Pflege

Auch im Bereich der zur Freistellung vorgesehenen planfestgestellten Bahnflächen wird unter Berücksichtigung der ökologischen Standards eine vollständige Kompensation des Eingriffs erreicht, es verbleibt jedoch eine geringfügige Zunahme an zulässiger überbaubarer Fläche. Bei Einbeziehung der Fläche zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Natur und Landschaft, deren Anlage aus den Gründen des übergeordneten Biotopverbundes und aus Artenschutzgesichtspunkten unverzichtbar ist, reduziert sich die Zunahme der zulässigen überbaubaren Fläche weiter und es wird bezogen auf die Eingriffsbilanzierung ein Wertgewinn erzielt.

Somit kann der durch die bauliche Entwicklung verursachte Eingriff in Natur und Landschaft vollständig ausgeglichen werden, Kompensationsmaßnahmen außerhalb des Geltungsbereiches sind weder bezogen auf die Eingriffe innerhalb des städtebaulichen Entwicklungsgebietes noch für die bauliche Entwicklung auf den noch der Planfeststellung unterliegenden Bahnflächen notwendig.

Die Eingriffe durch den Bau von öffentlichen Straßen werden im Entwicklungsbereich nach der Gesamtausgleichskonzeption durch die Anlage von kleinen Parks, Promenaden und Plätzen kompensiert. Eine solche Grünfläche stellt auch der in diesem Geltungsbereich gelegene und als öffentliche Parkanlage gesicherte Eichenhain dar.

Bezüglich des geschützten Baumbestandes wurde in der Umweltprüfung davon ausgegangen, dass durch den Bebauungsplan die Fällung sämtlicher geschützter Bäume in den Baugebieten vorbereitet wird. Insgesamt sind max. 119 Bäume, vorrangig Hybrid- und Säulenpappeln (z. T. mit erheblichen Vitalitätsmängeln) mit Stammumfängen von 100-200

cm betroffen.

Nach den Vorgaben der Baumschutzverordnung Berlin ergibt sich daraus sich bei einer Fällung von 119 geschützten Bäumen ein Ersatzpflanzungsumfang von 200 Bäumen mit einem Stammumfang von 18-20 cm. Zu berücksichtigen sind Vorschädigungen der von Rodung betroffenen Bäume.

Mit der Festsetzung zur Pflanzung von einem Laubbaum je 500 m² Grundstücksfläche ergibt sich für die Gewerbe- und Kerngebiete im Geltungsbereich des Bebauungsplans ein Pflanzgebot von zusammen rund 109 standortgemäßen Laubbäumen. Trotz einer den ökologischen Standards für Gewerbe- und Kerngebiete im Entwicklungsgebiet entsprechenden Pflanzdichte verbleibt ein quantitativ hohes Kompensationsdefizit. Dieses soll durch qualitative Komponenten weiter reduziert werden. Dazu dient die geplante Festsetzung einer deutlich höheren als der nach Baumschutz VO geforderten Pflanzqualität (Stammumfang von 20-25 cm).

In der Ökologischen Eingriffs- / Ausgleichsbewertung zum Bebauungsplan XV-67a wurde anhand der Berechnung des Gehölzwertes für die zu rodenden Bäume und die nach Bebauungsplan anzupflanzenden Bäume festgestellt, dass mit der höheren Pflanzqualität der Bäume eine weitgehende Kompensation des möglichen Eingriffs in den Baumbestand im Geltungsbereich erreicht werden kann.

Schutzgut Tiere und Pflanzen / Biotopverbund

Im Ergänzungsteil des Landschaftsprogramms ­Teilplan Biotopverbund (Stand August 2006)­ werden die Bahntrasse und die Brachflächen am nördlichen Rand des Geltungsbereichs sowie damit in Verbindung der Landschaftspark als bedeutsame Strukturen für den Biotopverbund dargestellt. Als Zielarten für die Biotopentwicklung bzw. des Biotoperhalt werden für Offenland oder Pionierstadien typische Arten (Zauneidechse, Heuschrecken, Bienen, Schmetterlingsarten) genannt, für die ein Biotopkomplex aus vegetationsfreien bis armen Rohbodenstandorten, schütteren Trocken- oder Halbrockenrasen und artenreichen ruderalen Staudenfluren durchsetzt mit einzelnen Gehölzen von Bedeutung ist.

