elektronische Datenverarbeitungsanlage - EDVA

Elektronische Datenverarbeitungsanlage, elektronische, Abk. EDVA — Maschinensystem mit vorwiegend elek­tronischer Technik zur automatischen Verarbei­tung von Daten nach vorgegebenen Programmen, bestehend aus der Zentraleinheit und dem Ein- und Ausgabesystem mit den externen Geräten (EDVA). Die Zentraleinheit besteht aus dem Ar­beitsspeicher und der Verarbeitungseinheit. Der Arbeitsspeicher, auch als Operativspeicher oder Hauptspeicher bez., nimmt die Anweisungen der Programme und den für die Ausführung der An­weisungen benötigten Teil der Daten auf. Die Verarbeitungseinheit liest die gespeicherten An­weisungen und führt sie aus, indem sie die in den Anweisungen als Operanden genannten Daten liest, verknüpft und die Ergebnisse den in den Anweisungen festgelegten Ergebnisvariablen zu­weist. Die Abarbeitung der Anweisungen erfolgt im allgemeinen in der Reihenfolge ihrer Aufzeich­nung. Durch spezielle Anweisungen und in Ab­hängigkeit von Verarbeitungsergebnissen können Anweisungen alternativ bzw. zyklisch abgearbeitet werden. Das Ein- und Ausgabesystem verbindet die Zentraleinheit mit den externen, weitgehend mechanisch arbeitenden Geräten. Mit diesen Ge­räten können Daten von Eingabedatenträgern oder externen Speichermedien eingegeben bzw. auf Ausgabedatenträger oder externe Speichermedien ausgegeben werden. Datenverarbeitung in der Wirtschaft bedingt die Verarbeitung sehr umfangreicher Datenmengen, häufig vieler Millionen Zeichen. Die EDV-gerechte Speicherung dieser Datenmengen ist in verschie­denen Speichermedien möglich. Bei der Auswahl derselben sind die Speicherkapazität und die Zugriffszeit, d. h. die Zeit, die vergeht, bis die Daten aus dem Speicher zur Verarbeitung bereit­gestellt sind, sowie die Speicherungskosten je Zeichen entscheidende Kriterien. Speicher mit kürzerer Zugriffszeit verursachen in der Regel für die gleiche Datenmenge höhere Speicherungs­kosten als solche mit längerer Zugriffszeit. Die Verarbeitungseinheit liest im Arbeitsspeicher die dort fortlaufend aufgezeichneten Anweisungen (Befehle) des Programms und veranlagt ihre Aus­führung. Diese Anweisungen können Ein- und Ausgabeoperationen, arithmetische und logische Verknüpfungen oder Umspeicherungen von Daten betreffen bzw. die Abarbeitung der Anweisungen in einer anderen Reihenfolge (Sprünge) veranlas­sen. Von der Verarbeitungseinheit werden die Vergleiche und Verknüpfungen der Daten ausgeführt und die Ergebnisse in den Arbeitsspeicher eingeschrieben. Ältere bzw. kleine elektronische Datenverarbeitungsanlage besitzen anstelle einer komplexen Verarbeitungseinheit nur ein Leitwerk (Steuerwerk) und ein Rechenwerk. Die Arbeits­geschwindigkeit einer Zentraleinheit wird in Operationen je Sekunde angegeben, die verschie­denen Verarbeitungsoperationen erfordern aber sehr unterschiedliche Zeiten. Die Arbeitsge­schwindigkeit wird deshalb entweder in Verbin­dung mit der Art der Operation genannt, z. B. Anzahl der Additionen je Sekunde, oder auf ein bestimmtes Sortiment von Operationen (Mix- Vereinbarung) bezogen, z. B. 6000 Operationen je Sekunde entsprechend ESER-Mix. Mix-Verein­barungen berücksichtigen die voraussichtlichen Anwendungsgebiete der Anlagen und führen nur für gleichartige und ähnliche Datenverarbeitungs­aufgaben zu voll nutzbaren Aussagen. Die tech­nische Arbeitsgeschwindigkeit einer Anlage ist immer wesentlich größer als die für den Anwender realisierbare, u. a. deshalb, wetz das Betriebs­system ebenfalls Operationszeit benötigt. Für die Ausführung arithmetischer Operationen