Anarchismus

Anarchismus . — kleinbürgerliche soziale Be­wegung, die die Klassenspaltung der Gesellschaft nicht durch Klassenkampf und politische Revolu­tion, sondern durch eine „Befreiung des Individu­ums" beseitigen möchte, bzw. die Ideologie dieser Bewegung; als solche Verfallsform des utopischen Sozialismus. Die Realisierung der „absoluten Freiheit" des Individuums wird von der Ableh­nung jeder, bes. der staatlichen Autorität erwartet. Soziale Quelle des Anarchismus ist die Krise des Klein­bürgertums im Kapitalismus. Seine Ideologie be­ruht auf der kleinbürgerlichen ökonomischen Theorie Proudhons vom „gerechten" Tausch. In der Arbeiterklasse hatte der Anarchismus größeren Einfluss in der Übergangszeit vom utopischen Sozialismus zur organisierten politischen Arbeiterbewegung. Kampfmethoden des Anarchismus: Statt politischer Organi­sation und politischen Klassenkampfes „unmittel­barer sozialer Kampf", wie nationaler General­streik zur Einführung des Sozialismus, Volks­banken, Abschaffung des Erbrechts, Sabotage, Attentate. Verschiedentlich waren anarchistische Aktionen in der Arbeiterbewegung Ausdruck elementarer Auflehnung gegen die Ausbeutung oder gegen den Verrat reformistischer Arbeiter­führer. Vertreter: Proudhon, Bakunin; in Deutsch­land Most, Landauer, Hölz. Eine bes. Form des Anarchismus ist der Anarchokommunismus Kropotkins. Die von ihm entwickelte anarchistische Gesellschaftslehre ist vor allem durch moralische und soziolo­gische Anschauungen geprägt, die durch den Be­griff der „gegenseitigen Hilfe" dargestellt werden können. Kropotkin hoffte, die staatenlose kom­munistische Gesellschaft durch bloße moralische Appelle und Einwirkungen auf die Ausbeuterklas­sen erreichen zu können. Hierbei forderte er bes., die (kollektiven) Interessen der Gesellschaft über die egoistischen Interessen der einzelnen Persön­lichkeit zu stellen. — Gegen Ende des 19. Jh. wirkte der Anarchismus in den romanischen Ländern vor allem in Form des Anarchosyndikalismus (Syndikalismus). Gegenwärtig hat der Anarchismus in Gestalt des Linksradikalismus und des Links Opportunismus eine gewisse Wiederbelebung er­fahren.