Eingriffe in die für den Biotopverbund bedeutsamen Strukturen finden im Bereich der noch planfestgestellten Bahnflächen (400 m Bahnböschung mit Offenland und Gebüschstrukturen) und am nordöstlichen Rand des Geltungsbereiches statt (0,7 ha, Halboffenland). Diese Strukturen werden bei Umsetzung der Festsetzungen des Bebauungsplanes verloren gehen.

Bezogen auf die gesamte Bahnfläche als Kernstruktur des Biotopverbundes handelt es sich bei den betroffen Flächen jedoch um kleine Randstrukturen. Nicht betroffen sind die Kernflächen im Zentrum des Bahngeländes und wichtige Verbindungsbiotope, wie sie im Bereich der Ostfuge des Landschaftsparks nördlich des Geltungsbereiches durch den Bebauungsplan 9-16 gesichert werden.

Als wesentliche Maßnahme zur Aufrechterhaltung und Stabilisierung der Biotopverbundfunktion wird im Bebauungsplan am zukünftig östlichen Rand der Baugebiete ein 6 m breiter Streifen als Fläche zum Schutz zur Pflege und Entwicklung von Natur und Landschaft festgesetzt, der im funktionalen Zusammenhang mit angrenzenden Geländestreifen außerhalb des Geltungsbereiches des Bebauungsplanes eine der Biotopverbundfunktion entsprechende Begrünung der neuen Bahnböschung sichert. Hier soll sich standortgemäße Vegetation durch Sukzession entwickeln. Diese Maßnahme mindert die negativen Vorhabenwirkungen in Bezug auf den Biotopverbund erheblich.

Schutzgut Tier und Pflanzen / Artenschutz

Die Vorschriften des § 44 BNatSchG (in der Fassung vom 29. Juli 2009) erfordern eine Prüfung, inwieweit durch den Bebauungsplan Beeinträchtigungen besonders bzw. streng geschützter Tier- und Pflanzenarten vorbereitet werden. Bezogen auf den Regelungsumfang des Bebauungsplans (Festsetzungen mit bodenrechtlichem Bezug) ist zu bewerten, ob durch die ermöglichten Bauvorhaben besonders bzw. streng geschützter Tiere getötet oder ihre Entwicklungsformen bzw. Lebensstätten (Fortpflanzungs- und Ruhestätten) beschädigt oder zerstört werden können. Bei den streng geschützten Arten und den europäischen Vogelarten ist darüber hinaus zu prüfen, inwieweit die Festsetzungen des Bebauungsplanes zu erheblichen Störungen während der Fortpflanzungs-, Aufzucht-, Mauser-, Überwinterungsund Wanderzeiten führen. Erhebliche Störungen liegen vor, wenn sich der Erhaltungszustand der lokalen Population der Arten verschlechtert. Unter dem Begriff Lebensstätten sind nach Sinn und Zweck der Schutznorm nicht nur individuelle Niststätten wie Nester zu verstehen, sondern auch umfassendere Habitatstrukturen, sofern bestimmte Arten auf diese Strukturen zum Populationserhalt zwingend angewiesen sind. Solche Flächen und Strukturen erlangen dann in ihrer Gesamtheit die Qualität einer den Zugriffsverboten unterliegenden Wohnstätte, ungeachtet einer jahreszeitlichen An- oder Abwesenheit der Arten. Entsprechend sind z. B. offene trockene Biotope einzustufen, die für Vogelarten der Pionier- und Offenlandlebensräume oder die Zauneidechse unabdingbare Habitatstrukturen für den Populationserhalt darstellen.

Bei Vorhaben in Gebieten mit Bebauungsplänen, bei der Planaufstellung und im planungsrechtlichen Innenbereich liegt bezogen auf Arten des Anhanges IV der FFH-RL und der europäischen Vogelarten gemäß § 44 Abs. 5 BNatSchG ein Verstoß gegen das Verbot des Abs. 1 Nr. 1 und 3 nicht vor, soweit die ökologische Funktion der von dem Eingriff (Vorhaben) betroffenen Fortpflanzungs- und Ruhestätten im räumlichen Zusammenhang weiter erfüllt wird.

Durch die Entwicklung der Kern- und Gewerbegebiete nördlich der Rudower Chaussee kommt es zu Revier- bzw. Lebensraumverlusten für dort vorkommende Arten.

