Binnenhandel

BinnenhandelWirtschaftsbereich, in dem der wesentlichste Teil der Warenzirkulation von Kon­sumgütern und Produktionsmitteln innerhalb der Grenzen der Volkswirtschaft vollzogen wird. Der Binnenhandel gehört als organisatorisch verselbständigter Teil der Zirkulationssphäre zum einheitlichen Reproduktionsprozess; er verbindet und beeinflusst aktiv die Produktions- und Konsumtionssphäre. Dabei gleicht er die zeitlichen, räumlichen und sortimentsmäßigen Unterschiede zw. dem Auf­kommen und dem Verbrauch an Waren aus. — Wesen und Aufgaben des Binnenhandel werden von der Pro­duktionsweise, bes. aber von der Form des Eigen­tums an den Produktionsmitteln bestimmt. Bei Herrschaft des Privateigentums ist der Binnenhandel An­lagesphäre des Handelskapitals zur Erzielung von Profit, so dass Konkurrenz, Anarchie, Speku­lation und elementare Preisschwankungen zu ver- zeichnen sind, die zu Widersprüchen zw. den Interessen und der Entwicklung der einzelnen Wirtschaftsbereiche und zu Disproportionen im Reproduktionsprozess führen. Funktion und Haupt­aufgaben des Binnenhandel im Sozialismus bestehen darin, ein Höchstmaß an Kontinuität und Stabilität der aufeinander folgenden Stufen des Reproduktionspro­zesses zu gewährleisten und dabei die im Volkswirtschaftsplan vorgegebenen Proportionen zu sichern; zur höchstmöglichen Effektivität und Rationalität der Produktions- und Zirkulations­prozesse beizutragen und diese vielschichtigen Tätigkeiten bei rationellstem Einsatz von gesell­schaftlicher Arbeit durchzuführen. Demzufolge haben der Binnenhandel und seine Zweige einen entscheiden­den Beitrag zur Erfüllung der Hauptaufgabe in ihrer Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik zu leisten und durch Rationalisierung zur Intensivie­rung der sozialistischen Volkswirtschaft beizutra­gen. Im Binnenhandel ist ein Teil des volkswirtschaftlichen Wa­renaufkommens ständig in Form von Beständen gebunden. Die aus Gründen der Rationalität und Effektivität angestrebte weitere Konzentration der Bestände im Binnenhandel gewährleistet eine größere Dis­ponibilität der Warenvorräte und zugleich eine höhere Kontinuität und Stabilität des Reproduk­tionsprozesses. Die Handelstätigkeit muss bewir­ken, dass die Waren von der Produktion zum Verbraucher auf kürzesten Wegen in kontinuier­lichem Fluss bewegt und die im Binnenhandel gebundenen Vorräte auf das volkswirtschaftlich notwendige Maß beschränkt werden, ihre Umschlagsge­schwindigkeit erhöht und somit erreicht wird, dass die Zirkulationskosten ständig sinken. Die Mehrzahl der in Industrie und Landwirtschaft erzeugten Güter wird erst durch den Binnenhandel endgültig realisiert. Über den Binnenhandel erhält die Produktion die verbrauchten Geldmittel zurück, die sie in die Lage versetzen, von neuem zu produzieren. Neben dem Rückfluh der realisierten Mittel zur Produktion besteht im Binnenhandel — einer Akkumulationsquelle der Volkswirtschaft — die Möglichkeit, weitere Mittel für die Produktion und die gesellschaftliche Konsumtion zur Verfügung zu stellen. Im Binnenhandel wird produktive und unproduktive Arbeit verausgabt. Die unproduktive Arbeit, die den reinen Zirkula­tionsaufgaben (Formwandel des Wertes) ent­springt, wird aus dem zentralisierten Reineinkom­men der Gesellschaft gedeckt; sie stellt einen Abzug vom gesellschaftlichen Gesamtprodukt dar. Die produktive Arbeit ist dadurch bedingt. dass die Produktionsprozesse in der Zirkulation fortgesetzt werden.