Migration

Menschen mit erhöhter Gefährdung

Menschen mit chronischen Infektionen

Im Folgenden werden diese beiden Gruppen mit den jeweiligen Untergruppen genauer beschrieben.

Keine Berücksichtigung finden in diesem Zusammenhang Personengruppen, die im Sinne der Verhältnisprävention von den Beratungsstellen zwar angesprochen werden, im engeren Sinne aber nicht die eigentliche Zielgruppe sind, z. B. Angehörige

Gruppen mit erhöhter Gefährdung

Unter Gruppen mit einer erhöhten Gefährdung sind Menschen zu verstehen, die auf Grund ihrer Herkunft oder ihres Verhaltens besonders gefährdet sind, sich mit HIV, STIs oder Hepatitiden zu infizieren.

Für die Arbeit in Berlin haben die freien Träger im IGV vier übergeordnete Zielgruppen mit einer erhöhten Gefährdung bestimmt:

Männer, die Sex mit Männern haben

Frauen in der Sexarbeit

Menschen aus Hochprävalenzländern

Menschen mit riskantem Drogenkonsum

Bei der Beschreibung der Gruppen mit einer erhöhten Gefährdung werden die Faktoren herausgestellt, die zu einer erhöhten Vulnerabilität der gesamten Zielgruppe führen. Unter solchen so genannten Vulnerabilitätsfaktoren versteht man Bedingungen, die die Bewältigung von auftretenden Belastungen erschweren oder unmöglich machen und somit die Wahrscheinlichkeit einer Infektion mittelbar erhöhen. Solche Vulnerabilitätsfaktoren können psychischer oder sozialer Natur sein.HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" in Berlin 16

Settingbezogene Vulnerabilität

Szenetreffpunkte

Haftanstalten

Orte anonymer sexueller Begegnung

Straßenstrich

In den einzelnen Untergruppen können jeweils mehrere dieser Faktoren zutreffen, deshalb soll anhand von Beispielen die Bedeutung der einzelnen Faktoren für die jeweilige Zielgruppe verdeutlicht werden. Ergänzend dazu werden für die einzelnen Untergruppen Settings beschrieben, die zu einer Steigerung der Gefährdung führen können. Darüber hinaus ist anzumerken, dass in allen Zielgruppen die Arbeit mit Menschen mit Migrationshintergrund erschwert sein kann. Ökonomische Benachteiligungen sowie mangelnde Deutschkenntnisse und/oder mangelnde Integration können Gründe dafür sein. Migrantinnen und Migranten sind in aller Regel nicht mit dem deutschen Sozial- und Gesundheitssystem vertraut, was einen erschwerten Zugang zu den Gesundheitsdiensten bedeutet. Des Weiteren müssen die unterschiedlichen kulturellen Hintergründe beachtet werden, die beispielsweise eine andere Art der Ansprache zum Thema Sexualität erfordern, insbesondere zum Thema Homosexualität.

Männer, die Sex mit Männern haben (MSM)