Im nördlichen Teil des geplanten Gewerbegebietes werden Teillebensräume von Tierarten trocken-warmer Standorte durch Umnutzung in Gewerbeflächen in einer Größenordnung von etwa 0,7 ha verloren gehen. Wertvoll ist der Standort vorrangig für die Zauneidechse als Art des Anhanges IV der FFH-RL. Für die Insektenarten trocken-warmer Standorte handelt es sich um einen weniger optimal ausgeprägten Lebensraum. Gleiches gilt für die

Brutvogelarten offener und halboffener Habitate. Hier ist ein Brutvorkommen der Dorngrasmücke betroffen.

Im mittleren Teil des Bebauungsplan-Geltungsbereiches gehen Niststätten und Teillebensräume der Brutvogelarten von Altbaumbeständen, Gärten und Gebüschen, wie Gartenrotschwanz, Star, Feldsperling oder Nachtigall, verloren. Niststätten gebäudebrütender Vogelarten wie Haussperling und Hausrotschwanz sind durch Gebäudeabriss betroffen.

Nur die südöstlich der Rudower Chaussee liegenden Alteichenbestände können innerhalb der festgesetzten öffentlichen Parkanlage erhalten werden, so dass dieser wertvolle Lebensraum für den Grünspecht als wichtiges Teilhabitat dauerhaft erhalten bleibt. Es ist allerdings nicht auszuschließen, dass der Grünspecht derzeit auch die Altbaumbestände nördlich der Rudower Chaussee nutzt und mit dem Verschwinden dieser Bestände auch einen Teillebensraum verliert. Aufgrund überwiegend beschatteter oder mit höherwüchsiger Gras- und Krautvegetation bestandener Flächen sind allerdings keine wesentlichen Nahrungshabitate des Grünspechtes in den von geplanten Eingriffen betroffenen Bereichen zu vermuten.

Insgesamt werden damit für die o.g. europäischen Vogelarten und für die Zauneidechse Maßnahmen erforderlich, um einen Verstoß gegen die Verbotstatbestände gemäß § 44 Abs. 1 Nr. 1, 2 und 3 BNatSchG zu vermeiden.

Der Verlust des Zauneidechsen-Habitates kann durch eine vorlaufende Entwicklung von geeigneten Umsetzhabitaten in räumlicher Nähe zum Eingriff im Bereich der Ostfuge kompensiert werden.

Gemäß der vorliegenden und geprüften Bauplanungsunterlage zur Entwicklung der als Grünflächen im Bebauungspan 9-16 festgesetzten Ostfuge des Landschaftsparks ist auf einer Fläche von ca. 1,5 ha Größe (nördlich der Teilfläche D) die Entwicklung von Offenlandstrukturen vorgesehen (Schaffung von Stein- und Reisighaufen, Trockenmauern und Böschungsstrukturen).

Mit der Festsetzung des Bebauungsplanes 9-16 (derzeitiger Verfahrensstand Rechtsprüfung) einher geht eine Übertragung der derzeitigen Privatfläche an das Land Berlin, so dass die Zugriffsmöglichkeit auf die Fläche und die Umsetzung der Entwicklung als Offenlandbiotop spätestens mit der Festsetzung des Bebauungsplanes gewährleistet ist.

Die Festsetzung des Bebauungsplanes 9-16 steht zeitnah an, sodass mit der Habitatentwicklung auf der Basis der vorliegenden Bauplanungsunterlage ebenfalls kurz- bis mittelfristig begonnen werden kann. Da es konkrete Ansiedlungsvorhaben für den Bebauungsplan XV-67a noch nicht gibt, ist mit dem konkreten Eingriff in die Habitatstrukturen kurzfristig nicht zu rechnen. Eine vorlaufende Entwicklung des Ausweichhabitates ist also möglich.

Zusammen mit Vorgaben zur artgerechten Umsiedlung der Art und erforderlichen Maßnahmen zur Erfolgskontrolle (Monitoring) liegt ein Bündel konkreter Maßnahmen vor, um den Anforderungen des § 44 BNatSchG Rechnung zu tragen.

Störungen der betroffenen Vogelarten während der Brut- und Aufzuchtzeit können vermieden werden, wenn sämtliche bodenwirksamen Maßnahmen (Baufeldfreimachung, Vegetationsbeseitigung) außerhalb der Hauptfortpflanzungsperiode, d.h. im Zeitraum von September bis Ende Februar erfolgen.

Für Lebensstätten, die durch Gebäudeabriss entfallen, können an neu zu errichtenden Gebäuden als Ausgleich künstliche Nisthilfen vorgesehen werden.