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5. Ziele und Zielgruppen im Handlungsfeld „HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" Ziele und Zielgruppen sowie die sich daraus ableitenden Aufgaben und Maßnahmen sind im untersuchten Handlungsfeld eng miteinander verknüpft. So orientieren sich Ziele und Maßnahmen der präventiven und kurativen Arbeit prinzipiell an den Bedürfnissen der jeweiligen Zielgruppe und sind im IGV festgelegt. Darüber hinaus müssen bei der methodischen Umsetzung der Ziele und Maßnahmen die Besonderheiten der einzelnen Gruppen berücksichtigt werden. Im Folgenden werden deshalb in Kapitel 5.1 zunächst übergeordnete Ziele der Arbeit im Handlungsfeld „HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" benannt. In Kapitel 5.2 folgt die Beschreibung der verschiedenen Zielgruppen des Handlungsfeldes in Berlin.

Ziele: Übergeordnetes Ziel für die Arbeit im Handlungsfeld „HIV/Aids, STI und Hepatitiden" ist es, die Zahl der Neuinfektionen zu reduzieren. Wie dieses Ziel im Bereich der HIV-Prävention erreicht werden kann, hat die Bundesregierung im Jahr 2005 in ihrem Strategiepapier zur Bekämpfung von HIV/Aids aufgezeigt. Dort werden 13 Ziele formuliert, die auf Bundes-, Landes- und regionaler Ebene umgesetzt werden sollen. Für das Handlungsfeld in Berlin gilt insbesondere, dass neben den HIVNeuinfektionen auch andere STIs und die Zahl der Infektionen mit Hepatitiden gesenkt werden soll.

Im Folgenden sollen nun die für die Arbeit im Handlungsfeld und von den freien Trägern genannten wichtigen strategischen Ziele formuliert werden. Da sich diese Ziele stark an denen der Bundesregierung orientieren, werden deren Ziele unter 5.1.1 kurz benannt. Unter 5.1.2 werden dann jene Ziele formuliert, die für die Arbeit im Berliner Handlungsfeld HIV/Aids, STI und Hepatitiden relevant sind.

Ziele der Bundesregierung

Die Bundesregierung hat 2005 ihre HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie vorgelegt. Die dort formulierten Ziele und Aufgaben gelten als Richtschnur für die nationale wie internationale Arbeit im Kampf gegen HIV/Aids. Im Folgenden sind die Ziele der HIV/AIDS-Bekämpfungsstrategie für Deutschland aufgelistet:

Verhinderung von HIV-Neuinfektionen sowie Infektionen mit anderen STIs

Verankerung des Präventionswissens in der gesamten Bevölkerung

Integration verbindlicher und qualitätsgesicherter Präventions-Angebote in den Schulunterricht, z. B. durch Ausbau und qualitative Verbesserung des Sexualkundeunterrichts und verstärkte Multiplikatorenschulung

Ausbau außerschulischer medialer und personaler Aufklärungs- und Beratungsangebote im Verbund zwischen Gesundheitsämtern, Aids-Hilfen, anderen NGOs, niedergelassenen Ärzten, Schwerpunktpraxen, Kliniken und Fachverbänden

Effektive Präventionsangebote und Zugang zu medizinischer und psychosozialer Beratung, Betreuung, Therapie und Pflege für Menschen mit Migrationshintergrund delphi GmbH Beschreibung der Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen im Handlungsfeld „HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" in Berlin 10

Flächendeckende, anonyme und kostenlose Beratungs- und HIV-Testangebote mit verbindlichen Beratungsstandards

Präventive Angebote für Reisende in HIV-Hochprävalenzgebiete

Verstärkung der Prävention in kommerziellen Etablissements, die sexuellen Begegnungen dienen

Qualitätsgesicherte Diagnostik für sexuell übertragbare Erkrankungen, Therapie und präventive Beratung und Begleitung ihrer Patienten/innen durch die niedergelassene Ärzteschaft

Förderung eines akzeptierenden und solidarischen Umgangs mit Menschen mit HIV/Aids

Stärkung der Selbstverantwortung für die individuelle Gesunderhaltung sowohl bei infizierten als auch bei nicht infizierten Menschen

Förderung von Maßnahmen zur gesundheitlichen Schadensreduzierung für Menschen in Haftanstalten

Verbesserung der Surveillance

Ziele für das Handlungsfeld „HIV/Aids, STI und Hepatitiden" in Berlin

Die Ziele für das Handlungsfeld HIV/Aids, STI und Hepatitiden in Berlin orientieren sich grundsätzlich an den Zielen der Bundesregierung wie sie unter 5.1.1 beschrieben sind. Jedoch haben nicht alle Ziele, die die Bundesregierung formuliert hat, für das Handlungsfeld HIV/Aids, STI und Hepatitiden und die beteiligten freien Träger in Berlin die gleiche Relevanz.