sind mo­derne elektronische Datenverarbeitungsanlage technisch so ausgestattet, dass sie mittels Festkommaarithmetik, Gleitkommaarith­metik oder Dezimalarithmetik rechnen können. Bei Festkommaarithmetik werden nur Dualzahlen ohne Berücksichtigung der Kommastellung ver­arbeitet. Dies ist die schnellste Verarbeitungs­weise. Die Gleitkommaarithmetik verarbeitet Dualzahlen; die Kommastellung wird durch die automatische Teilung der Zahlen in Mantisse und Exponent angegeben. Die Dezimalarithmetik ver­arbeitet Dezimalzahlen, deren einzelne Ziffern binär dargestellt werden. Die Kommastellung kann auch durch einen Exponenten angegeben werden. Die Dezimalarithmetik ist die langsamste Form in der Verarbeitung. Um die schnellen Dualarithme­tiken nutzen 2u können, müssen die im Normal­falle vorliegenden Dezimalzahlen in das Dualsy­stem übertragen (konvertiert) und bei Druckaus­gabe in die dezimale Form zurückverwandelt werden. Die Konvertierung ist nur bei "re­chenintensiven Arbeiten kostensparend, während bei ein- und ausgabeintensiven Arbeiten die Nut­zung der _ Dezimalarithmetik günstiger ist. Die Anwendung einer bestimmten Arithmetik für be­stimmte Anwendungsfälle hat damit direkten Ein­flug auf die Effektivität eines Programms und seine Kosten. Zur Zentraleinheit gehört ein Steuerpult, auch Bedienpult genannt, das dem Maschinenführer Eingriffe in die Steuerung der EDVA ermöglicht. Das Ein- und Ausgabesystem besteht aus den Kanälen, Gerätesteuereinheiten und den an- geschlossenen peripheren Geräten (Geräte der ersten Peripherie). Mit Hilfe der peripheren Geräte werden Daten von Speichermedien eingelesen bzw. auf externe Medien gespeichert. Bei diesen liegen die Speicherungskosten je Dateneinheit wesentlich unter denen des Arbeitsspeichers. Die peripheren Geräte haben zum Unterschied von der Zentraleinheit mechanische Baugruppen, die ein langsameres Arbeiten dieser Geräte gegenüber der Zentraleinheit bedingen. Hinsichtlich ihrer Ar­beitsgeschwindigkeit unterscheiden wir zwei Gruppen peripherer Geräte: a) Geräte, die mit magnetischen Speichern, wie Magnetband, Ma­gnettrommel, Magnetplatte, arbeiten. Diese Geräte sind in der Lage, bis etwa 106 Zeichen/s mit der Zentraleinheit auszutauschen. Geräte, die mit elektrisch bzw. visuell lesbaren Speichern, wie Lochkarte und Lochband, arbeiten. Diese Geräte sind relativ langsam. Sie tauschen nur einige. Hundert Zeichen/s mit der Zentraleinheit aus. Das Ein- und Ausgabesystem hat die Aufgabe, die von den Anweisungen des Programms angeforderten Daten auf den peripheren (externen) Speichern unter Beachtung ihrer Arbeitsgeschwindigkeit zu lesen, sie zwischenzuspeichem und unter Beach­tung der Arbeitsgeschwindigkeit der Zentraleinheit an diese abzugeben. Bei der Ausgabe werden diese Operationen in umgekehrter Richtung ausgeführt. Das Zwischenspeichern und Umkodieren fällt dabei den Kanälen zu. Man unterscheidet Selektorkanäle und den Multiplexkanal. Die Selektorkanäle dienen der geschlossenen Übertra­gung größerer Datenmengen (Datenblöcke) zwi­schen Zentraleinheit und externen Speicherme­dien. An Selektorkanäle werden deshalb über Gerätesteuereinheiten magnetische Speicher an­geschlossen. Der Multiplexkanal ist für die Zu­sammenarbeit mit  den langsameren peripheren Geräten bestimmt. Er teilt Ausgabe-Datenmengen in Zeichengruppen und versorgt mehrere langsame Geräte fortlaufend so mit Teilmengen, dass sie zeitparallel arbeiten. Bei der Eingabe ist er in der Lage, mehreren peripheren Geräten fortlaufend Teildatenmengen abzunehmen und sie zur Abgabe an die Zentraleinheit