapazität aufweisen. Weitere Charakteristiker sind eine hohe Wasserdurchlässigkeit, ein geringes Filter- und Schadstoffbindungsvermögen sowie ein geringes Nährstoffspeichervermögen.

Das Gelände des Planungsgebietes ist relativ eben. Die Höhen über NN bewegen sich zwischen 31,5 m als durchschnittlicher Wasserspiegel der Spree und 37,0 m im Bereich der Moltkebrücke. Auf dem Moabiter Werder fällt das Gelände zur Spree hin leicht ab. Auffällige Geländesprünge sind entlang des befestigten Spreeufers und dem begleitenden Uferweg zu erkennen. Der Moabiter Werder insgesamt liegt etwa 5 ­ 6 m tiefer als die Straße Alt-Moabit.

Boden, Versiegelung

Die ursprünglichen geologischen Formationen sind im Bereich des Plangebietes durch anthropogene Aufschüttungen verändert. So wurden im Rahmen der Stadtentwicklung und in Folge der Zerstörung von Gebäuden im 2. Weltkrieg die anstehenden Bildungen großflächig mit Bauschutt und anderen Materialien überschüttet. Auf dem Moabiter Werder erreichen diese Aufschüttungen Mächtigkeiten bis zu 3 m. Zudem erfolgten mit dem Bau von Gebäuden und Verkehrsanlagen sowie dem Ausbau der Spree als Schifffahrtsstraße umfangreiche Erdbewegungen, die die geologischen Verhältnisse ebenfalls stark verändert haben.

Weitere Beeinträchtigungen der Bodenentwicklung in der Vergangenheit stellten die Kampfmittelräumungen im Bereich der Entwicklungsmaßnahmen „Parlaments- und Regierungsviertel" dar, in Folge derer Teilbereiche erneut umgegraben wurden.

Die anthropogenen Veränderungen der Geländeoberflächen durch Aufschüttungen wirken sich auch auf die Bodenverhältnisse aus. Auf dem mit Trümmer- bzw. Bauschutt durchsetzten Sanden als Ausgangsmaterial entwickelten sich in wenigen Jahrzehnten Pararendzinen als charakteristische Bodengesellschaften, die in Berlin sehr häufig vorkommt. Hierbei handelt es sich um grundwasserferne Landböden, die sich grundlegend von den ursprünglichen Böden im Einflussbereich der Spree unterscheiden. Dem entsprechend zeigt der Umweltatlas auch einen sehr geringen Humusanteil von unter 5 kg / m³.

In Folge der ehemaligen Gärten auf dem Moabiter Werder haben sich teilweise kleinflächige Hortisole oder Hortisolpararendzinen als Übergangsformen gebildet. Im Bereich der vorhandenen Naturdenkmale (Buche und Platane) ist davon auszugehen, dass hier der Boden und die Bodenbildung zumindest seit der Zeit der Baumanpflanzungen (vor dem 2. Weltkrieg) ungestört blieb und größere Schuttaufschüttungen der Nachkriegszeit in diesem Bereich ausgeblieben sind.

Die Versiegelung des Bodens im Plangebiet ist derzeit mittelmäßig. Der Grad der Versiegelung durch Gebäude, Straßen und Wege, Parkplätze und wassergebundenen Befestigungsarten sowie stark verdichteten Flächen mit Stell- und Parkplätzen liegt bei ca. 40 %.

Der Boden im gesamten Planungsgebiet ist anthropogen durch Aufschüttungen oder gärtnerische Nutzung geprägt. Von einem natürlichen und damit schützenswertem Bodenaufbau ist nicht auszugehen. Dem entsprechend stellt der Umweltatlas die Leistungsfähigkeit des Bodens in Bezug auf Lebensraumfunktion für die natürliche Vegetation, Ertragsfunktion für Kulturpflanzen, Puffer- und Filtervermögen, Regelungsfunktion für den Wasserhaushalt sowie die Bedeutung für die Archivfunktion der Naturgeschichte im Plangebiet als gering dar.

In seinen Planungshinweisen zum Bodenschutz ist die Fläche als Unerheblichkeitsbereich mit Böden ohne besondere Anforderungen gekennzeichnet.

Altlasten

Im Berliner Bodenbelastungskataster sind die Altlasten(verdachts)flächen Nr. 0245, 0647, 0832 eingetragen.

Die Flächen 0245 (Spedition und Chemikaliengroßhandel) und 0832 (ehemaliger Packhof, Güterbahnhofsgelände und nachfolgende diverse Kleingewerbenutzung) befinden sich im Bereich des geplanten Sondergebiets und Fußgängerbereichs. Die Fläche 0647 befindet Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Begründung zum Bebauungsplan II-200g sich im Übergangsbereich zwischen den Bebauungsplänen II-200a und II-147 und wurde im Zusammenhang mit der Baufeldfreimachung und Altlastenbeseitigung im Geltungsbereich der Bebauungspläne II-145a, II-145b, II-147 und II-200a beräumt.

