Umweltschutz

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung Begründung zum Bebauungsplan II-200g

Von der Uferpromenade östlich der Spree, wie auch den dahinter gelegenen Freiflächen aus betrachtet, stellt sich das Plangebiet in erster Linie landschaftsarchitektonisch bzw. landschaftlich geprägt dar. Von hier ist im Plangebiet vornehmlich die neu gestaltete Uferpromenade, der Biergarten und die rahmende Gehölzkulisse, gebildet von der Platanenallee der Elisabeth-Abegg-Straße und den Pionierwaldbeständen südöstlich der Polizei- und Feuerwehrwache, wahrzunehmen.

Als landschaftsarchitektonisch gestaltete und identitätsstiftende Sichtbeziehung findet sich im Plangebiet neben der Uferpromenade im Verlauf der Spree die historische Kastanienrampe. Die Sichtbeziehungen sind jedoch auf Grund der gekrümmten Linienführung von Spree und Rampe begrenzt bzw. ändern sich in deren Verlauf fortwährend.

Während die Uferpromenade aufgrund ihrer Lage im Regierungsviertel eine regionale kulturhistorische Bedeutung besitzt, ist die nur aus dem Gebiet heraus und von westlichen Richtungen aus wahrnehmbare sowie nur ansässigen oder interessierten Bürgern bekannte Kastanienrampe lediglich von lokaler Bedeutung.

Städtebaulich ist das Plangebiet umgeben von unterschiedlichsten Baustrukturen. Es befindet sich im Spannungsfeld zwischen klassischer Berliner Blockrandbebauung der Jahrhundertwende des 19. / 20. Jahrhunderts im Westen und den architektonisch einzigartigen Großbauten des Parlaments- und Regierungsviertels bzw. des Areals um den Hauptbahnhof im Norden, Osten und Süden. Das nördliche Spreeufer wird vor allem vom Hauptbahnhof mit den beiden Bürotrakten beherrscht, südlich der Spree prägen die Solitärbauten des Bundeskanzleramts, des Deutschen Bundestags und der Schweizer Gesandtschaft die Stadtstruktur.

Grundlagen Landschaftsprogramm einschließlich Artenschutzprogramm (SenStadt, 2006); örtliche Einschätzung.

Hinweise auf Schwierigkeiten und Kenntnislücken Keine

Ziele des Umweltschutzes

Gemäß § 1 Abs. 4 bis 6 BNatSchG ist die Landschaft in ihrer Vielfalt, Eigenart und Schönheit auch wegen ihrer Bedeutung als Erlebnis- und Erholungsraum des Menschen zu sichern. Ihre charakteristischen Strukturen und Elemente sind zu erhalten oder zu entwickeln.

Beeinträchtigungen des Erlebnis- und Erholungswerts der Landschaft sind zu vermeiden.

Prognose über die Entwicklung des Umweltzustands Entwicklungsprognose bei Nichtdurchführung der Planung

Bei Nichtdurchführung der Planung kann für die Flächen südöstlich der Elisabeth-AbeggStraße sowie für das Grundstück der Polizei- und Feuerwache bis an die Straße Alt-Moabit von einer möglichen baulichen Entwicklung auf Grundlage von § 34 BauGB ausgegangen werden.

Eine auf diesen Teilflächen zulässige bauliche Nutzung würde sich in das städtebauliche Gefüge der Umgebung einpassen und keine erheblichen negativen Auswirkungen auf das Landschaftsbild nach sich ziehen. Ein möglicher Verlust von Baumbestand konzentriert sich auf Aufwuchs im Bereich der Böschung an der Straße Alt-Moabit, für den über das Bauantragsverfahren gemäß den Regelungen der Berliner Baumschutzverordnung Ersatz geleitet werden müsste. Das Landschaftsbild prägende Einzelbäume bzw. Baumgruppen befinden sich im Bereich dreier ausgewiesener Naturdenkmale (Buche, Platane und Kastanie), für die gesetzlicher Schutz besteht, oder wird durch die Platanenallee der Elisabeth-Abegg-Straße gebildet. Hier, wie auch im Bereich der 2004 neu gestalteten Uferpromenade, ist nicht von baulichen Veränderungen mit Auswirkungen auf prägenden Baumbestand auszugehen.

Die übrigen Flächen des Geltungsbereiches blieben ohne Durchführung der Planung mangels rechtlicher Grundlage unbebaut und voraussichtlich auch ungenutzt. Negative Auswirkungen auf das Schutzgut Landschaftsbild sind nicht zu erwarten. Im Rahmen der Weiterentwicklung von Vegetationsbeständen und Biotopen kann davon ausgegangen werden, Begründung zum Bebauungsplan Senatsverwaltung für Stadtentwicklung II-200g dass der Anteil mit Gehölzen bestandener Areale sukzessive in Fläche und Volumen zunehmen würde.

