Im folgenden wird nur auf den Bereich Sexuelle Gesundheit eingegangen da der Bereich Familienplanung im Rahmenkonzept keine

3.3.2 Öffentlicher Gesundheitsdienst (ÖGD) Zentren für sexuelle Gesundheit und Familienplanung

Mit Inkrafttreten des neuen Gesundheitsdienstgesetzes (GDG) am 01.07.2006 und der am 11.12.2007 erlassenen Verordnung über die Neuregelung der Zuständigkeiten im Gesundheitsdienst (GDZustVO) wurde festgelegt, dass die bisherigen 6 Beratungsstellen für sexuell übertragbare Krankheiten sowie Aids mit den 11 sozialmedizinischen Diensten fusionieren und die Aufgaben in fünf neu gegründeten Zentren für sexuelle Gesundheit und Familienplanung wahrzunehmen sind.

Die Zentren befinden sich in den Bezirken

Charlottenburg-Wilmersdorf

Friedrichshain-Kreuzberg

Marzahn-Hellersdorf

Mitte (mit 2 Standorten)

Steglitz-Zehlendorf

Das Zentrum Mitte hat per Verwaltungsvereinbarung der betreffenden Bezirke zwei Standorte: einen im Bezirk Mitte (Ortsteil Wedding) und einen im Bezirk TempelhofSchöneberg (Ortsteil Schöneberg). Am Standort in Mitte werden Leistungen des sozialmedizinischen Dienstes erbracht, am Standort in Schöneberg Aufgaben im Bereich HIV/Aids/STI wahrgenommen. Im Zentrum Steglitz-Zehlendorf werden ausschließlich sozialmedizinische Leistungen erbracht.

Im folgenden wird nur auf den Bereich „Sexuelle Gesundheit" eingegangen, da der Bereich „Familienplanung" im Rahmenkonzept keine bzw. höchstens eine nachrangige Rolle spielt.

Zielgruppe der Zentren bezüglich des Bereichs „Sexuelle Gesundheit" ist die Allgemeinbevölkerung (insbesondere Menschen, die sozial nicht abgesichert und/oder sprachlich nicht integriert sind). Die Zentren halten aber auch Angebote für spezielle Zielgruppen vor, und zwar für

- Frauen in der Sexarbeit sowie

- Schüler(innen) bzw. Jugendliche (Präventionsangebote für Schulen ­ vorrangig Hauptschulen und Schulen für Lernbehinderte ­, Jugendzentren und Ausbildungseinrichtungen).

Das Aufgaben-/Angebotsspektrum der Zentren ­ die Reihenfolge der aufgeführten Aufgaben/Angebote sowie der darunter genannten Leistungen stellt dabei keine inhaltliche Gewichtung dar ­ umfasst:

1.) Medizinische Versorgung kostenlose Beratung, Untersuchungen und ggf. Therapie bezüglich STI nach wissenschaftlichen Erkenntnissen und entsprechend den Vorgaben der Deutschen STD-Gesellschaft kostenlose Beratung und Untersuchung bezüglich Hepatitiden anonymer HIV-Antikörpertest mit Beratung und persönlicher Ergebnismitteilung: in den Zentren wird weiterhin der Standardtest (ELISA) als bedarfsgerechtes Angebot vorgehalten; auf Schnelltests (auch bei Syphilis) wird im ÖGD verzichtet

Test kostet 10 / Gebührenbefreiung für Schüler(inne)n, Empfänger(inne)n von Leistungen nach den Sozialgesetzbüchern (SGB) II und sowie mittellose Personen (ohne Nachweise)

Therapiekontrolle subsidiär (in Ergänzung anderer Angebote): Impfungen gegen Hepatitis für vulnerable Zielgruppen niedrigschwellige medizinische Vor-Ort-Sprechstunden in Kooperation mit freien Trägern (z. B. Kurfürstenstraßenkiez, Bhf. Zoo, Kohlrauschstr.)

2.) Individuelle qualifizierte Beratung von Klient(inn)en und ggf. Weitervermittlung (auch an freie Träger)

Die Beratung kann ärztlicher / sozialpädagogischer / psychologischer oder psychosozialer Natur sein. Bei allen Beratungen und Untersuchungen gelten Schweigepflicht und Datenschutz. bei Frauen in der Sexarbeit: berufliche Umstiegsberatung und ­begleitung

Beratung und Betreuung von Frauen, die Opfer von Menschenhandel sind

psychosoziale Beratung von Frauen, die von Gewalthandlungen und/oder organisierter Kriminalität betroffen sind

Beratung im aktuellen sozialen Umfeld

Klärung von Konfliktsituationen, die im Zusammenhang mit HIV/Aids auftreten

Beratung von Menschen mit übersteigerten Ängsten vor HIV/Aids

Vermittlung an andere Ärzt(inn)e(n) oder andere Einrichtungen

Für Klient(inn)en mit Migrationshintergrund stehen Sprachmittler(innen) zur Verfügung, die in vielen Fällen eine Beratung überhaupt erst ermöglichen.