zusammenzustellen. Die Gerätesteuereinheiten und Geräte der ersten Peri­pherie besitzen bei modernen Maschinensystemen ein systemtypisches Anschlußbild (Standard­Interface) und sind damit austauschbar. Die Geräte des Ein- und Ausgabesystems einer universellen EDVA können gegliedert werden in Geräte zur Eingabe von Daten aus dem Erfas­sungsprozess, Geräte zur Zwischenspeicherung von Daten, Geräte zur Ausgabe von visuell les­baren Daten, Geräte für Dialogbetrieb und Datenverarbeitung, sowie spezielle Geräte zur Prozessdatenerfassung und Prozesssteuerung. Ge­räte zur Eingabe von Daten aus dem Erfassungs­prozess: Bei der Erfassung werden die Daten auf Lochkarten, Lochbänder und in zunehmendem Maße auf Kassetten-Magnetbändern und Magnet­platten aufgezeichnet. Die Aufzeichnungsdichte auf diesen Datenträgern und das Lesetempo der entsprechenden Eingabegeräte sind relativ gering. Diese Datenträger werden universell zur Pa­tenerfassung genutzt. Für spezielle Datenerfas­sungsaufgaben können Markierungsleser, Magnet­schrift- und Klarschriftleser eingesetzt werden. Geräte zur externen Zwischenspeicherung von Daten: Zur Zwischenspeicherung von großen Datenmengen werden vorwiegend Magnetbänder, Magnettrommeln und Magnetplatten genutzt. Geräte zur Ausgabe von visuell lesbaren Daten: Für die visuelle Auswertung werden Daten mittels Druckern auf Drucklisten ausgegeben. Der lei­stungsfähigste Typ ist der Zeilen- oder Paral­leldrucker, der gleichzeitig alle Zeichen einer Druckzeile ausgibt (bis etwa 1000 Zeilen je Mi­nute). Für geringere Datenmengen werden auch seriell (zeichenweise) arbeitende Drucker genutzt. Bei Anlagen, die nicht für Massendatenverarbei­tung konzipiert sind, werden auch Schreib­maschinen teilweise als Ausgabegeräte verwendet. Bei größeren EDVA dienen Schreibmaschinen ausschließlich dem Anlagenführer als Bedienein­heit. Eine weitere Ausgabemöglichkeit ist die Bild­schirm-Ausgabe. Je nach Gerätetyp und Daten­verarbeitungsaufgabe kann eine alphanumerische oder alphanumerischgrafische Ausgabe erfolgen. Grafische Ausgaben können auch über Tisch- Zeichengeräte oder Trommel-Zeichengeräte (Plot­ter) erfolgen. Diese relativ langsamen Geräte werden jedoch meist nicht direkt an den Multi­plexkanal der EDVA angeschlossen, sondern ar­beiten off-line mit einem Lochband, das von einem Lochbandstanzer der elektronische Datenverarbeitungsanlage mit Daten versehen wurde. Für die Ausgabe umfangreicher Daten­mengen, zu denen relativ selten zugegriffen wird (Kataloge, Dokumente, Archivierungsdaten) ist die Mikrofilm-Ausgabe besonders geeignet. Geräte für Dialogbetrieb und Datenverarbeitung: Mit zunehmender Anwendung der EDVA gewinnt in der Wirtschaft der Dialog des Konstrukteurs, Leiters und Planers mit der elektronische Datenverarbeitungsanlage an Bedeutung. Dazu werden periphere Geräte für die Ein- und Ausgabe von Daten und Kommandos benötigt sowie ein Betriebssystem, das den Mensch­Maschine-Dialog unterstützt. Solche Anlagenteile sind Tastatureingabe-Bildschirmeingabe (Licht­stift) /-ausgabe, Abonnentenpunkte mit Eingabe/ Ausgabegeräten (Terminals) bei unterschiedlicher Entfernung von der EDVA. Abonnentenpunkte können auch programmierbare Kleinrechner („in­telligente” Terminals) umfassen. Geräte zur Prozessdatenerfassung und -steuerung: Soll eine EDVA zur direkten Erfassung von Prozessdaten und Steuerung eines Prozesses eingesetzt werden, so wird hierfür meist eine spezielle Peri­pherie benötigt. Sie wird vor allem charakterisiert durch Messgeräte, Tastaturgerete, Analog-Digital­Wandler, Digital-Analog-Wandler u. ä.