Migration

So kann eine finanzielle Notlage dazu führen, dass die Frauen ungeschütztem Verkehr zustimmen. Die finanzielle Notlage kann dabei auch eine Folge von Drogenkonsum sein. Im Rahmen der so genannten Beschaffungsprostitution kann es zu riskantem Sexualpraktiken kommen. Ein unsicherer Aufenthaltsstatus und/oder eine unsichere arbeitsrechtliche Situation werden als weitere Gründe für riskante Sexualpraktiken genannt. Hinzu kommt, dass die Frauen teilweise Androhung von Gewalt, manifeste Gewalt oder Ausbeutung erfahren haben. Ein weiterer wesentlicher Faktor ist der niedrige Bildungsstand und damit das mangelnde Wissen über die verschiedenen Übertragungswege. Darüber hinaus haben Frauen mit einer psychiatrischen Komorbidität oder Suchtmittelabhängigkeit eine erhöhte Vulnerabilität. Auch der in dieser Gruppe häufig vorkommende Missbrauch von Alkohol und Drogen kann die Wahrscheinlichkeit für riskanten, ungeschützten Sex erhöhen. Aufgrund des geringen sozialen Status der Betroffenen aber auch durch Tabuisierung/Diskriminierung fehlt den Frauen häufig das Selbstbewusstsein, die Umsetzung eigener Schutzansprüche einzufordern.

In Bezug auf risikoerhöhende Settings ist speziell der Straßenstrich zu erwähnen. Ähnlich wie in der Gruppe der MSM beschrieben, werden dort Hygiene- und Präventionsmaßnahmen häufig vernachlässigt. Aufgrund der fehlenden Auseinandersetzung mit HIV/Aids und delphi GmbH Beschreibung der Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen im Handlungsfeld „HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" in Berlin 19 den damit verbundenen Gefahren gibt es Defizite in der Aufklärung. Vor allem ist die Akzeptanz präventiver Maßnahmen sehr gering. Dies ist einerseits in Unwissenheit, andererseits in tradierten und kulturell bedingten Vorstellungen von Sexualität sowie Gesundheit bzw. Krankheit begründet. Aber auch Präventionsmaßnahmen selber erweisen sich nicht immer als ausreichend kultursensibel. Gesellschaftliche Stigmatisierung und Diskriminierung führen dazu, dass Menschen sich in ihren Communities nicht outen, aus Angst, verstoßen zu werden. Die Communities stellen aber gleichzeitig wesentliche soziale Bezugssysteme dar. Hinzu kommt, dass sich die Angebote der Gesundheitsversorgung vornehmlich an die Mehrheitsgesellschaft richten und Menschen mit Migrationshintergrund dadurch einen erschwerten Zugang zum regulären Hilfesystem haben. Neben diesen für diese Gruppe spezifischen Faktoren gilt auch hier, dass ein niedriger Bildungsstand sowie ein insgesamt geringer sozialer Status die Vulnerabilität der Zielgruppe erhöhen können. Auf diese Gruppe trifft besonders zu, dass ein unsicherer Aufenthaltsstatus und damit die Angst vor Abschiebung dazu führen können, dass medizinische Regeluntersuchungen nicht in Anspruch genommen werden. Menschen, die riskant Drogen konsumieren, können somit einem doppelten Infektionsrisiko ausgesetzt sein: Zum einen aufgrund des intravenösen Drogenkonsums, zum anderen aufgrund ihres Sexualverhaltens. Laut RKI sind Frauen und Männer, die intravenös Drogen gebrauchen, die viertgrößte Gruppe in der Statistik der HIV-Neuinfektionen. Noch größer ist in dieser Gruppe die Gefahr einer Infektion mit Hepatitis. Ein erheblicher Faktor, der die Gefährdung dieser Zielgruppe erhöht, ist ihr niedriger ökonomischer Status und das Leben im kriminellen Umfeld. Die Mischung aus Illegalität und dem Druck, Geld für den Drogenkonsum beschaffen zu müssen, kann in letzter Konsequenz zu einer sozialen und gesundheitlichen Verelendung der Konsumenten und Konsumentinnen führen. Ein unsicherer Aufenthaltsstatus sowie ein geringer sozialer Status können Ursachen dafür delphi GmbH Beschreibung der Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen im Handlungsfeld „HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" in Berlin 20 sein, dass medizinische Angebote nicht wahrgenommen werden und dadurch die Gefahr einer Infektion steigt. Mit einer schlechten sozialen Situation (Wohnungslosigkeit, Unterernährung und mangelnde Hygiene) geht oft auch eine sich verschlechternde gesundheitliche Konstitution der Betroffenen einher. Nicht zuletzt liegt häufig ein niedriges Bildungsniveau, verbunden mit Unwissenheit bezüglich der verschiedenen Übertragungswege von Hepatitiden und HIV vor. Generell gilt auch für diese Gruppe, dass eine psychische Instabilität oder psychiatrische Komorbidität insgesamt die Gefährdung erhöht.

Settings, in denen eine erhöhte Gefährdung vorliegt, sind einerseits die Szenetreffpunkte und dort vor allem die offene Szene, da hier die Gefahr des gemeinsamen Benutzens von Spritzen unter den Konsumenten sehr hoch ist.