Historische Information auf Schwanenwerder

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Das Abgeordnetenhaus fordert den Senat auf, im Zusammenhang mit der Umnutzung und Veräußerung landeseigener Grundstücke auf Schwanenwerder die Aufarbeitung und Dokumentation der Geschichte der Insel in angemessenem Umfang zu unterstützen.

Hierzu sollte insbesondere die Erarbeitung und Anbringung historischer Informationen auf öffentlichem Straßenland auf Schwanenwerder zur Geschichte der Insel insgesamt und einzelner Grundstücke mit NS-Geschichte gehören. Desweiteren soll der Projektsvorschlag der Stiftung Topographie des Terrors zur Erarbeitung einer Ausstellung „Die Residenzen der NS-Führung in Berlin" unterstützt werden.

Begründung:

Auf der Insel Schwanenwerder lässt sich am authentischen Ort ein wichtiger Aspekt deutscher Geschichte belegen. Die Insel wurde Ende des 19. Jahrhunderts zu einem Refugium für wohlhabende Kaufleute, Fabrikanten und Bankiers.

Nach der Machtübernahme durch die Nazis hissten Mitglieder des Zehlendorfer SA-Sturms auf der Insel die Hakenkreuzfahne und drangsalierten die jüdischen Bewohner. In der Folge kam es zu Zwangsverkäufen und Zwangsversteigerungen von jüdischem Eigentum zugunsten einzelner Nazigrößen und NSMassenorganisationen. Die neuen Bewohner waren u.a. Joseph Goebbels und Albert Speer. Das Deutsche Frauenwerk e.V. unterhielt dort die sogenannte „Reichsbräuteschule".

Nach 1945 wurden die Häuser zunächst von den Alliierten genutzt und dann im Zuge der Wiedergutmachungsverfahren an die rechtmäßigen Eigentümer oder ihre Erben zurückgegeben. Diese trennten sich jedoch meist durch Verkauf an das Land Berlin von ihren geschichtsbeladenen Grundstücken. Ca. 40 Prozent der Insel gelangten so in den Besitz des Landes und wurden für Freizeitangebote für Kinder und Jugendliche im damals eingeschlossenen West-Berlin genutzt.

Das Informationsangebot auf Schwanenwerder wird die idyllische Insel für Fußgängerinnen und Fußgänger als Teil der Stadt und ihrer Geschichte erfahrbar werden lassen und dazu beitragen, erkennbaren Tendenzen zur Abschottung der Insel entgegenzuwirken.