Kindertagespflege

Redeflussstörungen, z. B. Stottern oder Poltern sowie Stimmstörungen. Sprech-, Rede- und Stimmstörungen werden von mehreren Wissenschaftsgebieten wie z. B. der Phoniatrie, Linguistik, Logopädie und der Pädagogik der Sprachbehinderten untersucht. „Bei der Bezeichnung der Sprachstörung ist insbesondere in Deutschland aufgrund Überschneidungen linguistischer, medizinischer, sprachphilosophischer, sprachpsychologischer und soziologischer Terminologie eine erhebliche Uneinheitlichkeit entstanden."

Eine genaue Abgrenzung zwischen einer vorübergehenden Sprachentwicklungsverzögerung und anderen Sprachauffälligkeiten und einer Sprachstörung, die der sonderpädagogischen Förderung bedarf, ist schwierig.

Die ICF52 beschreibt im Teil „Körperstrukturen" unter Kapitel 3 „Strukturen, die an der Stimme und am Sprechen beteiligt sind". So unterteilt die internationale Klassifikation die Strukturen Nase, Mund, Rachen, Kehlkopf und andere am Sprechen beteiligte Strukturen, an denen Funktionsstörungen, Beeinträchtigungen oder Schädigungen sein können. Diese Beschreibungen entsprechen den o.g. Stimm- und Sprechstörungen.

Im Teil Aktivitäten und Partizipation geht die ICF in Kapitel 3 auf den Bereich Kommunikation ein. Nach dem klassischen Kommunikationsmodell unterteilt sie dabei z. B. in Kommunizieren als Empfänger, Kommunizieren als Sender, Konversation und Gebrauch von Kommunikationsgeräten und -techniken. In diesen Beschreibungen der Aktivität und Partizipation zeigt sich die Bedeutung des sozialen Kontextes für den Spracherwerb.

Die ICD 1053 beschreibt verschiedene Störungen der Körperfunktionen, z. B. Lippen-KieferGaumen-Spalte, Symptome, die die Sprache und Stimme oder Verletzungen, die den Hals betreffen. Sprachentwicklung als Lernprozess, der sich im Kontext der von sozialen Umfeldbedingungen vollzieht, ist nicht Gegenstand der Klassifikation.

Ausgangslage in Berlin Berlinweit haben 1,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler der Jahrgangsstufen 1-10 den sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Sprache. Dies entspricht 19 Prozent aller Schüler/innen mit sonderpädagogischem Förderbedarf. Das ist mehr als doppelt so hoch wie im Bundesgebiet mit einem Durchschnitt von 0,6 Prozent. 1,4 Prozent aller Schülerinnen und Schüler sehr unterschiedlich. Während die Bezirke SteglitzZehlendorf, Reinickendorf, Spandau und Tempelhof Prozentwerte weit unter dem Berliner und dem bundesweiten Durchschnitt aufzeigen, liegen Friedrichshain-Kreuzberg und Marzahn-Hellersdorf weit über dem Durchschnitt. Der Vorgang der Feststellung des sonderpädagogischen Förderschwerpunktes Sprache ist in den verschiedenen Bezirken sehr unterschiedlich.

Die Diagnostik und Förderung im Bereich Sprache beginnt in Berlin systematisch bereits in der Frühförderung. Im Berliner Schulgesetz54 und Kindertagesstättenförderungsgesetz55 wird die vorschulische Sprachstandsfeststellung und Sprachförderung für alle Kinder verbindlich geregelt.

In den Berliner Kindertageseinrichtungen wird seit 2004 die sprachliche Entwicklung jedes Kindes durch ein einheitliches Sprachlerndokumentationssystem - das Sprachlerntagebuch - während der gesamten Kindergartenzeit begleitet. Die Träger der Kindertageseinrichtungen können das Sprachlerntagebuch um andere Beobachtungsund Dokumentationssysteme erweitern. Bei Kindern, die eine Kindertageseinrichtung besuchen, findet die standardisierte Sprachstandsfeststellung auf der Grundlage der Lerndokumentation im Sprachlerntagebuch mit der „Qualifizierten Statuserhebung Sprachentwicklung vierjähriger Kinder in Kitas und Kindertagespflege" statt. Das Ergebnis der Statuserhebung liefert konkrete Anhaltspunkte für die sprachliche Förderung.

