Studiengang

Die Arbeit der Lehrerbildungs-Zentren wird insgesamt als positiv eingeschätzt. Die Technische Universität Berlin hält auf diesem Gebiet eine weitere Vertiefung der Zusammenarbeit zwischen den Hochschulen für wünschenswert.

Sowohl die Humboldt-Universität zu Berlin als auch die Freie Universität Berlin haben erfolgreich am Telekom-Wettbewerb „MINT ­ Lehrerbildung neu denken" teilgenommen.

8. Lehre

Der Bereich Lehre war im Berichtsjahr maßgeblich durch eine öffentliche und kritische Diskussion über den Nachjustierungsbedarf im Bologna-Prozess geprägt. Der Senator für Bildung, Wissenschaft und Forschung hat in gemeinsamen Gesprächen mit der Landeskonferenz der Rektoren und Präsidenten der Berliner Hochschulen und den Studierenden Handlungsfelder identifiziert, in denen ein Nachsteuerungsbedarf konstatiert wurde. In einer gemeinsamen Arbeitsgruppe der Hochschulleitungen, Studierender der Studienreformkommissionen und der Senatsverwaltung wurden ab Beginn des Jahres 2010 Vorschläge zur Weiterentwicklung des Bologna-Prozesses erarbeitet.

Hierauf nehmen die meisten Hochschulen Bezug. Exemplarisch hat die Freie Universität Berlin folgende Reform- und Handlungsfelder identifiziert:

· Liberalisierung des Studienalltags

· Förderung der Mobilität

· Flexibilisierung der Studiengangsstrukturen

· Eröffnung von Studierfreiräumen

· Stärkere Outcome-Orientierung

· Stärkung der Forschungsorientierung

· Weiterentwicklung der Qualitätssicherung.

In den Hochschulgremien sind die genannten Handlungsfelder intensiv diskutiert worden. Teilweise wurden „Runde Tische" eingerichtet. Erste Maßnahmen zur Korrektur wurden eingeleitet. Allerdings zeigen die Berichte auch, dass die unterschiedlichen Handlungsfelder differenziert betrachtet werden müssen und untereinander in einem Spannungsverhältnis stehen. So berichtet die Freie Universität Berlin beispielsweise, dass 50 % ihrer Studienanfängerinnen und Studienanfänger in den Masterstudiengängen von anderen Hochschulen, 23 % der Studienanfängerinnen und Studienanfänger (Master) aus dem Ausland kommen. Dies kann zum einen als Beleg gewünschter Mobilität gewertet werden, weist jedoch zum anderen auf Probleme des Übergangs zwischen Bachelor- und Masterstudiengänge hin.

Im Vergleich zu den Universitäten beurteilen die Fachhochschulen den Nachjustierungsbedarf im Bologna-Prozess als weniger gravierend. So hebt z. B. die Beuth-Hochschule für Technik Berlin stärker auf Umfeldbedingungen wie Migrationshintergrund der Studierenden, Studierende mit Kindern und Erwerbsnotwendigkeiten ab. Aktivitäten wie „familienfreundliche Hochschule" (Beuth-Hochschule für Technik Berlin) oder ein in 2009 entwickeltes Mentorenprogramm (Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin) stehen gleichberechtigt neben einer Überarbeitung der Studien- und Prüfungsordnungen oder einer Flexibilisierung der Anerkennungspraxis. Die Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin weist traditionell in vielen Studiengängen einen hohen Anteil des Studienerfolgs in der Regelstudienzeit aus.

Die Umstellung auf das gestufte Studiensystem ist bis auf wenige Ausnahmen (u. a. Staatsexamen, Veterinärmedizin an der Freien Universität zu Berlin, Diplom und Magister Theologie an der Humboldt-Universität zu Berlin, Einzelfälle an der Universität der Künste Berlin und Absolventenstudiengänge an den künstlerischen Hochschulen, Diplomstudiengang Polizeivollzugsdienst an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin) abgeschlossen. Dies bezieht sich auch auf die Einrichtung von Masterstudiengängen. Die Struktur des Studienangebotes stellt sich Ende 2009 wie folgt dar: Tabelle 8. Vorreiter sind hier die Fachhochschulen, deren Lehrangebot im Vertragszeitraum nahezu vollständig akkreditiert wurde.

