Pflegeversicherung

Gutachtenerstellung im Rahmen der Pflegeversicherung für die Zuordnung zur Pflegestufe für nicht krankenversicherte Menschen sozialarbeiterische und ärztliche Stellungnahmen für Anträge auf soziale Hilfen nach SGB XII insbesondere für weiterführenden Pflegebedarf

psychosoziale Beratung und Vermittlung

Beratung und Betreuung von Menschen mit HIV und Aids in gesundheitlichen Fragen

Die Angebote der BfB richten sich dabei vorrangig an erwachsene Menschen.

Ambulante Versorgung:

In Berlin gab es in den zurückliegenden Jahren die Regelung, dass den von der Kassenärztlichen Vereinigung Berlin (KV Berlin) anerkannten HIV-Schwerpunktpraxen bei der umfassenden ambulanten Betreuung von Aids-Patient(inn)en pro Fall und Quartal ein Zuschlag außerhalb der morbiditätsbedingten Gesamtvergütung gezahlt wurde, damit die Praxen u. a. Infusionsbehandlungen durchführen und den damit verbundenen höheren Raumbedarf finanzieren konnten. Dieser Zuschlag betrug bis zum 2. Quartal 2007 61,36 pro Quartal für Versicherte bei den Primärkrankenkassen und 76,69 für Versicherte der Ersatzkassen. Im Juli 2007 wurde auf Initiative der KV Berlin der Aids-Zuschlag von der Allgemeinen Orts-Krankenkasse (AOK) Berlin auf 45 gekürzt, was mit dem geringeren Zeitaufwand für die Ärzt(inn)e(n) aufgrund kostengünstigerer Therapien für Aids-Patient(inn)en durch Kombinationspräparate begründet wurde. Die Diskussion um weitere Kürzungen bis hin zur kompletten Streichung der Aids-Sonderpauschalen verursachte große Unruhe bei den HIV-Schwerpunktpraxen, da sie Qualitätseinbußen bei der Versorgung ihrer Patient(inn)en befürchteten.

Beim Wegfall der Aids-Pauschalen müssten Infusionsbehandlungen und Chemotherapien, die in den Schwerpunktpraxen kostengünstig vorgenommen werden können, in die Kliniken verlagert werden, was eine Zunahme der stationären Aufenthalte der HIV-Patient(inn)en zur Folge hätte. Erwiesenermaßen tragen jedoch gerade ambulante Behandlungen zur Steigerung der Lebensqualität der Betroffenen bei.

Durch die Berliner Regelung bezüglich der Sondervergütungen für die ambulanten Angebote konnten in den vergangenen Jahren teure Klinikaufenthalte von Patient(inn)en vermieden werden.

Durch Gespräche mit der KV Berlin und den Berliner Krankenkassen konnte erreicht werden, dass die reduzierte Sonderpauschale bis zum Inkrafttreten einer bundeseinheitlichen Regelung der Finanzierung der ambulanten Behandlung von Menschen mit HIV/Aids gewährt wurde.

Die bundeseinheitliche Regelung gilt seit dem 01.07.2009. Danach erhalten Hausärzte/ärztinnen und Internist(inn)en pro Quartal eine Grundpauschale in Höhe von 45,50 je Patient(in).

Weitere Zuschläge sind möglich bei Behandlungen mit Spezialmedikamenten (z. B. bei der antiretroviralen Therapie) sowie bei HIV-assoziierten Folgeerkrankungen.

Die neue bundeseinheitliche Regelung sollte künftig dahingehend fortentwickelt werden, dass diese nicht nur für Hausärzte/-ärztinnen und Internist(inn)en gilt, sondern Fachärzte/-ärztinnen wie z. B. Dermatolog(inn)en oder Augenärzte/-ärztinnen in die zusätzlichen Vergütungen einschließt.

Eine zusätzliche Vergütung für die Fachmediziner(innen) bezüglich der Behandlung von Menschen mit HIV/Aids wäre allein deshalb gerechtfertigt, weil diese mehr Fortbildungen benötigen und die Beratung von Patient(inn)en mit einer unheilbaren Krankheit zeitaufwendiger ist. Aus Sicht der KV Berlin und des Arbeitskreises Aids niedergelassener Ärzte Berlin e.V. ist die bisher gute ambulante Behandlung von Menschen mit HIV und Aids in Berlin durch den Ausschluss der Fachmediziner(innen) von der Gewährung der Aids-Zuschläge stark gefährdet. Dem ist jedoch entgegen zu halten, dass erstmals eine bundesweite Pauschalenregelung festgelegt wurde, die zwar nicht ganz dem Berliner Standard Rechnung trägt, aber gleichwohl eine Sicherung im Bundessystem darstellt und dadurch zukunftsfähiger ist.

Stationäre Versorgung

Seit über 20 Jahren gibt es in Berlin das sog. Schöneberger Modell, ein Netzwerk aus Kliniken, HIV-Schwerpunktpraxen und freien Trägern zur Behandlung und Betreuung HIV-infizierter Menschen.

Das Schöneberger Modell hat seinen Ursprung im Vivantes Auguste-Viktoria-Klinikum (AVK) im Bezirk Schöneberg, in welchem Mitte der 80er Jahre die ersten AidsPatient(inn)en behandelt wurden, wirkt aber seit langem bezirksübergreifend für ganz Berlin.

