Datenverarbeitung

Datenverarbeitung — Verarbeitung von Informa­tionen, welche in der Form von  Daten auftreten, wobei die Anwendung von Operationen wie Auf­zeichnen, Lesen, Aufbereiten, Speichern, rech­nerisches Verknüpfen, Ausschreiben usw. nach bestimmten Regeln (Algorithmus) erfolgt und zur Wiedergabe der alten bzw. Gewinnung von neuen Aussagen in Datenform führt. Die Datenverarbeitung kann in Form geistiger menschlicher Arbeit oder mit Hilfe von Maschinen bzw. Automaten erfolgen. Unter Datenverarbeitung i. w. S. werden alle Arbeiten von der Aufzeichnung der Daten bis zur Gewinnung neuer Aussagen verstanden, unter Datenverarbeitung i.e. S. die Datenverarbeitung in einer Datenverarbeitungsanlage. Eine spezifische Form der Datenverarbeitung ist die elektronische Datenverarbeitung (EDV), die sich überwiegend elektronisch arbeitender tech­nischer Einrichtungen (Datenverarbeitungs­anlage, elektronische) bedient und durch einen gespeicherten Algorithmus (Programm) auto­matisch gesteuert wird. Als dominierende Form ist die EDV in der Wirtschaft eine wesentliche Er­scheinungsform der wissenschaftlich-technischen Revolution geworden. Ziel der Erfassung und Verarbeitung von Daten gesellschaftlicher Sy­steme ist die Unterstützung der Steuerung und Regelung dieser Systeme. Verfahren und tech­nische Mittel werden von diesen Zielen nur bedingt beEinflusst. In der sozialistischen Gesellschaft wird die EDV, basierend auf ihrer vollen Nutzung in verschiedenen Wirtschaftseinheiten, zu einem wichtigen wissenschaftlichen Instrument bei der Realisierung einer hohen Qualität der Leitung und Planung der Volkswirtschaft und ihrer Be­triebe. Sie gestattet es, wissenschaftliche Erkennt­nisse über die Wirtschaft zu gewinnen und zu nutzen, die der Kapitalismus trotz hochentwickelter EDVA-Technik wegen der Schranken des Privateigentums an den Produktionsmitteln nicht gewinnen und nutzen kann. Zur Durchführung der Datenverarbeitung werden Arbeitsgegenstände (die Daten), Ar­beitskräfte (z. B. Operateur) und Arbeitsmittel benötigt. Arbeitsmittel sind die maschinellen An­lagen für die Datenverarbeitung, die Anwenderprogramme sowie Programmsysteme, welche die Abarbeitung der Anwendungsprogramme organisieren und unter­stützen. Diese Programmsysteme werden vom Hersteller der Anlage entwickelt und gemeinsam mit der technischen Anlage bereitgestellt. Man bezeichnet sie als Betriebssysteme. (Daten­verarbeitungsanlage, elektronische). Eine relativ einfache Betriebsart für eine EDVA ist die Stapel. verarbeitung. Bei ihr wird ein Stapel von An­wenderprogrammen nacheinander abgearbeitet und der Übergang zum folgenden Programm durch das Betriebssystem unterstützt und rationalisiert. Arbeitet ein Programm mit den relativ langsamen Ein- bzw. Ausgabegeräten (Datenverarbei­tungsanlage, elektronische), so entstehen für die leistungsfähigere Zentraleinheit Wartezeiten auf die folgende Ein- bzw. Ausgabemöglichkeit. Der Muftiprogrammbetrieb ermöglicht die verschach­telte Abarbeitung mehrerer mit festgelegten Prio­ritäten versehener Anwendungsprogramme. Fallen bei einem Programm wegen der Ein- oder Ausgabe Wartezeiten der Zentraleinheit an, so veranlasst das System den zeitweiligen Übergang zur Abarbei­tung des Programms mit der nächst niedrigeren Priorität. Für jedes bereitstehende Programm