Nach wie vor sind MSM die Gruppe mit dem höchsten Anteil an HIV-Neuinfektionen. Die Arbeit der Berliner Einrichtungen richtet sich deshalb überwiegend an diese Gruppe. Eine erhöhte Gefährdung der MSM ist auf verschiedene Faktoren zurückzuführen. So ist zunächst einmal als Faktor der ungeschützte Sex selbst zu benennen. Die Gefährdung steigt dabei, wenn im Sinne des so genannten „Sero Guessing" der HIV-Status des aktuellen Sexualpartners geschätzt wird. Je nach Einschätzung werden Schutzmaßnahmen ergriffen oder nicht. Da diese Entscheidung nicht auf einer rationalen Grundlage getroffen wird, kann die Gefahr einer Infektion unterschätzt werden. Das Risiko wird weiter erhöht durch ungeschützten Sex mit einer hohen Anzahl von Sexualpartnern. Eine besondere Form der sexuellen Begegnung, in der eine erhöhte Anzahl an Sexualpartnern vorliegt, sind z. B. so genannte „sexuelle Netzwerke". Darunter ist zu verstehen, dass Männer, die sich untereinander kennen, sich zum Sex verabreden. Eine Gefährdung besteht in solchen Netzwerken durch die Annahme, dass aufgrund eines vermeintlichen Vertrauens auf geschützten Sex verzichtet werden kann, da auf Grund der Bekanntheit der Teilnehmer untereinander von einer Infektion des Einzelnen nicht ausgegangen wird. Ein ähnliches Risiko verbirgt sich hinter dem Phänomen der „seriellen Monogamie". Das bedeutet, es finden viele, sehr kurze Beziehungen hintereinander statt in denen ungeschützter Sex praktiziert wird. Aber nicht nur eine hohe Anzahl an Beziehungen in kurzer Zeit mit ungeschütztem Sex erhöhen das Risiko, auch die Tatsache, des „verliebt seins" erschwert eine objektive Einschätzung für eventuelle Gefährdungen. Ungeschützter Sex wird auch als Vertrauensbeweis zwischen den Partnern gesehen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Diskriminierung der Betroffenen. Diese führt oft zu einer fehlenden Akzeptanz für die eigene sexuelle Identität. Sexuelle Emanzipation ist jedoch die wichtigste Voraussetzung für eine verantwortungsvoll gelebte Sexualität.

Darüber hinaus kann psychische Instabilität einen weiteren Faktor für eine erhöhte Vulnerabilität darstellen. Die Facetten psychischer Instabilität können dabei recht vielfältig sein und reichen von einer delphi GmbH Beschreibung der Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen im Handlungsfeld „HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" in Berlin 17 mangelnden Impulskontrolle in Situationen sexueller Erregung bis hin zu klinisch-psychiatrischen Störungsbildern. Nicht zuletzt stellt der Missbrauch von Alkohol oder Drogen ein zusätzliches Risiko dar, da Schutzmaßnahmen im Sinne des „Safer Sex" bei akuter Drogenintoxikation häufig vernachlässigt werden.

Spezifische Faktoren kommen in der Gruppe der Jungen und jungen Männer in der Prostitution zum Tragen. Besonders in dieser Gruppe kann ökonomischer Druck zu riskantem Verhalten führen. Ein niedriger Bildungsstand kann dazu führen, dass präventive Maßnahmen vernachlässigt werden. Darüber hinaus kann ein unsicherer Aufenthaltsstatus ein Grund dafür sein, medizinische Untersuchungen nicht in Anspruch zu nehmen und damit eine erhöhte Gefährdung zur Folge haben. In dieser Gruppe kommt hinzu, dass das Setting „Straßenstrich" häufig zur Vernachlässigung von Hygiene- und Präventionsmaßnahmen führt. Aber nicht nur das spezifische Setting erhöht die Gefahr einer Infektion. An erster Stelle sind für die gesamte Zielgruppe MSM Szenetreffs zu nennen, in deren Umfeld ungeschützter Verkehr praktiziert wird. Eine Besonderheit in diesem Zusammenhang sind die so genannten „Orte (anonymer) sexueller Begegnung". Es handelt sich um Treffpunkte für Männer, die sich nicht offen im homosexuellen Szeneumfeld bewegen wollen und die in diesem Setting ungeschützten Sex praktizieren. Ein weiteres Setting mit erhöhter Gefährdung sind Haftanstalten, weil Möglichkeiten für „Safer Sex" nicht immer allen Inhaftierten bekannt sind. Unter dem Gesichtspunkt, dass insbesondere Gruppen mit einer erhöhten Gefährdung beschrieben werden, unterscheidet sich diese Zielgruppe von der der Heterosexuellen jedoch stark im Ausmaß der Gefährdung. Zentral in der Betrachtung möglidelphi GmbH Beschreibung der Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen im Handlungsfeld „HIV/Aids.