Fernhandel

Fernhandel — seit der Urgesellschaft betriebener Warenverkehr über weite Entfernungen. Zu den ältesten Austauschprodukten gehörten Bernstein, Lapislazuli, Muscheln, Obsidian, Ocker. Die fort­schreitende Entwicklung der Produktivkräfte er­zwang für bestimmte Gebiete (Ägypten, Me­sopotamien) Rohstoffimporte (Holz, Kupfer, Zinn, später Eisen). Daneben entstand mit zu­nehmender gesellschaftlicher Differenzierung der Luxushandel (Aufkommen von Metallbarren als Äquivalente). In den altorientalischen Großreichen wird der Fernhandel meistens staatlich gefördert (Anlage von Handelsstützpunkten außerhalb der Reichs­grenzen, z. B. Assysrien Anfang des 2. Jt.). Han­delsvölker (Phöniker) vermitteln Zwischenhandel mit auf niederer gesellschaftlicher Stufe stehenden Stämmen. Doch beschränkt sich der Fernhandel im Alten Orient auf Befriedigung der Bedürfnisse einzelner Zentren. Er wurde erst in der antiken Produktions­weise zu einem bestimmenden Faktor, gestützt auf ein hochspezialisiertes Handwerk, betrieben von privaten Kaufleuten. Als abstrakter. Tauschwert setzte sich gemünztes Geld durch. Seit dem späten Prinzipat liegt der Fernhandel in den Händen von (staatlich z. T. monopolisierten) Branchenhändlern. Nach dem 3. Jh. u. Z. geht er in den östlichen Provinzen volumenmäßig zunächst relativ wenig, im Westen jedoch spürbar zurück. Hier gehören für den Markt produzierte rheinische Gläser und Weine zu den letzten Artikeln (bis etwa 7. Jh.) des  antiken Fernhandel Gewisse Anreize für den Fernhandel aus dem Orient nach Mittel- und Nordeuropa im frü­hen Mittelalter bot das Bedürfnis der Feudalherrn und kirchlichen Würdenträger nach Produkten, die sie aus feudalen Abgaben in ihrer Grundherrschaft nicht erhalten konnten (Gewürze, Luxusartikel). Dieser Fernhandel, zunächst nur sporadisch betrieben, gab den Anstoß zur Entwicklung von Ware-Geld­Beziehungen innerhalb der Grundherrschaft und damit des lokalen Marktes, zur Verschärfung der feudalen Ausbeutung und zur Umwandlung eines Teils der Abgaben in Geldrente, wodurch die Feudalherren kaufkräftiger wurden. Der Fernhandel stabilisierte sich im 10. Jh., es entstand eine bes. Berufsgruppe von Fernhändlern (Gilde). Mit der Entwicklung der Städte, die durch den Fernhandel gefördert wurden, der Einbeziehung auch von Bauernprodukten in den Fernhandel und der Verbesserung der Trans­portmittel und -wege änderte sich um das 12. Jh. die Warenstruktur des Fernhandel zugunsten von Mas­sengütern (Getreide, Vieh, tierische Produkte) und gewerblichen Erzeugnissen (Tuch, Metallwaren ) (Hanse, Fugger). Indem der Fernhandel immer neue Märkte in allen Erdteilen erschloss, gab er einen Anstoß zur schnelleren Entwicklung der Produk­tivkräfte und zur Ablösung der feudalen durch die kapitalistische Produktionsweise.