Steuerberater

7 3. Organisationsstruktur und Positionierung

Gesellschaftsstruktur und Rechtsform

Um die beschriebenen, spezifischen Zielsetzungen innerhalb der drei Säulen erfolgreich zu implementieren, ein klares Profil für die zukünftige Leistungserbringung und den Auftritt auf dem externen Markt zu schaffen, beabsichtigen Charite und Vivantes die Gründung von zwei Tochtergesellschaften.

An beiden Unternehmen sollen die Mütter jeweils 50 Prozent der Anteile halten.

Die Laborbetriebe aus den Muttergesellschaften werden auf die Labor Berlin ­ Charite Vivantes GmbH übertragen, welche zukünftig die Leistungserbringung sicherstellt. Die Tätigkeit als Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) sowie weitere Aktivitäten am Markt werden von der Labor Berlin ­ Charite Vivantes Services GmbH wahrgenommen. Durch die Gründung von zwei Gesellschaften wird eine operative Trennung von stationärer Krankenhausversorgung für Charite Nach intensiver Prüfung aller in Frage kommenden Rechtsformen sind die GmbH und die AG die für die beschriebenen Zielsetzungen geeignetsten Organisationsmodelle. Auf Grund der geringeren Komplexität wurde entschieden, das neue Unternehmen im GmbH-Modell zu errichten. Durch die Nicht-Gemeinützigkeit von Vivantes ist eine gemeinsame Tochtergesellschaft nicht als gGmbH (gemeinnützigen GmbH) errichtbar.

Die gesellschaftsrechtliche Konstruktion wurde in enger Zusammenarbeit mit Juristen, insbesondere Gesellschaftsrechtlern sowie Wirtschaftsprüfern und Steuerberatern erarbeitet und mehrfach durch neutrale Gutachter überprüft und validiert.

- 8 3.2 Neun Fachdisziplinen - vereint in einem Unternehmen

Die Aufbauoganisation des Labor Berlin ist ausgewogen und spiegelt den breiten Ansatz des Unternehmens wider. Neun verschiedene Fachdisziplinen, die heute in der Charite in jeweils eigenen Organisationseinheiten existieren, werden im neuen Unternehmen gebündelt und treten zukünftig gemeinsam nach innen und außen auf.

Neben den in den meisten niedergelassenen Laborunternehmen üblichen Fachdisziplinen Laboratoriumsmedizin und Mikrobiologie bildet das Labor Berlin damit zusätzliche attraktive Schwerpunkte aus, die das Leistungsangebot nach Außen prägen. So existieren in Deutschland aktuell nur wenige Labore, die beispielsweise in den Fachgebieten Immunologie, Endokrinologie, Humangenetik und Autoimmundiagnostik ein vergleichbares Spektrum und zusätzlich entsprechend international renommierte diagnostisch und klinisch erfahrene Experten aufweisen können.

Unterhalb der Geschäftsführung wird jeder Fachbereich von einem Hochschullehrer der Charite geführt und verantwortet. Da insbesondere in den diagnostischen Schwerpunktfächern auch erfahrene Leiter medizinischer Kliniken in die Struktur integriert sind, wird es dem Labor Berlin im Gegensatz zu rein privatwirtschaftlich ausgerichteten Laborunternehmen gelingen, diagnostische Expertise mit klinischer Relevanz zu verknüpfen und somit ein deutlich weiterentwickeltes Beratungs- und Leistungsangebot zur Verfügung zu stellen.

Zusätzlich werden mit den üblichen Akkreditierungen und der Wahrung geltender Standards (z.B. Richtlinien der Bundesärztekammer) aussagefähige Normen in der Laborstruktur etabliert, die ein standardisiertes Arbeiten nach definierten Qualitätskriterien ermöglichen. Das Labor Berlin strebt die Zusammenführung der bisher getrennt vorgehaltenen Zertifizierungen und Akkreditierungen einzelner Bereiche unter der Federführung eines zentralen und einheitlichen Qualitätsmanagements an.

Ergänzend zur Definition unternehmensweiter und einheitlicher Qualitätskriterien werden die Laborprozesse der einzelnen Einheiten zunehmend integriert. Die Charite hat diesen Schritt bereits mit ihren Speziallaboren im Jahr 2009 erfolgreich begonnen und konnte bei Standardisierung der Abläufe die Laborkosten um 10 Prozent reduzieren. In weiteren Schritten werden die Strukturen der Zentrallabore und Mikrobiologien von Charite und Vivantes aufeinander abgestimmt, so dass bis zum Zusammenzug in einem Laborgebäude einheitliche und weiter verbesserte Abläufe existieren, die den Verwaltungsaufwand minimieren und Doppelstrukturen vermeiden. Durch Investitionen in die Informationstechnologie und Geräte werden Abläufe zunehmend automatisiert. Darüber hinaus erfolgt eine Umstellung auf weitgehend belegloses Arbeiten. Somit werden nicht nur die Abläufe im Labor verschlankt sondern auch die einsendenden Kliniken erhalten ihre Befunde und Ergebnisse bei mindestens gleichbleibender Qualität schneller.

Interaktion mit der Wissenschaft

Das Labor Berlin ist als Unternehmen auf das Ziel einer effizienten und gleichzeitig qualitativ hochwertigen Krankenversorgung verpflichtet. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen jedoch auch Forschung & Lehre der Universitätsmedizin. Dies gelingt einerseits durch die gesetzten Strukturen, insbesondere die Personenidentität der Fachbereichsleiter im Labor Berlin mit den Institutsdirektoren der Charite (Einheit von Forschung, Lehre und Krankenversorgung); zum zweiten werden die Forschungsbereiche durch den Zugang zu effizienten Prozessen und zu größeren Patientenkollektiven völlig neue Möglichkeiten der Interaktion mit der Krankenversorgung und damit für Forschungsvorhaben haben.

Für Vivantes wiederum bietet diese gesellschaftsrechtlich fundierte Kooperation mit der universitären Medizin die einzigartige Möglichkeit, weitere Optimierungsmöglichkeiten ohne Zuhilfenahme von klassischen Outsourcing-Modellen im eigenen Tochterunternehmen zu erschließen und kostenbewusstes Handeln mit den hohen Qualitätsstandards der Spitzenmedizin zu verbinden.

Finanziell wird die bereits in der Charite etablierte Trennungsrechnung auch in Zukunft fortgesetzt. Die Institute, beispielsweise für Laboratoriumsmedizin, Virologie und Mikrobiologie, bleiben in der Charite bestehen und erhalten dort, wie auch bisher, ein Budget für Forschung & Lehre. Der Aufsichtsrat des Laborunternehmens wacht darüber, dass Forschung & Lehre Zugang zu den Versorgungsprozessen der Krankenversorgung haben, und dass dabei das Kostentrennungsprinzip gewährleistet ist. Die Dekanin der Charite ist im Aufsichtsrat des Unternehmens vertreten und mit einem Vetorecht bezüglich aller Entscheidungen ausgestattet, die Forschung & Lehre beeinträchtigen können.

Das GmbH-Modell bildet somit die verfassungsrechtliche Wissenschaftsfreiheit in vollem Umgang ab und ermöglicht darüber hinaus ein gegenseitiges Profitieren beider Seiten durch den Zugang zu medizinischer Erfahrung, neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen und Methoden sowie zu umfangreichen Patientenkollektiven auch bei seltenen Kranheitsbildern.