Berliner Modeförderung ohne magere Models Gesundheitsstandards für Models in der Berliner Modebranche einführen

Der Senat wird aufgefordert, für die Förderung von Präsentationen der Berliner Modebranche mit den Akteuren ein Anreizsystem zu entwickeln, welches zum Ziel hat, dass Gesundheitsstandards für die Models eingeführt werden.

Der Senat wird darüber hinaus gebeten, darauf hinzuwirken, dass sich die Berliner Betreiber von Modemessen, Modeunternehmen und Modelagenturen der Nationalen Charta der deutschen Textil- und Modebranche im Rahmen der „Initiative Leben hat Gewicht" anschließen und sich damit dazu bekennen, keine Verträge mit untergewichtigen Models abzuschließen.

Als internationale Modestadt muss Berlin endlich ein Verantwortungsbewusstsein für die Gesundheit von Models wahrnehmen.

Dem Abgeordnetenhaus ist bis zum 31. Mai 2011 zu berichten.

Begründung:

Die Modebranche konstituiert mit der Präsentation von Mode am Körper von überdurchschnittlich schlanken Modells ein unrealistisches Körperbild, das insbesondere bei essgestörten jungen Menschen krankheitsverstärkend wirkt und zu einem gesundheitsgefährdenden Essverhalten beiträgt.

In Berlin fließen öffentliche Gelder in zahlreiche Projekte der Modebranche, darunter die Kofinanzierung der Mercedes-Benz Fashion Week in Höhe von 200.000 Euro und die Kofinanzierung der Messeplattform THEKEYTO in Höhe von 39.600 Euro.

Gesundheitsstandards der hier arbeitenden Models müssen bislang nicht nachgewiesen werden.

In anderen Modemetropolen wurde bereits auf die zunehmende Gesundheitsgefahr von Models mit Auflagen für die Messebetreiber reagiert. Als richtungsweisendes Beispiel verweisen wir auf die Entscheidung in der spanischen Modemetropole Madrid: Hier wurde für die internationale Modemesse „Pasarela

Cibeles" erstmals im September 2006 ein Mindest - Body Mass Index für die aktiv teilnehmenden Models vorgeschrieben. Berlin zeigt sich hingegen zurückhaltend und sieht aufgrund fehlender Hinweise auf sogenannte Magermodels bisher keinen Handlungsbedarf.

Ein verantwortungsbewusster Umgang mit Models muss jedoch die Einhaltung von gewissen Gesundheitsstandards enthalten. Es ist an der Zeit, gemeinsam mit den Akteuren der Berliner Modebranche für die Förderung von Modepräsentationen aus öffentlichen Mitteln ein Anreizsystem zu entwickeln, welches die Einhaltung von Gesundheitsstandards berücksichtigt.

Die Nationale Charta der deutschen Textil- und Modebranchen im Rahmen der „Initiative Leben hat Gewicht" ist bisher nur von einem sehr kleinen Unternehmerkreis der Modebranche unterzeichnet worden und muss in einer Modestadt wie Berlin mehr Präsenz erhalten. Die UnterzeichnerInnen der Charta bekennen sich zu ihrer gesellschaftlichen Verantwortung und wollen einen Beitrag zur Prävention von Essstörungen leisten. Unter anderem sieht die Charta unter Punkt 6 vor, dass darauf zu achten ist, dass beim Einsatz von Models auf Laufstegen und bei Fotoshootings der in immer mehr europäischen Ländern als Richtwert definierte Body Mass Index 18,5 sowie ein Mindestalter von 16 Jahren nicht unterschritten werden, um die Gesundheit der Models zu schützen.

Essstörungen sind ein Besorgnis erregendes und unterschätztes gesundheitliches Problem insbesondere von jungen Menschen. Die ungesunden Schönheitsideale, wie sie von den Medien und der Modebranche verbreitet werden, tragen zu einem überhöhten Schlankheitswahn bei, der zu behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankungen führen kann. Wie das Robert Koch-Institut bescheinigt, ist die „Propagierung von Schlankheit als gesellschaftliches Schönheitsideal und die Gleichsetzung mit Leistung, Erfolg, Anerkennung und Attraktivität" ein Faktor für die potentielle Auslösung für Essstörungen. Jeder fünfte Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren weist heute Symptome von Essstörungen auf. Magersucht (Anorexia Nervosa) und Bulimie (Bulimarexie oder Bulimia nervosa) gehören zu den häufigsten chronischen Krankheiten im Kindes- und Jugendalter.

Laut Deutschem Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik leiden über 100.000 Frauen zwischen 15 und 35 Jahren an Magersucht und 600.000 Frauen und Männer an Bulimie. Laut Studien des Robert Koch-Instituts liegt der besonders relevante Altersbereich zwischen 15 und 24 Jahren, mit einem Gipfel im 14. und 16. Lebensjahr. Mädchen sind deutlich höher betroffen als Jungen, wobei auch die Zahl männlicher Erkrankter in den vergangenen Jahren insgesamt gestiegen ist. Nach Berechnung der Ärztekammer Niedersachen führt bei 16,8% aller Essgestörten die Krankheit zum Tod.

Angesichts dieser Gefährdung sollte Berlin seine Möglichkeiten der Prävention ausschöpfen. Ein probates Mittel wäre die Prägung des Schönheitsideals durch untergewichtige Models auf Berliner Laufstegen zu vermeiden.