3.) Sozialpädagogische Arbeit: Sozialpädagogische Arbeit erfolgt sowohl vor Ort als auch innerhalb der Zentren, wobei auch hier notwendige Sprachkompetenz durch Sprachmittler(innen) vorgehalten wird. bei Frauen in der Sexarbeit orientiert sich die sozialpädagogische Arbeit an den individuellen Defiziten und Stärken der Klientinnen sozialrechtliche Beratung von Klient(inn)en sozialpädagogische Beratung und Begleitung von Menschen mit Migrationshintergrund

4.) Prävention / Information / Öffentlichkeitsarbeit sexualpädagogische Gruppenarbeit in Schulen, Jugendzentren und Ausbildungseinrichtungen als Ergänzung zur schulischen und häuslichen Sexualaufklärung entsprechend den definierten Zielgruppen

Infos zu Inhalten und Angeboten der Zentren für die Allgemeinbevölkerung

(z. B. auf Straßenfesten oder ­umzügen, Stände auf Messen)

Präventionsaktionen bei besonderen Anlässen (z. B. Fußballmeisterschaften; Welt-Aids-Tag)

Mitwirkung an Aktionen der BZgA (Ausstellung „LiebesLeben", Jugendfilmtage) aufsuchende Vor-Ort-Arbeit an Orten sexueller Dienstleistungen (Zielgruppe: Frauen in der Sexarbeit)

Informations- und Fortbildungsveranstaltungen für Multiplikator(inn)en

Infoveranstaltungen zu HIV/STI in Einrichtungen für Asylbewerber(innen)

Alle Zentren sind in der Berliner Fachkommission „Frauenhandel" vertreten; ihr Arbeitsschwerpunkt liegt dabei ­ wie unter dem Punkt „Beratung und Weitervermittlung" schon erwähnt ­ in der Beratung und Betreuung der Frauen. Die Grundlage für diese Arbeit bildet der 2003 unterschriebene Kooperationsvertrag mit dem Landeskriminalamt. Als erste Hilfe wird hierbei die Unterbringung der betroffenen Frauen an einem sicheren Ort und finanzielle Unterstützung für die Betroffenen organisiert.

Darüber hinaus sind die Zentren in diversen Arbeitskreisen, Gremien und Netzwerken vertreten, an denen auch freie Träger teilnehmen.

Die Zentren kooperieren auch mit freien Trägern. Folgende Kooperationen existieren zum gegenwärtigen Zeitpunkt:

- Zentren Mitte und Charlottenburg-Wilmersdorf / Berliner Aids-Hilfe e.V. - HIV-AKTestangebot in der BAH: Die Tests werden von Ärzt(inn)en aus den Zentren durchgeführt, während die Testberatung durch Sozialarbeiter(innen) der BAH erfolgt.

- Zentrum Mitte / OLGA - med. Vor-Ort-Sprechstunden im Kurfürstenstraßenkiez

- Zentrum Charlottenburg-Wilmersdorf / Treberhilfe e.V. - am Bhf. Zoo: Streetwork, niedrigschwellige Sprechstunden, Möglichkeit zur Hygienepflege

- Zentren Charlottenburg-Wilmersdorf, Marzahn-Hellersdorf, FriedrichshainKreuzberg / Hydra e.V., Hilfe-für-Jungs e.V. und Treberhilfe e.V. ­ Freieraufklärung in der AG „Gesunder Kunde" (das Zentrum Mitte ist nicht Mitglied der „AG Gesunder Kunde", beteiligt sich aber auch an verschiedenen Aktionen dieser AG) Beratungsstellen für behinderte Menschen, chronisch Kranke sowie Krebs- und Aidskranke (BfB)

Diese Beratungsstellen gibt es in allen Berliner Bezirken; die meisten Beratungsstellen sind dabei Teil des Gesundheitsamtes. Die Arbeitsschwerpunkte der BfB umfassen: persönliche, individuelle Beratung und Information über Hilfsmöglichkeiten und Ansprüche vor allem zur Teilhabe am Leben in der Gesellschaft sowie die Weitervermittlung an andere Institutionen und Selbsthilfegruppen

Einleitung und Begleitung von Maßnahmen im Rahmen der Teilhabe wie der Versorgung mit geeigneten Hilfsmitteln, behindertengerechte Wohnungsumbauten etc.

ärztliche Gutachtenerstellung (Diagnostik) bei dem Verfahren zur Feststellung der Voraussetzung des § 53 SGB XII im Rahmen des Gesamtplans