Zurückhaltung ist bei der Freien Universität Berlin ersichtlich, die weiter (wie die Technische Universität Berlin) die Systemakkreditierung anstrebt, jedoch die hierfür erforderlichen Voraussetzungen noch nicht erfüllt hat.

Die Erhebungen von Daten zur Studienzufriedenheit und zum Studienerfolg, die Evaluation von Lehrveranstaltungen sowie Absolventenbefragungen werden kontinuierlich fortgesetzt und ausgebaut. Dabei kommen ­ u. a. in Zusammenarbeit mit kompetenten Partnern ­ die unterschiedlichsten Methoden und Instrumente zur Anwendung.

Vordringliches Ziel ist die Verstärkung der Outcome-Orientierung

Das Land unterstützt Initiativen der Hochschulen zur Verbesserung der Qualität der Lehre mit dem Masterplan ­ Ausbildungsoffensive. Auf die verschiedenen Programmlinien des Masterplans haben die Hochschulen in unterschiedlicher Intensität zugegriffen.

Im Jahr 2009 wurden folgende Maßnahmen gefördert:

· 6 W2/W1-Lehrprofessuren auf Zeit an den künstlerischen Hochschulen

· 18 vorgezogene W2/W3-Nachfolgeberufungen von Frauen in Fächern mit geringem Professorinnenanteil

· berufsbegleitende Lehrqualifikation für rund 50 neuberufene Fachhochschulprofessorinnen und ­professoren am hochschulübergreifenden "Berliner Zentrum für Hochschullehre"; Workshops und Kurse zur nachfrageorientierten Vermittlung von lehrrelevanten Kompetenzen

· 212 zusätzliche Tutorinnen und Tutoren (40 Monatsstunden pro Jahr) im Rahmen von hochschulspezifischen Konzepten zur Qualitätsverbesserung in der Lehre

· Weiterbeschäftigung in der Lehre von insgesamt 18 Seniorprofessuren nach Erreichen der Altersgrenze

· Bereitstellung von Mitteln für hochschulspezifische Maßnahmen für Innovationen, beispielsweise E-Learning- und Blended-Learning-Aktivitäten, Aufbau von Selbstbedienungsfunktionalitäten in Studien- und Prüfungsabläufen, Einführung von Online-Brückenkursen und Virtuellen Laboren zur Erleichterung des Studieneinstiegs, Einrichtung eines E-Learning-Centers, Implementierung eines interkulturellen Förderprogramms zur Unterstützung von Studierenden mit Migrationshintergrund, Weiterentwicklung der E-Learning-Möglichkeiten in einer "Teaching Iibrary".

Gemäß den im Qualitätspakt Lehre verabredeten Planungsgrundsätzen für die Einführung von Bachelor- und Masterstudiengängen haben sich die Betreuungsverhältnisse an den Universitäten im Hochschulvertragszeitraum 2006 bis 2009 verbessert. Während im Jahr 2005 noch durchschnittlich 62 Studierende in der Regelstudienzeit durch eine Professorin bzw. einen Professor betreut werden mussten, sind dies 2009 nur noch durchschnittlich 54 Studierende (vgl. Grafik 8.1). Mit dieser Betreuungsrelation liegt Berlin im Vergleich zum Bundesdurchschnitt im guten Mittelfeld.

Grafik 8. Als erster Erfolg dieser Maßnahmen hat sich der Anteil der Absolventinnen und Absolventen, die beim Abschluss ihres Studiums die Regelstudienzeit um weniger als 2 Semester überschritten haben, sichtbar erhöht. Im Durchschnitt der Universitäten ist die Regelstudienzeit-Quote im Vertragszeitraum 2005 bis 2009 kontinuierlich von 42 % auf 53 % gestiegen. Die Humboldt-Universität zu Berlin und die Freie Universität Berlin liegen mit 57 % bzw. 56 % leicht über dem Durchschnitt, während an der Technischen Universität Berlin nur 41 % der Studierenden ihr Studium innerhalb der Regelstudienzeit zuzüglich 2 Semester abschließen.