Disproportionalität

Disproportionalität — gestörtes Gleichgewicht der Reproduktionsbeziehungen zw. einzelnen Wirt­schaftszweigen oder Abteilungen der gesellschaft­lichen Produktion oder zw. verschiedenen ökono­mischen Sphären, wie Produktion, Zirkulation, Distribution und Konsumtion. Als Disproportionalität bezeichnet die politische Ökonomie nicht eine ungleichmäßige Entwicklung schlechthin, sondern eine Verletzung der objektiv notwendigen Größen- und Wachs­tumsverhältnisse zw. den verschiedenen Berei­chen und Zweigen der Wirtschaft. Im Kapitalismus ist die Disproportionalität eine zwangsläufige Folge des Grund­widerspruchs. Der Antagonismus führt zu ständigen Störungen des Grundgleich­gewichts zw. Akkumulation und Konsumtion. Auf Grund der Tendenz zur schrankenlosen Ausdeh­nung der Produktion und der beschränkten Kon­sumtionskraft der Massen muss notwendigerweise die Abt. I der Produktion (Produktionsmittel) der Abt.II der Produktion (Konsumtionsmittel) mehr vorauseilen, als auf Basis der engen Konsumtions­verhältnisse des Kapitalismus proportional wäre. Ein vorübergehender Ausgleich der Disproportionalität erfolgt in den zyklischen Krisen. Der staatsmonopolistische Kapitalismus versucht mit Hilfe verschiedener Regulierungsmaßnahmen das Entstehen ent­scheidender Disproportionalität abzuschwächen.