Dorf

Dorf — ländliche Siedlung, deren Wirtschafts- und Beschäftigtenstruktur überwiegend von der landwirtschaftlichen Produktion bestimmt wird. Das Dorf umfasst Produktionsflächen, Stallungen, Scheunen usw. sowie Wohnbauten, Versorgungs­und Betreuungseinrichtungen für die Landbevöl­kerung. Ihrer historisch-geographischen Entste­hung nach werden die Dorf auf Grund der unter­schiedlichen Flureinteilung und der Grundrißfor­men in Dorfformen untergliedert. Im Gebiet treten am häufigsten die Streusiedlungen, Weiler und Haufendörfer als unregelmäßige For­men und die Rundplatz- Dorf, Straßen- und Anger-, Reihen-, Hufendörfer als regelmäßige Formen auf. In der kapitalistischen Zeit wurden die Dorf durch die kapitalistische Produktionsweise und durch den für sie typischen Gegensatz zw. Stadt und Land gekennzeichnet. Im Prozess der sozialisti­schen Umgestaltung der Landwirtschaft vollziehen sich auf der Grundlage der marxistisch-leninisti­schen Agrarpolitik auf dem Dorf tief greifende Ver­änderungen: genossenschaftlicher Zusammenschluss der Einzelbauern zu landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG), freiwillige kooperative Zusammenarbeit mehrerer LPG als Voraussetzung industriemäßiger Großproduktion in der Pflanzen- und Tierproduktion (kooperative Abt. Pflanzenproduktion (KAP), spezialisierte LPG Pflanzenproduktion), Kooperation mehrerer LPG mit industriellen und dienstleistenden Ein­richtungen (Agrarindustrievereinigungen). Es ent­stehen Dorfakademien, Kinderbetreuungseinrich­tungen, Dorfklubs und -kulturhäuser, Landwaren­häuser, Landambulatorien, Dienstleistungseinrich­tungen u. a., die die Dorf schrittweise den Erforder­nissen der industriellen Großproduktion in der Landwirtschaft anpassen und die sozialistischen Arbeits- und Lebensbedingungen der Landbevöl­kerung gewährleisten. Das historisch gewachsene Dorfbild verändert sich spürbar, denn die mit dem Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft ver­bundene Trennung der Wirtschafts- und Wohn­bereiche führt zur engeren Bebauung und kom­plexeren Ausstattung mit Einrichtungen und An­lagen der Infrastruktur. Es entstehen ländliche Siedlungszentren städtischen Charakters, die zur allmählichen Überwindung noch bestehender we­sentlicher Unterschiede zw. Stadt und Land bei­tragen.