Dabei ist die Tatbestandsvoraussetzung der Gewaltanwendung schon dann erfüllt wenn ausländische Gruppierungen von hier aus gewaltsame Aktionen im Heimatstaat vorbereiten etwa durch Aufrufe zur Gewalt oder durch die Beschaffung

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Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2007
Verfassungsschutzbericht des Landes Nordrhein-Westfalen 2007
Ausländerextremismus 111
5 Ausländerextremismus Der Verfassungsschutz beobachtet im Ausländerextremismus Bestrebungen, die : gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung, den Bestand oder die Sicherheit des Bundes oder eines Landes gerichtet sind oder eine ungesetzliche Beeinträchtigung der Amtsführung der Verfassungsorgane des Bundes oder eines Lands oder ihrer Mitglieder zum Ziel haben, : durch Anwendung von Gewalt oder darauf gerichtete Vorbereitungshandlungen auswärtige Belange der Bundesrepublik Deutschland gefährden oder : gegen den Gedanken der Völkerverständigung oder das friedliche Zusammenleben der Völker gerichtet sind.

Schwerpunktmäßig liegen die Bestrebungen in den beiden letztgenannten Bereichen.

Dabei ist die Tatbestandsvoraussetzung der Gewaltanwendung schon dann erfüllt, wenn ausländische Gruppierungen von hier aus gewaltsame Aktionen im Heimatstaat vorbereiten, etwa durch Aufrufe zur Gewalt oder durch die Beschaffung finanzieller oder sonstiger Mittel.

Der Ausländerextremismus ist durch eine Vielzahl von Vereinigungen von unterschiedlicher Organisationsstruktur und Größe geprägt. Den Schwerpunkt bilden in NRW die extremistischen Organisationen aus der Türkei. Die sehr unterschiedlichen Zielrichtungen ausländerextremistischer Organisationen lassen sich im Wesentlichen unterteilen in nationalistische Bestrebungen, linksextremistische Bestrebungen und ethnisch motivierte Autonomie- beziehungsweise Unabhängigkeitsbestrebungen. Dabei sind die Übergänge fließend: So sind einige Organisationen ursprünglich linksextremistischer Ausrichtung nach jahrelanger Entwicklung heute vorrangig von ethnisch begründetem Unabhängigkeitsstreben geprägt.

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112 Ausländerextremismus 5.1 Türkische Organisationen 5.1.1 Föderation der türkisch-demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V. (ADÜTDF) Leitung Sentürk Dogruyol Mitglieder Bund NRW 2007 ca. 7.500 ca. 2.000
2006 ca. 7.500 ca. 2.000
Publikation `Türk Federasyon Bülteni' (Bulletin der Türkischen Föderation Internet türkischsprachige Homepage Hintergrund Die `Föderation der türkisch-demokratischen Idealistenvereine in Deutschland e.V.' (`Almanya Demokratik Ülkücü Türk Dernekleri Federasyonu' ­ ADÜTDF), ist die anhängerstärkste Gruppierung innerhalb der `Ülkücü-Bewegung', die auch unter der Bezeichnung ,,Graue Wölfe" bekannt ist. Die Bewegung basiert auf einem übersteigerten Nationalbewusstsein, das die türkische Nation sowohl politisch-territorial als auch ethnisch-kulturell als höchsten Wert ansieht. Neben dem Türkentum, das an erster Stelle steht, kommt dem Islam als einer die türkische Identität ergänzenden Komponente besondere Bedeutung zu. Die sogenannte türkisch-islamische Synthese wird von den Anhängern in der Aussage zusammengefasst: ,,Islam ist unsere Seele, Türkentum ist unser Leib", was das stark religiös gefärbte Nationalismusverständnis zum Ausdruck bringt.

Ein weiteres Element der Ideologie ist der Panturkismus. Politisches Ziel ist danach die weltweite Vereinigung der Türken in einer an den Grenzen des osmanischen Reiches orientierten (Groß-)Türkei.

Die Demokratie gefährdende Ülkücü-Ideologie lebt im Wesentlichen von Feindbildern, zu denen in unterschiedlichen Kombinationen variable Verschwörungstheorien entwickelt werden. Zu den ideologischen Feinden gehören vor allem Kurden, Amerikaner,