Im Vorfeld zum Verfahren für die Bebauungspläne I-200 und II-200 wurde im Auftrag der damaligen Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen eine historische Recherche zur Ermittlung von Altlasten- bzw. Altlastenverdachtsflächen (GEO-DATA GMBH, 1993) durchgeführt. Im Bereich des Moabiter Werders wurden hier hauptsächlich lokale, zum Teil großflächige Kontaminationen des Bodens mit Schwermetallen, Chlorierten Kohlenwasserstoffen, Mineralöl-Kohlenwasserstoffen und Polychlorierten Biphenylen (PCB) festgestellt. Ein erhöhter Handlungsbedarf im Sinne einer Gefahrenabwehr wurde nicht festgestellt.

Außerdem hat die Arbeitsgemeinschaft Umweltgeologie und Geotechnik, Berlin (1994), im Auftrag des Entwicklungsträgers geophysikalische Untersuchungen bzw. Messungen zur Ermittlung von unterirdischen Bauwerksresten durchgeführt. Ergänzend dazu wurde eine orientierende Erkundung im Auftrag des Entwicklungsträgers zur Feststellung von Bodenverunreinigungen durchgeführt (GWAC, Gesellschaft für Wirtschafts- und AltlastenConsulting mbH, 1994). Weiterhin liegt ein ergänzendes, zusammenfassendes Gutachten für den Bereich des Moabiter Werders vor (GWAC, Gesellschaft für Wirtschafts- und Altlasten-Consulting mbH, 1995) vor.

Gegenstand der Erkundung waren Bodenuntersuchungen und Grundwasseruntersuchungen auf die Parameter organische Stoffe sowie anorganische Stoffe.

Die Auswertung der Ergebnisse zeigte eine flächenhafte Verunreinigung des Bodens mit Quecksilber sowie Blei in der Altauffüllung. Weiterhin wurden Verunreinigungen durch Nickel, Arsen, Kupfer, Zink und / oder PAK festgestellt. Organische Verunreinigungen durch Mineralölkohlenwasserstoffe (MKW) sowie leichtflüchtige aromatische und halogenierte Kohlenwasserstoffe (BTEX, LHKW) konnten nicht festgestellt werden.

Im Zuge der Baufeldfreimachung des Geländes wurden nur die aufstehenden Bauwerke und unterirdische Baugrundanomalien beseitigt. Sanierungsbedürftige Grundwasserverunreinigungen auf dem Gelände wurden nicht festgestellt. Die Ergebnisse der durchgeführten Eluat-Untersuchungen des Bodens sowie der Grundwasseruntersuchung ergaben keine Hinweise auf relevante Einträge von Schwermetallen, MKW, BTEX sowie LHKW in das Grundwasser.

Aktuell wurde im Bereich des geplanten Wohngebietes weitere Grundwasseruntersuchungen (GWAC, für Wirtschafts- und Altlasten-Consulting mbH, 2009) durchgeführt. Aufgrund eines nahe dem Lehrter Stadtquartier anliegenden LHKW-Schadens wurde insbesondere die Untersuchung des Parameters LHKW in den Beprobungsplan aufgenommen. Bei der Grundwasseruntersuchung konnte der Parameter LHKW nicht bzw. nur geringfügig (unterhalb des Geringfügigkeitsschwellenwertes, Berliner Liste 2005) nachgewiesen werden. Eine Verunreinigung des Grundwassers durch LHKW ist daher nicht gegeben.

Im Einzelnen ergibt sich folgender Kenntnisstand auf Grund der bei der Bodenschutzbehörde vorhandenen Unterlagen:

Eine Sanierungsanordnung vom 07. Mai 1992 der damaligen Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umweltschutz hat für Teilbereiche auf Grund vorhandener Bodenbelastungen einen Bodenaushub von mindestens 5 x 5 m bis in die dargestellte Tiefe vorgesehen.

Soweit die dargelegten Probenahmepunkte innerhalb der Sonderfläche (BMI Areal) liegen, sieht die derzeitige Planung für die Herrichtung dieser Fläche vor, die Bereiche ­ soweit umweltrechtlich erforderlich ­ bis zum Grundwasseranschnitt auszuheben und mit Boden der Zuordnungsklasse Z0 wiederzuverfüllen. Die Arbeiten haben im ersten Quartal 2010 begonnen. Innerhalb des Geltungsbereichs liegt ein weiterer Sondierungspunkt ­ RKS 13 ­ Kastanienrampe / Nähe Alt-Moabit: Als sanierungsbedürftig wurde hier ein Teufenbereich von 0 bis 1,3 m u. Geländeoberkante (GOK) ausgewiesen. Voraussichtlich wurde der Bereich im Zuge von bereits durchgeführten Baumaßnahmen und Baumpflanzungen an der Kastanienrampe bereits bearbeitet und Boden ausgetauscht. Unabhängig davon erfordert die sensible Lage dieses Punktes eine Abwägung der Belange Baumschutz / Denkmalschutz einerseits und Bodenschutz andererseits. Vor diesem Hintergrund ist eine Überprüfung bzw. ein Aushub dieses Bereiches als unverhältnismäßig zu erachten. Das Umweltamt hat dies vorab im Januar 2010 bestätigt und fordert für den Sondierungspunkt keine weiteren Maßnahmen.