Entwicklungsprognose und Bewertung bei Durchführung der Planung

Bei Durchführung der Planung wird sich das Landschafts- und Stadtbild im Planungsgebiet vollständig wandeln. Damit verbunden ist der Verlust von zusammenhängenden, überwiegend ruderal geprägten Gehölzbeständen.

Prägende Einzelbäume existieren neben den ausgewiesenen Naturdenkmalen nur im Bereich der zur Erhaltung festgesetzten öffentlichen Grünflächen und Parkanlagen. Aufgrund ihrer Lage und des gesetzlichen Schutzes als Naturdenkmal, ist der Verlust prägender Einzelbäume bei Umsetzung der Planung auszuschließen. Der Verlust weiterer vegetationsgeprägter Gestaltelemente im Plangebiet, wie der Platanenallee in der Elisabeth-AbeggStraße, der Kastanienallee und dem Bestand an Uferbäume innerhalb der Uferpromenade, sind nicht zu befürchten, da sie ebenfalls als Teil öffentlichen Grünflächen und Parkanlagen bzw. Straßenverkehrsflächen gesichert werden. So bleibt auch der von jenseits der Spree dominante von Baumbeständen geprägte Rand des Plangebietes erhalten.

Hinter der Uferpromenade mit Biergarten erheben sich künftig das Bundesinnenministerium mit bis zu neun Geschossen im Süden, das fünfgeschossige allgemeine Wohngebiet und das bis achtgeschossige Kerngebiet. Diese Gebäude reihen sich auch in ihrer Höhe in die umgebenden Solitärbauten des Parlaments- und Regierungsviertel bzw. des Areals um den Hauptbahnhof ein. Erhebliche negative Auswirkungen auf das Landschafts- und Ortsbild sind daher nicht zu erwarten.

Gleiches gilt, wenn das Plangebiet von Norden oder vom Stadtbahnviadukt aus betrachtet wird. Der geplante Gebäudekomplex des Plangebietes fügt sich als weitere architektonische Einzelleistung in den Gesamtkontext des neuen Stadtteils rund um das Parlaments- und Regierungsviertels ein. Die Höhenentwicklung der geplanten Gebäude liegt für das Kerngebiet und Teilen des Sondergebietes über der Berliner Traufhöhe, korrespondiert jedoch mit anderen vorhandenen und geplanten Einzelbauten in der Umgebung und liegt deutlich unterhalb der Bürotürme des Hauptbahnhofs.

Innerhalb des Sondergebietes wird eine Bauhöhe bis 69,0 m ü NHN festgesetzt, gleichzeitig sichert die Geschossflächenzahl von 2,1 bei einer Grundflächenzahl von 0,5, dass diese Höhenbegrenzung nur in Teilbereichen des Baugebietes ausgeschöpft werden kann. Der architektonische Entwurf sieht nur im Süden des Baugebietes eine Höhenentwicklung bis maximal 69,0 m ü NHN vor. Nach Norden nimmt die Geschossanzahl bis auf 4 bis 5 Geschosse ab, um hier einen Übergang zur geringen Bauhöhe des bestehenden Fachwerkgebäudes des Restaurants „Paris-Moskau" herzustellen.

Die landschaftsarchitektonische bzw. -gärtnerische Gestaltung der in den geplanten Baugebieten verbleibenden Freiflächen sichert die Neugestaltung des Landschaftsbildes im Rahmen des Planungsziels der baulichen Entwicklung des Plangebietes. Erhebliche negative Auswirkungen auf das Landschaft- und Ortsbild sind nicht zu erwarten.

Auswirkungen auf den Menschen und seine Gesundheit

Beschreibung und Bewertung des Bestandes Wohnnutzung

Im Plangebiet befindet sich keine Wohnnutzung. Die vorhandenen Gebäude werden als Gaststätten und als Polizei- bzw. Feuerwehrwache genutzt. Außerhalb des Plangebietes befindet sich westlich des Bahnviadukts entlang der Lüneburger Straße gründerzeitliche Wohnbebauung, südlich des „Kanzlerparks" befindet sich weitere Wohnbebauung.

Erholung

Die Freiraum-Versorgungsanalyse von Berlin mit Stand von 2006 stellt im Plangebiet die Uferpromenade, die Kastanienallee und die Freifläche an der Elisabeth-Abegg-Straße Ecke Alt-Moabit als wohnungsnahe Grünanlagen und damit als erholungsrelevanten Freiraum dar.

Die letztgenannte Fläche ist jedoch nicht öffentlich nutzbar.

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Die jenseits des Stadtbahnviadukts nördlich der Lüneburger Straße befindliche Wohnbebauung wird in Bezug auf den Versorgungsgrad an öffentlichen und privaten Grünflächen als schlecht bzw. ohne Versorgung genannt. Die Wohnbebauung südlich des Kanzleramts wird hingegen als gut mit öffentlichem und privatem Grün versorgt eingestuft.