müssen genügend periphere Geräte und Arbeits­speicher-Kapazitäten verfügbar sein. Eine effek­tive Nutzung der Mehrprogrammabarbeitung er­fordert genaue Kenntnisse der Ein- und Aus­gabegeräte sowie des Speicherbedarfs der zu kom­binierenden Anwenderprogramme. Von hockent­wickelten Betriebssystemen, die den Teilneh­merbetrieb ermöglichen, wird die Zeit der Zen­traleinheit planmäßig auf mehrere Teilnehmer verteilt (Zeitteilverfabren, engl. time-sharing). Dabei erhält jeder Teilnehmer einen Arbeitsspei­cherbereich, und die Verarbeitungseinheit wird ihm für eine bestimmte Zeit (z. B. einige Millise­kunden) zugeteilt. Bei der Arbeit mit relativ lang­samen Terminals entsteht dadurch für jeden Teil­nehmer der Eindruck, dass er die Anlage allein nutzt. Datenbankbetriebssysteme unterstützen die Speicherung von Daten und Verarbeitungsverfah­ren eines Problemkreises in Datenbanken und den direkten Zugriff zu ihren Datenbeständen. Im Gegensatz zu konventionellen Dateien sind in Datenbankdateien die Daten eines Problemkreises und ihre Beziehungen zueinander so gespeichert, dass unter Berücksichtigung unterschiedlicher Ord­nungskriterien direkt zugegriffen werden kann. Die bellen zuletzt genannten Betriebssysteme eignen sich auch zur Unterstützung des Dialog­betriebes. Bei Stapelverarbeitung dagegen würden die Wartezeiten auf die menschliche Dialog- Reaktion zu hohen ökonomischen Verlusten füh­ren. Eine weitere entwickelte Anwendungsform ist die Datenfernverarbeitung. Bei ihr wird speziell die Arbeit mit entfernten Abonnentenpunkten automatisch gesteuert. Soll die Verarbeitung der Daten eines Prozesses schritthaltend mit diesem Prozess erfolgen, so wird der Echtzeitbetrieb erforderlich. Von einem ent­sprechenden Betriebssystem werden Meldungen von Messgeräten oder Tastatureinheiten sofort verarbeitet. Echtzeitverarbeitungssysteme berück­sichtigen eine besonders umfangreiche Datensi­cherung, da bei Eingabe- oder Verarbeitungsfeh­lern unmittelbar schwerwiegende Folgen für den Prozess entstehen können. Das Zusammenwirken mehrerer EDVA wird von Mehrrechnerbetriebs­systemen ermöglicht. Durch Zusammenarbeit eines leistungsfähigen. Zentralrechners mit Satelliten, von denen jeder Zugriff zur Peripherie des anderen hat, lassen sich leistungsfähige und wirt­schaftliche Kombinationen realisieren. Die Einführung der Datenverarbeitung in ein neues Anwendungs­gebiet bzw. deren Weiterentwicklung wird in einem mehrstufigen Prozess, welcher ideologische, organisatorische und programmtechnische Auf­gaben umfasst, vorbereitet. Er stellt eine wissen­schaftliche Entwicklungsleistung dar und wird als Datenverarbeitungsprojektierung bezeichnet. Die Organisation dieser Arbeiten wird durch eine Rahmenordnung des Ministerrats der ge­regelt. Sie sieht u. a. vor, dass die Aufgaben, Aufwendungen und der Nutzen im Plan Wissen­schaft und Technik erfasst werden, die Projektierung arbeitsteilig und zwischen den Betrieben eines Industriezweiges abgestimmt zu erfolgen hat und bei der Projektierung die Nachnutzung vor­gefertigter problemorientierter  Systemunter­lagen anzustreben ist. — An wirtschaftswissen­schaftlichen Sektionen der Universitäten und Hochschulen der erfolgt die Ausbildung von Studenten in der Fachrichtung: Mathematische Methoden und Datenverarbeitung in der Wirt­schaft.