Arbeitslosigkeit

Arbeitslosigkeit — durch das Wirken der ökono­mischen Gesetze hervorgerufene Erscheinung, die darin besteht, dass ein bestimmter Teil der arbeitsfähigen Bevölkerung, insbes. der Arbeiterklasse, keine Anwendungsmöglichkeit für seine Arbeitskraft findet und seine Existenzmittel nicht mehr durch eigene Arbeit sichern kann. Die allgemeinste Grundlage der Arbeitslosigkeit ist die Trennung der Lohnarbeiter von den Produktionsmitteln und der Umstand, dass das Kapital eine Vereinigung von Arbeitskraft und Produktionsmitteln nur unter der Bedingung der Kapitalverwertung herbeiführt. Als Formen der Arbeitslosigkeit sind die industrielle Reser­vearmee und die chronische Arbeitslosigkeit zu unterscheiden. Die erstere bedeutet relative Übervölkerung im Verhältnis schon zu mittleren Verwertungsbedin­gungen des Kapitals und verschwindet nur in der Hochkonjunktur zeitweilig. Sie tritt auf, weil bei Akkumulation des Kapitals durch dessen steigende organische Zusammensetzung die Nachfrage nach Arbeitskräften durch jedes neue Zusatzkapital relativ zurückgeht und zugleich im Originalkapital Arbeitskräfte mit der technischen Entwicklung freigesetzt werden. Mit der Verschärfung der all­gemeinen. Krise des Kapitalismus wird infolge der Vertiefung der kapitalistischen Widersprüche und der tendenziellen Verschlechterung der Be­dingungen der Kapitalverwertung die Arbeits­losigkeit über lange Zeiträume chronisch. In den 70er Jahren setzt sich diese Entwicklung, die seit langem in den USA zu verzeichnen ist, auch in Westeuropa stärker durch. Die Arbeitslosigkeit verschlechtert die Lage der gesamten Ar­beiterklasse durch den Druck auf die Kampf­bedingungen der beschäftigten Arbeiter, durch die Verringerung oder den Entzug der Existenzmittel und durch Lohneinbußen, durch den Verlust von Möglichkeiten der Selbstbestätigung in der Arbeit, durch die damit verbundenen destruktiven Wir­kungen insbes. auf jugendliche Arbeitslose, durch die Erschwerung der Gleichberechtigung arbeits­loser Frauen und durch Existenzangst. Arbeitslosigkeit kann teilweise latente Arbeitslosigkeit sein, die insbes. in der agra­rischen Bevölkerung existiert und aus arbeits­fähigen und arbeitswilligen Kräften besteht, die zwar diese oder jene Beschäftigung finden, jedoch keine volle Arbeitsmöglichkeit besitzen. Die la­tente Überbevölkerung wird in den Entwicklungs­ländern auf 100 bis 200 Mill. Menschen geschätzt. Fließende Arbeitslosigkeit ist jene, die bei allg. zunehmender Beschäftigung durch die anarchische Art und Weise der Wirtschaftsentwicklung und dadurch entsteht, dass Arbeiter den Belastungen an ihrem speziellen Arbeitsplatz nicht mehr gewachsen sind und daher beim Übergang zu anderen Beschäftigungen zumindest zeitweise arbeitslos werden. Stockende Arbeitslosigkeit tritt bei jenem Teil der aktiven Arbeiterarmee auf, der nur sehr unregelmäßige Beschäftigung findet. Die strukturelle Arbeitslosigkeit wird unter den gegenwärtigen kapitalistischen Bedin­gungen immer bedeutsamer, da die wissenschaft­lich-technische Entwicklung durch Strukturwandel im Verhältnis verschiedener Industriezweige zu­einander gekennzeichnet ist und dabei ohne soziale Planung dieses Prozesses in ganzen Zweigen Ar­beiter freisetzt oder innerhalb der Zweige zu­mindest weitgehende Berufsumschichtungen mit sich bringt. Saisonale Arbeitslosigkeit — z. B. im Baugewerbe oder bei den ländlichen Tagelöhnern — schwillt jahreszeitlich bedingt bzw. infolge des spezifisch unregelmäßigen Produktionsrhythmus bestimmter Zweige in mehreren Monaten des Jahres an Man unterscheidet deshalb die reale Entwicklung der Arbeitslosigkeit von der saisonbereinigten Entwicklung der Arbeitslosigkeit, um die konjunkturell bedingte Arbeitslosigkeit möglichst genau zu erfassen. Teilarbeitslosigkeit kann als krisenhaft bedingte und unfreiwillige Minderung der Wochen­arbeitszeit zu erheblichen Lohnverlusten (z. B. bei Feierschichten im Bergbau) führen. Unterbeschäf­tigung charakterisiert die allg. Situation nicht­optimaler Auslastung der Arbeitskräfte. Die Arbeitslosigkeit einschl. der latenten Übervölkerung von hunderten Millionen zeigt, dass der Kapitalismus die Entfal­tung der entscheidenden gesellschaftlichen Pro­duktivkraft, des Arbeitsvermögens, fundamental hemmt und der Imperialismus von tiefer Fäulnis ergriffen ist.