Begründung zum Bebauungsplan Senatsverwaltung für Stadtentwicklung II-200g

Weitere in der Sanierungsanordnung aufgeführte Sondierungspunkte liegen außerhalb des Geltungsbereichs.

Orientierende Bodenuntersuchungen aus dem Jahr 1995 für den im Bereich des geplanten allgemeinen Wohngebiets zeigen Prüfwertüberschreitungen für Blei. Bodenuntersuchungen für die Bewertung der relevanten Oberbodenschicht liegen jedoch nicht vor. Da der mittlere Teil der Auffüllung von ca. 1 m unter GOK bis ca. 2,5 m bzw. 4 m nicht analysiert wurde, sind zusätzliche Untersuchungen für das geplante allgemeine Wohngebiet beauftragt worden. Die Untersuchungen erfolgten im März 2010 für sieben Bodenproben in einer Tiefe bis 60 cm für Schwermetalle und Kohlenwasserstoffe. Gemäß den nach BBodSchV durchgeführten Analysen an Bodenmischproben werden bei dem beprobten Bodenmaterial die Grenzwerte nach BBodSchV für Wohngebiete eingehalten. In dem Wissen, dass bei einer Bebauung des WA-Bereiches der gegenwärtig vor Ort vorhandene Zustand nicht beibehalten wird (Aushub der Baugruben für das / die Gebäude, Bodenabtrag von ca. 50 cm für die Herstellung von Erschließungs- und Freiflächen) wurde vorsorglich noch eine Einstufung nach LAGA TR Boden vorgenommen, welche jedoch erst mit Beginn der zeitlich noch nicht einzuordnenden Bauarbeiten relevant wird. Sanierungsmaßnahmen sind im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens nicht erforderlich. Die fachgerechte Entsorgung erfolgt im Rahmen der Baumaßnahmen.

Das Umweltamt hat die Prüfergebnisse bestätigt.

Es liegen keine konkreten Erkenntnisse über das Vorhandensein von Kampfmitteln im Plangebiet vor. Eine präventive Untersuchung vor Baubeginn liegt im Interesse des Bauherrn und ist nicht Gegenstand der Festsetzung.

Grundlagen Landschaftsprogramm einschließlich Artenschutzprogramm (2006); Umweltatlas Berlin; Historische Recherche Parlaments- und Regierungsviertel Spreebogen Berlin, Ermittlung von Altlastenverdachtsflächen (Geo-data, 1993); Landschaftsplanerischer Fachbeitrag zum Bebauungsplan II-200 „Innerer Spreebogen" (Seebauer, Wefers und Partner, 1996); Hydrogeologisches und wasserwirtschaftliches Gutachten mit Gewässermodell zum Bauvorhaben Verkehrsanlagen im Zentralen Bereich (Arbeitsgemeinschaft Umweltgeologie und Geotechnik, Berlin, 1994); Orientierende Erkundung zur Feststellung von Bodenverunreinigungen (GWAC, Gesellschaft für Wirtschafts- und Altlasten-Consulting mbH, 1994); Zusammenfassendes Altlastengutachten für den Bereich des Moabiter Werders (GWAC, Gesellschaft für Wirtschafts- und Altlasten-Consulting mbH, 1995; Grundwasseruntersuchung auf dem Moabiter Werder (GWAC, Gesellschaft für Wirtschafts- und Altlasten-Consulting mbH, 2009); Prüfbericht (UCL, Umwelt Control Labor GmbH, 2010)

Hinweise auf Schwierigkeiten und Kenntnislücken Keine

Ziele des Umweltschutzes

Mit Grund und Boden soll gemäß § 1a Abs. 2 BauGB sparsam und schonend umgegangen werden; dabei sind zur Verringerung der zusätzlichen Inanspruchnahme von Flächen für bauliche Nutzungen die Möglichkeiten der Entwicklung der Gemeinde insbesondere durch Wiedernutzbarmachung von Flächen, Nachverdichtung und andere Maßnahmen zur Innenentwicklung zu nutzen sowie Bodenversiegelungen auf das notwendige Maß zu begrenzen.

Prognose über die Entwicklung des Umweltzustandes Entwicklungsprognose bei Nichtdurchführung der Planung

Bei Nichtdurchführung der Planung kann für die Flächen südöstlich der Elisabeth-AbeggStraße sowie für das Grundstück der Polizei- und Feuerwache bis an die Straße Alt-Moabit von einer möglichen baulichen Entwicklung auf Grundlage von § 34 BauGB ausgegangen werden.

Eine solche Nutzung würde die Bodenfunktionen heute unversiegelter, teils mit Vegetation bestandener Flächen weiter herabsetzen. Unbebaute Flächen würden entsprechend der Bauordnung Berlin als gärtnerische Freiflächen gestaltet.