§ 55 Schulgesetz von Berlin (2004).

§ 23 Kindertagesförderungsgesetz (KitaFöG) (2005).

Bei Kindern, die im Jahr vor Eintritt in die Schule keine Kindertageseinrichtung besuchen, erfolgt die Einschätzung des Sprachstandes auf der Grundlage des § 55 Berliner Schulgesetz mit dem standardisierten Spracherhebungsinstrument „DeutschPlus 4" durch Erzieher/innen in ausgewählten Kindertageseinrichtungen.

Alle Kinder, bei denen im Ergebnis der Sprachstandserhebung Sprachförderbedarf festgestellt wird, sind zur Teilnahme an einer einjährigen Sprachfördermaßnahme im Jahr vor der Einschulung verpflichtet. Für Kinder, die bereits in Kindertageseinrichtungen betreut werden, findet diese im Rahmen der regulären, integrativen Förderung in der Kindertageseinrichtung statt. Kinder, die den beitragsfreien Kita-Platz im Jahr vor der Einschulung nicht in Anspruch nehmen und bei denen mit „Deutsch Plus 4" Sprachförderbedarf festgestellt wurde, sind zur Teilnahme an einer einjährigen Sprachförderung im Umfang von 15 Wochenstunden verpflichtet. Die sprachliche Entwicklung dieser Kinder wird durch die „Dokumentation der Sprachentwicklung für Kinder ein Jahr vor Schuleintritt" begleitet. Diese vorschulische Sprachförderung findet im Auftrag der Schule in ausgewählten, vertraglich gebundenen Kindertageseinrichtungen statt.

Ergänzend zu den o.g. Systemen berät das regionale Sprachberatungsteam Erzieher/innen und Eltern. Berlinweit sind die regionalen Sprachberaterteams mit insgesamt 24 Stellen ausgestattet.

An die Förderung in den Kindertagesstätten schließt Sprachbildung als eine wesentliche Aufgabe der Schule an. Ein Drittel der Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache sprechen gut bis sehr gut Deutsch. Zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler nichtdeutscher Herkunftssprache erhalten Unterstützung beim Erwerb von Deutsch als Zweitsprache. Dazu treten zahlreiche Kinder, die, obwohl Deutsch sprechend aufgewachsen, keine altersgemäße Sprachkompetenz haben und ebenfalls gefördert werden müssen.

Deshalb soll jede Schule ein Sprachförderkonzept entwickeln. Es ist ein Bestandteil des Schulprogramms und wird regelmäßig auf seine Wirksamkeit überprüft. Zur Entwicklung eines Sprachförderkonzeptes werden in der Regel Teilkonzepte, koordiniert durch die Schulleitung, in den Fachkonferenzen erstellt. Sachgerecht ist auch eine Verankerung des Sprachförderkonzeptes im schulinternen Curriculum als Verschriftlichung der aufeinander aufbauenden Maßnahmen, deren Inhalte und ihre Konkretisierung in den Jahrgangsstufen und Fächern.

Das Konzept des FÖRMIG57

-Transfer Berlin umfasst die Durchgängigkeit von Sprachbildung auf drei Ebenen:

· Bildungsbiografie: Angestrebt wird ein Institutionen übergreifender Aufbau von Sprachkompetenzen ­ von der Kita über die Grundschule zu den weiterführenden Schulen und der Berufsausbildung bzw. dem Studium.

http://www.berlin.de/sen/bildung/foerderung/sprachfoerderung/ vom 05.05.2010.