In Bezug auf die siedlungsnahen Grünflächen werden das Plangebiet und die Umgebung von der Freiraum-Versorgungsanalyse als versorgt aufgeführt.

Die im Plangebiet vorhandenen Grün- und Freiflächen stellen im innerstädtischen Freiraumverbund wichtige Teilflächen dar. Die Uferpromenade ist Teil des von den Straßen abgekoppelten Wegesystems im Regierungsviertel und der Innenstadt, das die unterschiedlichen Frei- und Stadträume im Verlauf der Spree miteinander verbindet. Die Kastanienrampe ist im Norden jenseits der Straße Alt-Moabit durch Unterführungen und über eine Treppenanlage mit dem ehemaligen ULAP-Gelände Richtung Hauptbahnhof verknüpft und integriert sich im Süden über die Ingeborg-Drewitz-Allee in das Freiflächennetz.

Uferpromenade und Kastanienrampe sind die Freiräume im Plangebiet, die eine Verbindungsfunktion in Bezug auf bewegungsorientierte Freizeitaktivitäten, wie Rad fahren und Spazierengehen besitzen.

Die öffentlich zugängliche Brachfläche besitzt teilweise Funktionen im Rahmen der Freiflächennutzung. Hier stehen jedoch Nutzungen wie Hundeauslauf und ggf. auch Kinderspiel im Vordergrund.

Die äußere Anbindung bzw. Erschließung des Plangebietes für die Erholungsnutzung ist gut.

Der Hauptbahnhof ist fußläufig über die Uferpromenade der Spree bzw. die Straßenunterquerung Alt-Moabit und das ULAP-Gelände erreichbar. Die Frei- und Grünflächen selbst (so auch die Brachfläche) sind gemäß ihrer Nutzungsart und Charakteristik ausreichend erschlossen, um eine Erholungsaktivität zu ermöglichen. Innerhalb der Brachfläche bestehen Trampelpfade und die Zuwegung zum Busparkplatz. Bei der Kastanienrampe steht historisch bedingt die Erschließungsfunktion im Vordergrund. Die Uferpromenade ist gleichermaßen zum spazieren gehen oder flanieren und zur fahrradgerechten Erschließung der Innenstadt geeignet.

Lärm

Für die nördlich angrenzende Straße Alt-Moabit stellt der Umweltatlas in der Karte Straßenverkehrslärm Mittlungspegel an der nächstgelegenen Bebauung von 55 bis 60 bis 65 bis 70 dB(A) am Tage (6.00 ­ 22.00 Uhr) dar. Hierbei liegen die höheren Werte im Bereich der Moltkebrücke und der Stadtbahntrasse, die niedrigeren dazwischen. Für die Nachzeit werden Werte von bis 55 bzw. 55 bis 60 dB(A) aufgeführt.

Das schalltechnische Gutachten zum Bebauungsplan II-200g (ACOUPLAN, 2009) nennt unter Berücksichtigung der Verkehrsprognose 2015 für die Straße Alt-Moabit Werte Emissionspegel von 66,5 dB(A) tags und 58,1 dB(A) nachts. Die Orientierungswerte der DIN 18005 werden eingehalten.

Der Mittlungspegel am Tage für den Schienenverkehrslärm der Stadtbahntrasse wird im Umweltatlas mit 65 ­ 70 dB(A) an der Bebauung der Lüneburger Straße und mit bis zu 55 dB(A) in einem Abstand von 25 m in das Plangebiet hinein angegeben. Nachts liegt der Mittlungspegel beidseitig bis zu 55 dB(A).

Das schalltechnische Gutachten zum Bebauungsplan II-200g (ACOUPLAN, 2009) nennt unter Berücksichtigung der planfestgestellten Belegungszahlen des Schienenverkehrs für die Bahntrasse Emissionspegel von 66,5 bis 70,8 dB(A) tags und 58,3 bis 67,2 dB(A) nachts. Die niedrigen Werte gelten jeweils für eines der Fernbahngleise, die höheren für eines der S-Bahngleise. Die Immissionsbelastungen im allgemeinen Wohngebiet weisen Immissionswerte tags bis 61 dB(A) und nachts bis 56 dB(A) auf. Die für die Bauleitplanung maßgeblichen Orientierungswerte der DIN 18005 werden demnach im Tagbeurteilungszeitraum bis 6 dB(A) und im Nachtbeurteilungszeitraum bis 11 dB(A) überschritten

Im Plangebiet selber finden sich bis auf die Gaststätte mit Biergarten an der Spree keine lärmintensiven Nutzungen. Das schalltechnische Gutachten zum Bebauungsplan II-200g (ACOUPLAN, 2009) nennt unter Berücksichtigung von 750 Plätzen tags und 200 Plätzen nachts Schallemissionen von 99,0 dB(A) tags und 93,2 dB(A) nachts.