Schwerpunktkrankenhäuser

Krankenhausplan 2010 des Landes Berlin

In diesen fünf Zentren bilden onkologische Schwerpunktkrankenhäuser und andere an der Tumorbehandlung beteiligte Einrichtungen ein Netzwerk, um den interdisziplinären und sektorübergreifenden Behandlungserfordernissen gerecht werden zu können.

Seit 1996 koordiniert der Dachverband Tumorzentrum Berlin e.V. die Arbeit dieser Zentren. Das Tumorzentrum Berlin (TZB) ist Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren (ADT) und im Kooperationsverbund Qualitätssicherung durch Klinische Krebsregister (KoQK).

Das Land Berlin befürwortet den im Handlungsfeld 2 unter Ziel 8 des Nationalen Krebsplans ausgeführten flächendeckenden Ausbau Klinischer Krebsregister als Instrument zur Verbesserung der Qualität bei der Versorgung von Krebskranken ausdrücklich. Im Land Berlin sind an den genannten Tumorzentren Klinische Krebsregister im Sinne des § 137 Abs. 3 Satz 11 SGB V zu führen. Klinische Krebsregister erfassen sektorübergreifend Daten zum gesamten Krankheitsverlauf eines Patienten und ermöglichen somit Auswertungen zur Prozess- und Ergebnisqualität der Tumorbehandlung. Die epidemiologischen Daten nach BKRG § 3 Abs. 2 werden von hier aus an das Gemeinsame Krebsregister der Länder Berlin, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt und der Freistaaten Sachsen und Thüringen (GKR) weitergemeldet.

Die Führung Klinischer Krebsregister zählt nach § 2 Abs.2 Nr. 4 KHEntgG zu den besonderen Aufgaben von Tumorzentren. Diese besonderen Aufgaben werden durch die Mitgliedskrankenhäuser der Tumorzentren wahrgenommen, sofern sie sich an der Führung eines solchen Registers beteiligen. § 2 Abs.2 Nr. 4 KHEntgG soll gewährleisten, dass über das einzelne Krankenhaus hinaus, also zentral wahrgenommene besondere Aufgaben, die für die stationäre Versorgung der Patienten erforderlich sind, auch finanziert werden können.

Die Klinischen Register der Berliner Tumorzentren sollen zukünftig unter Einbeziehung aller anderen an der Behandlung beteiligten Versorgungsbereiche gemäß den Empfehlungen des Nationalen Krebsplans systematisch weiterentwickelt werden. Die Tumorzentren arbeiten dazu in ihrem Dachverband eng zusammen und stimmen konkrete Zielsetzungen ab. Das TZB e.V. führt seine koordinierende Funktion mit dem Ziel fort, die Daten der Klinischen Krebsregister der oben genannten Tumorzentren in Berlin insgesamt zusammenzuführen.

Leistungsdarstellung im operativen Bereich

Bislang gibt es in Berlin ­ wie in den meisten anderen Bundesländern auch ­ keine vollständigen, systematisch aufbereiteten und regelmäßig veröffentlichten Landesdaten zur Krebsbehandlung. Voraussetzung dafür wäre eine auf Landesebene zusammenführbare, alle Versorgungssegmente und Tumorfälle einschließende, klinische Krebsdokumentation (siehe Abschnitt 7.6.2).

Die Krankenhausplanung verfügt mit den Daten gemäß § 21 KHEntgG über eine Datenbasis, die Auswertungen für den stationären Behandlungsbereich ermöglicht. Speziell für die operative Krebstherapie, die bei vielen Tumorarten als Primärtherapie nahezu ausschließlich im Krankenhaus durchgeführt wird, gestatten eine Aufbereitungen nach Leistungserbringern Aussagen darüber, in welchem Umfang einzelne Krankenhäuser an der operativen Behandlung beteiligt waren.

Der Berliner Krankenhausplan enthält seit 2006 Veröffentlichungen zum Leistungsumfang in der operativen Tumormedizin. Die Darstellung in Form von Säulendiagrammen wird seither jährlich mit Zustimmung der Berliner Krankenhäuser aktualisiert. Sie steht allen Interessierten unter http://www.berlin.de/sen/gesundheit/krankenhauswesen/krankenhausplan/index.html zur Verfügung. Die jüngste Aktualisierung (InEK-Daten 2008) ist als Anlage 5 diesem Plan beigefügt. Für ausgewählte Krebsoperationen ist hier zu entnehmen, wie viele Fälle jährlich jeweils in einem bestimmten Berliner Krankenhaus operiert wurden.