Die im Strategiepapier der Bundesregierung formulierten Ziele, wie beispielsweise die Verhinderung von HIV-Neuinfektionen, können überwiegend direkt für das Handlungsfeld in Berlin übernommen werden. Da aber die Arbeit im Handlungsfeld nicht die Allgemeinbevölkerung anvisiert, gehören Ziele wie z. B. die Integration verbindlicher Präventionsangebote in den Schulunterricht nicht zu dem expliziten Aufgabenspektrum der Projekte, die durch den IGV gefördert werden. Andere Ziele, wie die Verbesserung der Surveillance, sind vorrangig Aufgabe des Bundes. Im vorliegenden Rahmenkonzept sollen deshalb nur jene Ziele dargestellt werden, die für das Handlungsfeld „HIV/Aids, STI und Hepatitiden" in Berlin relevant sind.

Präambel Übergeordnetes Ziel der IGV-zuwendungsgeförderten Projektarbeit in Berlin ist die Senkung der HIVNeuinfektionen sowie der Neuinfektionen im Bereich der sexuell übertragbaren Erkrankungen und Hepatitiden. Darüber hinaus sollen Angebote vorgehalten werden, die helfen, ein Leben mit HIV/Aids zu gestalten.

Ziel 1: Verankerung des Präventionswissens in den Zielgruppen

In Ergänzung zur Zielsetzung der Bundesregierung bezieht sich dieses Ziel im Handlungsfeld „HIV/Aids, STI und Hepatitiden" hauptsächlich auf Gruppen mit einer erhöhten Gefährdung. Im Sinne der selektiven bzw. indizierten Prävention sollen Wissen über HIV/Aids-Infektionswege, delphi GmbH Beschreibung der Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen im Handlungsfeld „HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" in Berlin 11 über Schutzmöglichkeiten und die Motivation zum Schutzverhalten bei den unter 5.2 beschriebenen Zielgruppen gefördert werden.

Teilziele

Die Zielgruppen sind über Infektionsrisiken und Schutzmöglichkeiten aufgeklärt.

Die Zielgruppen sind über die Wechselwirkungen zwischen HIV/Aids, STIs und Hepatitiden aufgeklärt.

Die Zielgruppen sind über die Risiken des ungeschützten Sex, vor allem bei Sex mit einer hohen Anzahl an Sexualpartnern, aufgeklärt.

Ziel 2: Stärkung der Handlungskompetenzen für die individuelle Gesunderhaltung und Förderung eines nachhaltigen Schutzverhaltens und dessen Implementierung im persönlichen Lebensstil Handlungskompetenzen für die individuelle Gesunderhaltung berücksichtigen unter anderem eine angemessene Gesundheitspflege und -vorsorge. Eine Voraussetzung dafür ist, dass Leistungen der Regelversorgung in Anspruch genommen werden. Darüber hinaus liegt ein Fokus der Arbeit auf der Implementierung eines nachhaltigen individuellen Schutzverhaltens im persönlichen Lebensstil. Das bedeutet unter anderem, dass sexuelle Emanzipation als Voraussetzung für verantwortungsvoll gelebte Sexualität gefördert wird. Übergeordnetes Ziel ist die Verankerung individueller Handlungskompetenzen in den Zielgruppen so wie die Sensibilisierung für die Selbstverantwortung des Einzelnen. Das gilt sowohl für Menschen mit Infektionen als auch als auch für jene ohne eine Infektion.

Teilziele

Sozialleistungen werden in Anspruch genommen/Die Lebensgrundlage ist gesichert.

Die soziale Situation der Zielgruppen ist stabil bzw. verbessert.

Der Gesundheitszustand der Zielgruppen ist stabil bzw. verbessert.

Die Wohnsituation ist stabil.

Ein nachhaltiges Schutzverhalten wird im persönlichen Lebensstil umgesetzt.

Die Zielgruppen sind über den Einfluss des Konsums von legalen und illegalen Drogen auf das Infektionsrisiko aufgeklärt.

Die psychische Stabilität in den Zielgruppen wird durch entsprechende Angebote aufrecht erhalten bzw. verbessert.

Die Zielgruppen sind hinreichend über HIV/STI-Testdiagnostikverfahren informiert.

Testangebote werden in den Zielgruppen entsprechend den Infektionsrisiken in Anspruch genommen.

2.10 Die Zielgruppen sind sexuell emanzipiert. delphi GmbH Beschreibung der Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen im Handlungsfeld „HIV/Aids.