Dem drohenden Fachkräftemangel wirkungsvoll begegnen

Das Abgeordnetenhaus wolle beschließen:

Der Senat von Berlin wird aufgefordert, im Rahmen seiner finanziellen Möglichkeiten alle Bildungsgänge und Maßnahmen in der Berufsausbildung, in der beruflichen Weiterbildung, im Hochschulsystem sowie im so genannten Übergangssystem in ihrer Effektivität zu verbessern und auf das Ziel von anerkannten Abschlüssen auszurichten. Dabei kommt es darauf an,

- dass jedem ausbildungswilligen Jugendlichen eine berufliche Erstausbildung im dualen System angeboten werden kann. Dabei ist auf ein möglichst hohes betriebliches Ausbildungsplatz-angebot hinzuwirken. Ergänzend müssen, nach dem Muster des auslaufenden Bund-LänderSonderprogrammes, zusätzliche Ausbildungsplätze (im Verbund mit Betrieben) durch das Land Berlin finanziert werden,

- die flächendeckende vertiefte Berufliche Orientierung mit Mindeststandards an allen allgemeinbildenden Schulen zu verbessern,

- ein landesweit abgestimmtes Übergangsmanagement von der Schule in die Arbeitswelt für die Gruppe der Jugendlichen mit besonderem Förderbedarf zu etablieren. Insbesondere müssen sog. „Altbewerber/-innen", d.h. Jugendlichen, die sich seit Jahren vergeblich um einen Ausbildungsplatz bemüht haben, Perspektiven eröffnet werden. Dabei muss die Verbesserung der Qualität in berufsvorbereitenden Maßnahmen oberste Priorität haben. Die beruflichen Qualifikationen sollten wirtschaftsnah sein und somit echte Chancen auf dem Ausbildungsmarkt eröffnen,

- die bedarfsgerechte Ausstattung mit Angeboten in der Jugendberufshilfe zu sichern,

- sich für eine Verbesserung der Kooperation zwischen Jobcenter (Ausbildungsfinanzierung) und Jugendamt (sozialpädagogische Begleitung) einzusetzen,

- im Dialog mit den Hochschulen die in den Hochschulverträgen vereinbarte Erhöhung der Zahl der Studienanfängerplätze auch auf den Fachkräftebedarf in Berlin abzustimmen,

- die berufliche Nachqualifizierung für Erwerbspersonen ohne abgeschlossene Berufsausbildung auszubauen und durch gezielte Weiterbildungsgänge nachträgliche Abschlüsse in aktuellen Ausbildungsberufen zu er reichen und die Möglichkeiten der Anpassungsqualifizierung umfassend zu nutzen,

- Zusatzqualifizierung und Aufstiegsqualifizierung zu verstärken und damit die Durchlässigkeit für beruflich Qualifizierte in das Fach- und Hochschulsystem zu gewährleisten,

- mit gezielten Maßnahmen möglichst durch die Oberstufenzentren in Verbund mit Betrieben Jugendliche mit Ausbildungsdefiziten zu fördern und dies mit der Zusage zu verbinden, im Anschluss daran eine Ausbildung beginnen zu können. Besonders gilt das für MDQM und dem daraus resultierenden Erlangen von modular anzurechnenden Bildungszertifikaten bezogen auf die nachfolgende Erstausbildung,

- auf eine Ausbildungsquote von mindestens sieben Prozent bei den Unternehmen mit Landesbeteiligung hinzuwirken,

- Betriebe gezielt bei der Berufsausbildung weniger leistungsstarker Jugendlicher und Altbewerber/-innen zu unterstützen,

- die Beratungsinfrastruktur im Bereich der Aus- und Weiterbildung und das Informationssystem über Weiterbildungsangebote zu verbessern,

- die Fortentwicklung aller Berufsschulen zu forcieren. Dazu gehört, durch einen Prüfauftrag, die Auslotung von Möglichkeiten der Erstellung virtuell nutzbarer Lerninhalte der Berufsschule bei Auslandsphasen während der Ausbildung. Ein spezielles Augenmerk gilt dabei der Entwicklung des deutschen (DQR) und des europäischen (EQF) Qualifizierungsrahmens,

- dass Anstöße für neue innovative Berufe aus dem Land Berlin heraus verstärkt werden,

- ein Konzept vorzulegen, wie zukünftig im öffentlichen Dienst verstärkt in innovativen Berufsbildern ausgebildet werden kann.

Begründung: Angesichts der nach der gemeinsamen Fachkräftestudie Berlin-Brandenburg drohenden Fachkräftelücke in Höhe von 460.000 Fachkräften im Jahr 2030 wird der Senat von Berlin aufgefordert, gemeinsam mit den Kammern, Verbänden, Gewerkschaften und der Bundesagentur für Arbeit darauf hinzuwirken, dass das Berliner Fachkräftepotential in den nächsten Jahren weitestgehend ausgeschöpft und entwickelt wird. Das bedeutet, dass möglichst viele Berliner Erwerbspersonen einen beruflichen Abschluss auf einem möglichst hohen Qualifikationsniveau erreichen müssen.