Bürgertum

Bourgeoisie, Bürgertumdie herrschende Grund­klasse der kapitalistischen Gesellschaft. Im Gegen­satz zur beherrschten und ausgebeuteten Grund­klasse dieser Gesellschaftsordnung, dem Proletariat, dessen Angehörige nur über ihre Arbeitskraft verfügen, ist die Bürgertum Eigentümer der entscheiden­den Produktionsmittel (Fabriken, Transportmittel, Bodenschätze usw.). Sie existiert und entwickelt sich auf der Grundlage der Ausbeutung der Lohn­arbeiter. Die Klasseninteressen der Bürgertum und des Proletariats sind objektiv gegensätzlich und un­versöhnlich und bedingen den Klassenkampf zw. beiden, der vom Proletariat bis zum Sturz der Herrschaft der Bürgertum und Errichtung seiner eigenen Macht geführt werden muss. Die Bürgertum spielte im Kapitalismus der freien Konkurrenz eine progres­sive Rolle, indem sie die Entwicklung der Pro­duktivkräfte und die Vergesellschaftung der Pro­duktion vorantrieb. Damit entwickelte sie zwangs­läufig auch die Arbeiterklasse, ihren revolutionä­ren Gegenpol, den Totengräber der kapitalisti­schen Ausbeuterordnung. Im vormonopolistischen Kapitalismus spielte die Bürgertum im Produktionsprozess auch insofern eine progressive Rolle, als die Ka­pitalisten in ihrer Funktion als Ausbeuter zugleich auch als Leiter und Organisatoren des Produk­tionsprozesses tätig waren. Im monopolistischen Kapitalismus (D Imperialismus) erfolgt mit der Herausbildung der Aktiengesellschaften, Kartelle. Syndikate, Konzerne und Trusts und schließlich mit der wachsenden wirtschaft­lichen Tätigkeit des Staates (staatsmonopolisti­scher Kapitalismus) eine Trennung von Kapitalei­gentum und Kapitalfunktion. Ein großer Teil der Bürgertum verwandelt sich in Aktionäre („Kuponab­schneider”) und ein kleinerer Teil in Finanz­kapitalisten, die keine produktive Funktion mehr ausüben. Die letzteren gehören zur Großbourgeoi­sie. Die Leitung der Produktion und der Ausbeutung wird im Auftrag der Bürgertum von qualifizierten Ange­stellten und sog. Managern ausgeübt. Die Groß­bourgeoisie hat sich in eine für die gesellschaft­liche Produktion überflüssige, parasitäre Klasse verwandelt. Im Imperialismus entwickelt sich somit eine Differenzierung in der Bürgertum. Es entsteht die parasitäre Monopol- und Finanz- Bürgertum, die durch die Verschmelzung ihrer ökonomischen Macht mit der Macht des Staates den Übergang vom mono­polistischen zum staatsmonopolistischen Ka­pitalismus vollzieht und eine gefährliche, reaktio­näre und aggressive imperialistische Herrschaft errichtet. Auf der anderen Seite bestehen die nichtmonopolistischen Kapitalisten, die in ihrer Existenz von der Monopol- und Finanzbürgertum bedroht werden. In den Kolonien entstanden mit dem Eindringen der kapitalistischen Wirtschaft eine Kompradorenbourgeoisie und eine nationale. Die Kompradorenbourgeoisie arbeitet mit den Kolonialherren gegen das eigene Volk zusammen. Die nationale Bürgertum nimmt am Befreiungskampf teil bzw. übernimmt unter bestimmten Umständen zeitweilig seine Führung. In den jungen Nationalstaaten, die sich von der Kolonialherrschaft befreit haben, spielt die nationale Bürgertum, solange sie eine antiimperialisti‑ sche Position einnimmt, eine fortschrittliche Rolle. — Unter Dorfbourgeoisie ist die Klasse der kapitalistischen Großbauern zu verstehen.