Eisenbahnen

Eisenbahnen — schienengebundene, durch Ma­schinenkraft bewegte Verkehrsmittel auf eigenem Bahnkörper zur Beförderung von Personen und/ oder Gütern. Die geringen Reibungswiderstände zw. Rad und Schiene und die Zwangsführung der Fahrzeuge ermöglichen das Bewegen von großen Zugmassen; die Zusammenfassung einer größeren Anzahl von Wagen mit einem Triebfahrzeug zu einem Zug ist deshalb für die Eisenbahnen charakteristisch. Großen Aufwand erfordern Bau und Vorhaltung entsprechender leistungsfähiger Strecken und Bahnhöfe. Eisenbahnen sind demzufolge bes. für die Durch­führung von Massentransporten über mittlere und weite Entfernungen geeignet und zeichnen sich dabei durch relativ niedrige Beförderungsselbst­kosten (in denen der Anteil der leistungsunabhän­gigen Kosten das Schwergewicht hat) aus. Eisenbahnen werden nach solchen des öffentlichen Verkehrs, die jedermann zur Verfügung stehen, und nach Eisenbahnen des nichtöffentlichen Verkehrs für einen be­schränkten Benutzerkreis (Anschluss-, Hafen-, Werk-, Gruben- und Feldbahnen) unterschieden. Nach der Bedeutung werden die Eisenbahnen des öffent­lichen Verkehrs in Haupt- und Nebenbahnen ein­geteilt. Nach der Art der Übertragung der Zug­kräfte unterscheidet man Adhäsionsbahnen (Rei­bungsbahnen) und Zahnradbahnen. Als Antriebsarten sind Diesel-, elektrischer und (aus­klingend) Dampfbetrieb üblich. Aufkommen und Verbreitung der Eisenbahnen seit der ersten Hälfte des 19. Jh. stehen in engem Zusammenhang mit der Entwicklung des Kapitalismus. Die rasche Zunahme der kapitalistischen Warenproduktion sowie das Wachstum der nationalen Märkte und des Weltmarktes erforderten ein neues, im Ver­gleich zu den herkömmlichen schnelleres, billige­res und zuverlässigeres Massenverkehrsmittel. Der ersten, 1825 in England in Betrieb genomme­nen Eisenbahnlinie folgten deshalb in kurzen Abständen die Eröffnung von Eisenbahnen in anderen Ländern. Die wichtigsten Aktivitäten für den Eisenbahnbau gingen von der Industrie- und Handelsbourgeoisie aus, während die in vielen Ländern noch herrschende Feudalkaste den neuen Verkehrsträger vorwiegend aus militärischen und politischen Gründen förderte. Finanziert wurde der Eisenbahnbau in den fortgeschritteneren Ländern vorwiegend durch Aktiengesellschaften (Privatbahnen), in den wenig entwickelten Ländern meist aus staatlichen Mitteln (Staatsbahnen). Die Herausbildung zum staatsmonopolistischen Kapitalismus gegen Ende des 19. Jahrhundert führte zu einem immer stärkeren Übergang von Privatbah­nen in Staatseigentum. Gleichzeitig bestimmten Zugeständnisse an die Monopole in Form von Ausnahmetarifen, Streckenneubauten sowie die Beachtung strategischer Interessen entscheidend die Verkehrspolitik der staatsmonopolistischen Eisenbahnunternehmen. In den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg bahnte sich mit der raschen Entwicklung des Kraftverkehrs ein zunehmender Konkurrenzkampf zw. Schiene und Straße an. Unter grundsätzlich anderen Bedingungen voll­zieht sich die Entwicklung der Eisenbahnen in den soziali­stischen Ländern. Hier sind die E. in das einheit­liche sozialistische Transportwesen -integriert.