Dabei ist zu unterscheiden zwischen Faktoren die infolge der Infektion

5.2.2 Menschen mit chronischen Infektionen

Die Gruppen mit einer erhöhten Gefährdung für eine Infektion wurden von den freien Trägern in diesem Handlungsfeld anhand von Vulnerabilitätsfaktoren und gefährdungsrelevanten Settings beschrieben. Ein Ziel der Arbeit im Handlungsfeld „HIV/Aids, STI und Hepatitiden" ist es, die erhöhte Gefährdung dieser Gruppen zu verringern.

In der Gruppe der Menschen mit einer bereits bestehenden Infektion liegt der Fokus auf einer Reduzierung der Faktoren, die zu einer verstärkten Belastung der Zielgruppe beitragen. Zu benennen sind vor allem psychosoziale Faktoren, die eine wesentliche Rolle für den Verlauf der Erkrankung spielen.

Dabei ist zu unterscheiden zwischen Faktoren, die infolge der Infektion bzw. Erkrankung auftreten und jenen, die unabhängig von der Erkrankung vorhanden sind. Zu den Faktoren, die infolge der Erkrankung auftreten, gehören neben den körperlichen Belastungen vor allem die psychischen Belastungen.

Die Diagnose „HIV-infiziert" oder „Aids-erkrankt" verursacht meistens einen Schock. Diese traumatische Erfahrung gilt es in der Folgezeit zu verarbeiten. Die Betroffenen leiden dabei nicht selten zusätzlich unter Depressionen. Darüber hinaus stellen sich häufig psychosomatische Begleiterscheinungen, wie Schlaflosigkeit oder Kopfschmerzen, ein.

Die Betroffenen müssen mit weiteren Belastungssituationen umgehen, die nicht unmittelbar durch die Krankheit hervorgerufen werden. So stellen ein niedriger ökonomischer und ein geringer sozialer Status sowie ein unsicherer Aufenthaltsstatus Stressfaktoren dar, die sich zusätzlich belastend auf die Psyche auswirken und somit den Krankheitsverlauf beeinflussen können. Nicht selten kommt es zur Wechselwirkung zwischen den Faktoren, sodass auch die Folgen der Erkrankung einen negativen Einfluss auf den ökonomischen und sozialen Status haben. Ein weiterer Faktor, der sich vor allem negativ auf die Therapiecompliance auswirkt, ist ein niedriger Bildungsstand.

Zu der Gruppe der Menschen mit chronischen Infektionen gehören sowohl Menschen mit HIV/Aids als auch Personen mit einer Hepatitis-Infektion. Bei Menschen mit einer Hepatitis-Infektion liegt der Fokus auf jenen, deren Krankheitsverlauf chronisch ist (Hepatitis B, C oder D). Darüber hinaus bieten die aufgelisteten Projekte eine personenbezogene Betreuung bzw. pflegerische Leistung für die Zielgruppen an, um eine nachhaltige Verbesserung der Lebenssituation der Zielgruppe zu gewährleisten. delphi GmbH Beschreibung der Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen im Handlungsfeld „HIV/Aids, sexuell übertragbare Erkrankungen und Hepatitiden" in Berlin 23

6. Maßnahmen

Zur Erreichung der genannten Ziele muss den Gefährdungen der Zielgruppen entgegengewirkt werden. Dazu wurden in einem ersten Schritt jene Faktoren bestimmt, die zu einer Erhöhung der Gefährdung beitragen (vgl. Kap. 5.2). Ausgehend von diesen Vulnerabilitätsfaktoren haben die freien Träger Maßnahmen benannt, die im Handlungsfeld umgesetzt werden. Nachfolgend werden diese Maßnahmen für alle Teilziele im Handlungsfeld beschrieben. Die Darstellung orientiert sich an der Struktur der Ziele und Teilziele. Zu beachten ist dabei, dass die verschiedenen Maßnahmen nicht isoliert voneinander zu betrachten sind. Häufig bedingt erst die Umsetzung der einen Maßnahme den Erfolg einer anderen. Diese Interdependenzen müssen in der Planung der Projekte Berücksichtigung finden. Im Text wird deshalb auf entsprechende Interdependenzen hingewiesen.

Die hier beschriebenen Maßnahmen geben den aktuellen Stand zum Zeitpunkt der Konzepterstellung wieder. Veränderungen in den Zielgruppen, neue „Trends" im Sexualverhalten oder neue Drogenkonsummuster erfordern entsprechende Anpassungen an die sich verändernden Anforderungen.. Wichtig ist deshalb, dass die hier beschriebenen Maßnahmen regelmäßig auf ihre Effektivität hin überprüft werden. Ein tabellarischer Überblick aller Ziele und Maßnahmen kann dem Anhang entnommen werden (Tabelle 2). Ziel 1: Verankerung des Präventionswissens in den Zielgruppen Teilziel 1.1: Die Zielgruppen sind über Infektionsrisiken und Schutzmöglichkeiten aufgeklärt.

Maßnahmen: Um Teilziel 1.1 zu erreichen, müssen in den Zielgruppen Informationen zu Infektionsrisiken und Schutzmöglichkeiten verfügbar sein. Die Informationsvermittlung erfolgt zum einen mit Hilfe verschiedener Medien. Das können Flyer oder Broschüren sein, die von den Projekten selbst entworfen oder von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) oder der Deutschen AIDS-Hilfe e. V. (DAH) sowie von anderen Projekten oder Kooperationspartnern herausgegeben werden. Bei der Erstellung der Informationsmaterialien werden die unterschiedlichen Lebenswelten der MSM sowie kulturelle und ethnische Besonderheiten der Zielgruppen berücksichtigt. Bei der Entwicklung bzw. Überarbeitung der Materialien wird sichergestellt, dass aktuelle Trends bzw. der aktuelle Stand der Forschung zeitnah in die Medien integriert werden. Die Materialien liegen in den Beratungsstellen aus, werden im Rahmen von Aktionen persönlich übergeben oder an Orten, an denen sich die Zielgruppen treffen, ausgelegt.

Eine weitere Variante ist die Informationsvermittlung via Internet. Über Internetseiten der Projekte sind relevante Informationen für die Zielgruppen zugänglich. Zur Medienprävention gehört auch die Initiierung von (Medien-) Kampagnen im Rahmen von Medienpartnerschaften. Neben der medialen Informationsvermittlung halten die Projekte zum anderen vor allem Angebote der personalen Kommunikation vor. Zentral ist hierbei die individuelle Aufklärung und Informationsvermittlung in den Einrichtungen oder im Rahmen der aufsuchenden Vor-Ort-Arbeit. Dabei können die Informationen in Form eines allgemeinen Gesprächs oder im Rahmen der Präventionsberatung vermittelt werden. Darüber hinaus findet Beratung auch am Telefon statt oder im Internet via E-Mail- oder Chatberatung. Die Durchführung von sowie die Beteiligung an zielgrupdelphi GmbH Beschreibung der Ziele, Zielgruppen und Maßnahmen im Handlungsfeld „HIV/Aids.