Patent

Die Entwicklung der Erfindungs- und Patentanmeldungen durch die ipal GmbH und die Berliner Hochschulen bewegt sich überwiegend auf dem Niveau der Vorjahre. Aktuelle Evaluierungen der Patentförderprogramme des Bundeswirtschaftsministeriums durch Prognos zeigen, dass bei öffentlichen Einrichtungen eine echte Rendite in mittelfristigen Zeiträumen kaum zu erreichen ist. Auch deshalb ist zu hinterfragen, ob die Patentanmeldungen mit ihren Folgekosten und u. U. komplexen Verwertungsumfeld unbedingt immer ein geeignetes Kriterium für die Erfolgsbeurteilung der Anwendungsorientierung einer Hochschule sind. Im Falle einer echten Ausgründung macht es allerdings Sinn, das geistige Eigentum (intellectual property) der Hochschulen zu sichern und dann als Grundlage für die Verwertung in die Gründungsaktivitäten einzubringen.

Fast gänzlich unerwähnt in den Berichten bleibt die innovationstreibende, aber schwer quantifizierbare Rolle der Hochschulen bei der Entwicklung der technologiepolitischen Kompetenzfelder Berlins. Die Cluster und Schwerpunkte sind in erster Linie wissensbasiert und leben von der Kooperation mit den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen der Stadt, die ihrerseits in vielen Fällen durch gemeinsame Berufungen eng miteinander verbunden sind. Für die wirtschaftliche Entwicklung relevant ist zudem die Beteiligung der Hochschulen an anwendungsorientierten Vorhaben wie beispielsweise den beiden Fraunhofer-Innovationsclustern.

Studien des Stifterverbandes und der Technologiestiftung Berlin zur Unternehmensstruktur zeigen im Übrigen, dass Berlin heute im Bundesvergleich ein Standort für Spitzentechnologien mit hoher FuE-Intensität ist. Dazu tragen ohne Zweifel auch die Hochschulen durch ihre Ausbildungs- und Forschungsleistung bei.

Freie Universität Berlin Sehr erfolgreich arbeitet die Gründungsförderung „profund". Der hohe Professionalisierungsgrad der Gründungsinitiative schlägt sich nieder in vielen erfolgreichen Wettbewerbsteilnahmen in der Region und im Bund. So hat die Freie Universität Berlin bereits zum dritten Mal in Folge den Preis Ideenschmiede erhalten und liegt auch in einschlägigen Studien zur Unterstützung von Gründungsaktivitäten auf den vorderen Plätzen.

Etwas andere Wege zur Selbständigkeit eröffnen zudem das Labor für Entrepreneurship sowie das ESF-Projekt „creare!Start Up", das die klassischen Angebote der Gründungsförderung durch innovative Konzepte wie Intrapreneurship sowie Social, Cultural und Educational Entrepreneurship ergänzt. Die projektverantwortliche Professorin wurde in 2009 zur Hochschullehrerin des Jahres gekürt. In 2009 konnte die Freie Universität Berlin 15 Ausgründungen vermelden; in 2008 waren es 10; in 2006 und 2007 sieben Unternehmensgründungen.

Die gute Vorarbeit von profund beim Technologie-Scouting führte zu einer sehr erfolgreichen Teilnahme am Programm „Forschung für den Markt im Team" (ForMaT) des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, bei dem es um die marktgerechte Verwertung von Forschungsergebnissen geht. In dem zweiphasigen Programm erhielt die Freie Universität Berlin in der ersten Phase sieben Bewilligungen (von neun Berliner erfolgreichen Anträgen), in der zweiten Phase konnte sie alle vier Berliner Bewilligungen auf sich vereinen.

Im Berichtszeitraum sind beim hochschulinternen Patent- und Lizenzservice (PULS) der Freien Universität Berlin 16 neue Erfindungsmeldungen eingegangen. Im gleichen Zeitraum wurden 16 Erfindungen zum Patent angemeldet. Bei den Patentanmeldungen arbeitet der universitätsinterne Patent- und Lizenzservice (PULS) mit der Patentverwertungsagentur ipal GmbH zusammen. Er setzt zusätzliche finanzielle Leistungsanreize, um verwertbare Ideen „zu heben" und zu veredeln.

Als weiteres Element des Transfers weist die Freie Universität Berlin die Beteiligung an ausgewählten Fachmessen aus. Schwerpunkt der Messepräsentationen 2009 war die Darstellung aktueller Forschungsergebnisse insbesondere aus dem Bereich der Life Science mit hohem Ausgründungspotential. Positiv zu werten ist die systematische Evaluierung und Anpassung der Messebeteiligungen nach jeweiligen Erfordernissen und Zielgruppen.

Einen wichtigen Beitrag zur Stärkung der Region als Wissenschaftsstandort leistet die Wissenschaftskommunikation. So hebt der Bericht der Freien Universität Berlin die intensive Beteiligung am Wissenschaftsjahr 2010 hervor.

Humboldt-Universität zu Berlin

Die Humboldt-Universität zu Berlin ist mit ihren naturwissenschaftlichen Fachbereichen am Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Berlin-Adlershof vertreten. Im Herbst 2009 wurde dort das Integrative Research Institute for the Sciences (IRIS Adlershof) gegründet.