Krankenhausplan 2010 des Landes Berlin

Diese vergleichenden Darstellungen zum Leistungsumfang geben Aufschlüsse über vorhandene Erfahrungen in der operativen Krebstherapie. Damit können diese Informationen für Patientinnen und Patienten bei der oft schwierigen Suche nach einem geeigneten Krankenhaus für die ggf. notwendige operative Krebsbehandlung hilfreich sein. Bei Krankenhäusern, die Krebsoperationen häufiger durchführen, ist darüber hinaus davon auszugehen, dass sie Strukturen vorhalten ­ ggf. in Kooperation ­ die die gesamte Therapiepalette bis hin zur Nachsorge sicherstellen.

Die Diagramme lassen Rückschlüsse auf besondere Spezialisierungen zu und können Konzentrationsprozesse und eine sinnvolle Arbeitsteilung zwischen den Berliner Kliniken fördern.

Darüber hinaus beinhaltet der 2. Teil von Anlage 5 eine Gesamtbetrachtung zur Entwicklung der Fallzahlen in der operativen Tumormedizin von 2004 bis 2008.

Palliativmedizin Berlin besitzt inzwischen ein dichtes ambulantes und stationäres palliativmedizinisches Versorgungsnetz (stationäre Palliativstationen und Hospize, ambulante Hospiz- und Pflegedienste, niedergelassene Ärzte), dessen verschiedene Sektoren sich gegenseitig ergänzen und vielfältig miteinander kooperieren, um Menschen zu begleiten, deren Grunderkrankung nicht mehr kurativ beeinflusst werden kann. Spezialisierte Schmerztherapie, Symptomlinderung und soziale Unterstützung stehen in einer solchen Situation im Vordergrund. Viele dieser Patientinnen und Patienten möchten so betreut in ihrer vertrauten Umgebung sterben. Es ist die Aufgabe von Krankenhäusern, die schwerpunktmäßig unheilbare Patienten ­ meist an Krebs erkrankte ­ behandeln, mit Hilfe palliativmedizinischer Abteilungen bzw. über geeignete Kooperationsmodelle die hierfür notwendigen Voraussetzungen zu schaffen.

Die 2005 ins DRG-System eingeführte Prozedur mit dem OPS 8-982 bildet die palliativmedizinische Komplexbehandlung als spezialisierte Leistung im Krankenhaus erstmals ab. Sie beschreibt die aktive ganzheitliche Behandlung bei unheilbaren Erkrankungen zur Symptomlinderung und psychosozialen Stabilisierung und formuliert umfangreiche Anforderungen zu Personaleinsatz und Personalqualifikation sowie speziellen Therapiekonzepten. Ergänzend wird eine Fallzahldarstellung zur palliativmedizinischen Komplexbehandlung in den Berliner Krankenhäusern aufgenommen (Abb. 7.6.4.) und jährlich aktualisiert.7. Versorgung von Kindern und Jugendlichen

Immer mehr ärztliche Leistungen können heute auch bei Kindern ambulant erbracht werden. Bei den verbleibenden stationär-behandlungsbedürftigen Fällen handelt es sich überwiegend um schwer-, schwerstkranke oder sogar lebensbedrohlich erkrankte Kinder.

Der Krankenhausaufenthalt ist daher meist mit einer erheblichen psychischen Belastung für das schwerkranke Kind selbst, aber auch die nächsten Angehörigen verbunden. Krankenhäuser sind in besonderem Maße gefordert, diesen familiären Ausnahmesituationen adäquat zu begegnen und ihren Patientinnen und Patienten im Kindes- und Jugendalter ein angemessenes Umfeld zu bieten.

Eine hohe Krankenhausbehandlungsbedürftigkeit wird vor allem für die Altersgruppe der Säuglinge und Neugeborenen unter einem Jahr beobachtet. Jedes dritte unter 15-jährige Kind, das stationär im Krankenhaus behandelt wird, stammt aus dieser Altersgruppe.

Beim Pflegetagevolumen wird dies noch deutlicher: Über 60 Prozent der Pflegetage bei Kindern und Jugendlichen unter 15 Jahren entfallen auf Neugeborene und Säuglinge. Auf die übrigen drei Altersgruppen (Ein- bis Vierjährige, Fünf- bis Neunjährige und Zehn- bis 14-Jährige) entfallen jeweils 10 bis 15 Prozent der Pflegetage der unter 15-Jährigen in somatischen Fachabteilungen.

An der Krankenhausversorgung von Kindern und Jugendlichen sind neben den für dieses Alter spezifischen Abteilungen (Kinder- und Jugendmedizin, Kinderchirurgie, Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie) hauptsächlich noch folgende Fachabteilungen beteiligt:

- Chirurgie (ohne Kinderchirurgie)

- Hals-Nasen-Ohrenheilkunde

- Innere Medizin.

Einen Gesamtüberblick zur somatischen Krankenhausversorgung der unter 15-Jährigen vermittelt die nachfolgende Abbildung, in der das Pflegetagevolumen nach Altersgruppen in den relevanten Fachdisziplinen dargestellt ist.