Berlin dankt Bärbel Bohley und verleiht ihr posthum die Ehrenbürgerwürde!

Das Abgeordnetenhaus von Berlin bittet den Senat, der Bürgerrechtlerin Bärbel Bohley posthum das Ehrenbürgerrecht der Stadt Berlin zu verleihen.

Begründung:

Am 11. September dieses Jahres ist Bärbel Bohley verstorben. Sie war das Gesicht und die Stimme des Aufbruchs zur friedlichen Revolution in der DDR 1989.

Sie zu ehren, ihr zu danken und ihr Vermächtnis zu wahren, ist Verpflichtung und Aufgabe für alle Berliner zugleich.

Die Zeit ist reif? proklamierte selbstbewusst der Gründungsaufruf des Neuen Forums, zu deren Mitbegründern sie gehörte. Es war nicht nur die Aufforderung zum Dialog des SED-Staates mit den Bürgern der DDR, sondern auch der Auftakt zu seinem Sturz. Bärbel Bohley lebte vor, wie sie diesen Dialog verstand: Wir müssen die Sklavensprache der Diktatur ablegen, um im freien Wort die Veränderung untragbar gewordener Zustände einzufordern - jeder an seinem Ort, wo er lebt. Der Funke zündete. Die SED verlor zuerst die Herrschaft über die Sprache, bevor sie die Macht verlor. Die Leitlinie ihres Lebens war der Kampf zur Durchsetzung der Menschen- und Bürgerrechte. Wir wollen freie, selbstbewusste Menschen, die doch gemeinschaftsbewusst handeln. Wir wollen vor Gewalt geschützt sein und dabei nicht einen Staat von Bütteln und Spitzeln ertragen müssen.? Auch nach dem von ihr mitbewirkten Fall der Mauer trat sie entschieden allen Versuchen der Anhänger und Mitläufer der kommunistischen Diktatur entgegen, die Zustände in der ehemaligen DDR zu verherrlichen und die Opfer der Diktatur zu verhöhnen. Unvergessen ist zudem ihre Auseinandersetzung seit 1990 mit der DDR-Nomenklatura vor Gericht, bei der sich ihr berühmter Satz, den Rechtsstaat statt der Gerechtigkeit gewonnen zu haben, bestätigte.

Bärbel Bohley lebte die Zivilcourage, die in Deutschland all zu oft fehlt.