Es arbeitet fächerübergreifend und ist derzeit auf die Forschungsfelder Moderne Optik, Molekulare Systeme, Mathematische Physik sowie Computation in the Sciences fokussiert. IRIS Adlershof soll das hohe Forschungs- und Kooperationspotenzial am Standort Adlershof noch besser für die Universität nutzen und eine Plattform für interdisziplinäre Projekte bilden, die dazu beitragen wird, Ergebnisse der Grundlagenforschung in die unternehmerische Umsetzung zu bringen.

Darüber hinaus wurden die erforderlichen Maßnahmen zur Einrichtung einer "Spin-Off-Zone", d. h. eines Zentrums für Erfolg versprechende Ausgründungen der Humboldt-Universität zu Berlin, eingeleitet. Es wird erwartet, dass ab Sommer 2010 in Adlershof nennenswerte Flächen für ausgründungswillige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie Absolventinnen und Absolventen der Universität zur Verfügung stehen werden.

Die Wissens- und Technologie-Transfergesellschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, die Humboldt-Innovation GmbH, hat sich als Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Wirtschaft etabliert. Entstanden ist eine nachhaltige, service-orientierte Struktur, die einen professionellen Umgang mit dem Transfer gewährleistet und eine tragfähige Basis für weiteres Wachstum in den nächsten Jahren darstellt. Die Gesellschaft ist auch in 2009 gewachsen und beschäftigt im Kernteam nunmehr zwölf Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

Die Hochschule verweist ansonsten darauf, dass im Rahmen einer EXIST-Förderung ein Netzwerk von universitären Gründungsbotschaftern sowie ein Coaching-Programm aufgebaut worden ist. Die Humboldt-Universität zu Berlin verbucht für 2009 acht Patentanmeldungen und zwei neu erteilte Patente und liegt damit fast auf dem Anmeldeniveau vom Vorjahr.

Technische Universität Berlin

Seit 2009 bildet an der Technischen Universität Berlin ein neues „Zentrum für Entrepreneurship" den zentralen Anlaufpunkt für alle gründungsinteressierten Mitglieder der Universität und fungiert als Schnittstelle zu Investoren und Gründerzentren.

Mit dem in 2007 eingerichteten Gründungsservice stehen gründungsinteressierten wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Studierenden und Alumni darüber hinaus umfassende Qualifizierungs- und Beratungsmöglichkeiten zu Verfügung. Vier sogenannte Gründungsbotschafter unterstützen den Gründungsservice strategisch.

Zudem konnten 36 Professorinnen und Professoren aus verschiedenen Fachbereichen als Ansprechpartner für das Thema Gründungen gewonnen werden. Bundesweite Beachtung fand eine im Dezember 2008 von der Technischen Universität Berlin durchgeführte Konferenz zum Thema „Unternehmerische Universität".

Die Hochschule misst der strategischen Kooperationen mit Wirtschaftsunternehmen über Stiftungsprofessuren eine hohe Bedeutung zu. Sie verweist dabei auf die Akquisition von 16 neuen Stiftungsprofessuren innerhalb der letzten vier Jahre, was eine Steigerung von 200 % gegenüber dem vorherigen Hochschulvertragszeitraum darstellt.

Darüber hinaus wurden 38 sonstige Kooperations- und Rahmenverträge mit Unternehmen geschlossen. Ein neues, gemeinsam mit DB Schenker eingerichtetes An-Institut im Bereich Logistik und Transport ergänzt die schon länger bestehenden strategischen Partnerschaften der T-Labs und des Daimler Center für Automotive Information Technology.

In 2009 vermeldet die Technische Universität Berlin 11 Patentanmeldungen in Deutschland und 25 in Europa. Damit hält die Hochschule derzeit insgesamt 34 nationale und ausländische erteilte Patente. Die Zahl der Erfindungsmeldungen ist in 2009 auf 93 angestiegen; in 2008 waren es 70 und in 2007 bereits 88.

Universität der Künste Berlin

Auch eine künstlerische Hochschule hat Bedarf an Gründerförderung und an der Begleitung der ersten Schritte in die Selbständigkeit. An der Universität der Künste werden gemeinsam mit der Technischen Universität Berlin Schlussfolgerungen aus dieser Erkenntnis u. a. im Projekt NAVI BC gezogen.

Beuth-Hochschule für Technik Berlin

Die Beuth-Hochschule für Technik Berlin engagiert sich sehr für eine Zusammenarbeit mit der lokalen Wirtschaft. Die aus ESF-Mitteln geförderte technologieorientierte „Gründerwerkstatt" der Hochschule fördert Gründerinnen und Gründer mit Hochschulabschluss, die eine technologiebasierte Unternehmensgründung oder eine produktbasierte Dienstleistung am Markt etablieren möchten. Derzeit können 19 Teams aufgenommen werden.

Die potentiellen Gründer werden dabei mit 2.000 monatlich unterstützt und erhalten eine Vielzahl weiterer Coachingleistungen. Zusätzlich bietet die Beuth-Hochschule für Technik Berlin eine Reihe von Lehrveranstaltungen mit gründerrelevanten Lehrinhalten an.