Arbeitsphysiologie

Arbeitsphysiologie— aus der allg. Physiologie des Menschen — der Lehre von den Lebensvorgängen im Organismus — hervorgegangen, vorwiegend angewandte Wissenschaft, deren Hauptanliegen die Erforschung der Funktionen des menschlichen Organismus unter den Bedingungen der Arbeit ist. Die Arbeitsphysiologie untersucht die sich aus der menschlichen Arbeit ergebenden praktischen und theoretischen Probleme und verfolgt das Ziel, Arbeitsmittel und Arbeitsbedingungen optimal an die körperliche und geistige Eigenart des Menschen anzupassen. Die Ergebnisse der Arbeitsphysiologie sollen dazu beitragen, dass bei relativ niedrigem Energieaufwand ein hoher Wir­kungsgrad erreicht wird, ohne dass es dabei jedoch zu Überlastung, Erschöpfung oder Schädigung durch vorzeitigen Verschleiß kommt. Die phy­siologische Anpassung von Arbeitsmitteln an den Menschen gewinnt bei der Arbeitsgestaltung eine große Bedeutung. Einen bes. Platz nimmt die Physiologie der körperlichen Leistungsfähigkeit ein, und dementsprechend werden Fragen der statischen und dynamischen Arbeit, des Wirkungs­grades sowie der Muskelkraft, des Energieum­satzes und der Muskelermüdung untersucht, wobei nicht kurzfristige Höchstleistungen, sondern mehr die Probleme der bauerleistungsfähigkeit und ihrer Grenzen im Vordergrund stehen. Für derartige Untersuchungen stehen verschiedene Methoden zur Verfügung (wie Messung des Energieumsat­zes, Bestimmung von Kenngrößen der Atmung, des Kreislaufes u. a.). Bes. aufschlussreich sind fortlaufende beeinflussungsarme Untersuchungen unter natürlichen Bedingungen (z. B. telemetrische Verfahren). Die Untersuchung von Wirkungen bes. Umweltbedingungen (Lärm, erhöhter oder erniedrigter Umgebungsdruck, Klima, Vibration, Licht) ist nicht allein Aufgabe der Arbeitsphysiologie, sondern gleichermaßen der Arbeitshygiene. Ein weiteres Forschungsgebiet der Arbeitsphysiologie ist die Untersuchung der nervalen Beanspruchung und z. T. auch die Be­arbeitung von emährungsphysiologischen Fragen. Die Ergebnisse der Arbeitsphysiologie dienen nicht nur Ärzten, sondern gleichermaßen Technikern und allen ar­beitswissenschaftlichen Bereichen. Wegen der vielseitig verknüpften Fragestellungen ist eine enge Zusammenarbeit mit anderen Wissenschaften erforderlich, um die Aufgaben optimal lösen zu können.