Die Kooperation und der Austausch zwischen Klinikum AVK und HIV-Schwerpunktpraxen basiert auf einem in den zurückliegenden Jahren gewachsenen Vertrauensverhältnis. Die Schwerpunktpraxen weisen Patient(inn)en ein mit der klaren Vorgabe, was im Klinikum zu tun ist; das Klinikum wiederum setzt diese Vorgaben um oder konsultiert bei Bedarf die behandelnden Ärzt(inn)e(n) in den Schwerpunktpraxen.

Darüber hinaus wurden Fortbildungen für Ärzt(inn)e(n) durch das Klinikum angeboten und mit hoher Beteiligung durchgeführt.

Das Schöneberger Modell fängt mit ambulanten und stationären Angeboten 80 ­ 90 % aller Berliner HIV-/Aids-Patient(inn)en auf. Nach den Therapiefortschritten in den 90er Jahren erfolgte eine Verlagerung der Behandlung in den ambulanten Bereich und im Zuge dessen ein Ausbau der ambulanten Angebote. Über 50 niedergelassene Ärzt(inn)e(n) sowie Zahnärzt(inn)e(n) haben sich im Arbeitskreis Aids niedergelassener Ärzte Berlin e.V. zusammengeschlossen.

Parallel zum Ausbau ambulanter Angebote erfolgte im stationären Sektor eine Bettenreduzierung, was zur weiteren Zentralisierung und Spezialisierung des verbleibenden stationären Angebotes führte.

Im AVK gibt es zwei Spezialstationen für HIV/Aids, in welche die HIV-Schwerpunktpraxen und Fachärzt(inn)e(n) ihre Patient(inn)en bei Bedarf jederzeit zur vollstationären Behandlung einweisen lassen können.

Weiterer zentraler Bestandteil des Modells ist der Zugang der Berliner Aids-Hilfe zu den Patien(inn)en auf den Stationen. Sie leistet dort Beratungs- und Betreuungsarbeit, vermittelt Pflegeeinrichtungen und Betreuungsdienste.

Anlaufstellen für umfassende Diagnostik sowie für Infusionen sind die Tageskliniken im AVK und Charite-Virchow-Klinikum.

Psychosoziale Versorgung

Aufgrund der steigenden Lebenserwartung von Menschen mit HIV/Aids infolge verbesserter Therapiemöglichkeiten und des damit einhergehenden veränderten Krankheitsbildes Aids ist der Bedarf an psychosozialer Betreuung von Menschen mit HIV und Aids erheblich gestiegen. Dies trifft insbesondere auf Menschen aus finanziell schwächeren Schichten zu, die von erheblichen sozialen Schwierigkeiten und Multimorbidität geprägt sind. Ein weiteres Merkmal dieses Personenkreises ist polytoxikomaner Drogenkonsum. Ein Großteil der Betroffenen ist dabei mit Hepatitis C (HCV) koinfiziert.

Im Handlungsfeld „HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" gibt es zwei entgeltfinanzierte Projekte, die im Rahmen der Eingliederungshilfe verschiedene Angebote des betreuten Wohnens für an Aids und/oder an chronischer Hepatitis C erkrankte Menschen vorhalten. Dies sind zum einen die Zuhause im Kiez gGmbH (ZIK gGmbH), die seit 1989 in diesem speziellen Hilfegebiet tätig ist, und die Schwulenberatung Berlin gGmbH, .

Die Angebote der beiden Einrichtungen kommen in Frage für Betroffene,

- deren Beeinträchtigungen im Zusammenhang mit chronischen Erkrankungen und psychischen Störungen (einschließlich Suchterkrankungen) nicht ohne professionelle Hilfe kompensiert werden können,

- bei denen eine ambulante ärztliche und/oder psychotherapeutische Behandlung nicht ausreicht oder nicht möglich ist,

- bei denen andere Leistungen, die von vorrangigen Leistungsträgern finanziert werden, ergänzt werden müssen.

Hauptziel der beiden Träger ist die Unterstützung von sozial benachteiligten Menschen mit chronischer Erkrankung bei einem möglichst selbstbestimmten und selbständigen Leben in geeignetem, auf den individuellen Bedarf abgestimmten Wohnraum als zentralem Ort der Lebensgestaltung.

Die Wohnformen umfassen dabei therapeutisch betreutes Einzelwohnen (BEW) in Wohnprojekten oder Projektwohnungen sowie therapeutisch betreute Wohngemeinschaften.

Die Nachfrage nach betreutem Einzelwohnen ist dabei seit Jahren am stärksten.

Bei der ZIK gGmbH ist das Platzkontingent von 111 Plätzen im Jahre 2000 auf derzeit 300 Plätze an acht verschiedenen Standorten angestiegen; dabei ist das Kontingent komplett ausgeschöpft.

Aufgrund der unverändert hohen Nachfrage in diesem Leistungssegment wurde ein Aufstockungsantrag um weitere 50 Plätze zum 01.08.2010 gestellt.

Auch die Nachfrage bei der Schwulenberatung nach Plätzen im BEW ist (bei einem allerdings deutlich geringeren Platzkontingent ­ z.Zt. 58 Plätze) sehr hoch.

Zurückzuführen ist der drastische Anstieg der Zahl der Wohnungsbewerber bei den beiden Einrichtungen auf die Reform der Sozialgesetzgebung (Hartz IV). Über 90 % der Wohnungsuchenden sind auf Sozialleistungen (ALG II, Grundsicherung oder Sozialhilfe) angewiesen, um Mieten und Kautionen zahlen zu können.