Fetischcharakter der Ware

Fetischcharakter der Ware — scheinbare Reduzie­rung der gesellschaftlichen Produktionsverhält­nisse der Menschen in der auf Privateigentum beruhenden Warenproduktion auf Verhältnisse von Dingen. Die objektive Grundlage dieser falschen Widerspiegelung liegt im Widerspruch einer warenproduzierenden Arbeit, ,die gesellschaftliche Arbeit ist, unmittelbar aber als private Arbeit geleistet wird. Ihr gesellschaftlicher Cha­rakter, d. h. der durch die gesellschaftliche Ar­beitsteilung und wechselseitige Abhängigkeit ge­schaffene Zusammenhang der isolierten Waren­produzenten tritt erst beim Austausch der Waren auf dem Markt, d. h. in der Bewegung von Dingen, in Erscheinung und damit auch ins Bewusstsein. Das gesellschaftliche Verhältnis der privaten Warenproduzenten, die ihre Produktionstätigkeit füreinander leisten, tritt als Verhältnis von Ware zu Ware, d. h. als dingliches Verhältnis zutage. Die Warenproduzenten fühlen sich von der Bewegung von Dingen beherrscht. Ständige Preisschwankun­gen der Waren auf dem Markt unter dem Einfluss von Angebot und Nachfrage führen dazu, dass sich die einen bereichern, während andere mit Verlust verkaufen oder auf ihren Waren sitzen bleiben und schließlich ruiniert werden. Es scheint, als wohn­ten den Dingen geheimnisvolle Kräfte inne, als sei die Ware eine den Menschen beherrschende Macht, ganz so, wie der von Menschenhand ge­schnitzte Holzgötze (Fetisch) den auf niederer Entwicklungsstufe stehenden Menschen als fremde Gewalt erschien und von ihnen angebetet wurde. Der Fetischcharakter der Ware trat schon in den frühen Entwick­lungsstufen der Warenproduktion in Erscheinung und entfaltete sich mit dem Übergang vom Produktenaustausch zur Warenzirkulation, d. h. mit dem Aufkommen des Geldes. In der auf dem Privateigentum beruhenden Warenproduktion ist Geld eine gewaltige Macht. Gold und Silber, die ursprünglich als Geld fungierten, scheinen von Natur aus Wert und damit die Fähigkeit zu be­sitzen, sich in jedes beliebige Gut zu verwandeln. Die Macht des Geldes beruht auf dem elementaren Charakter der gesellschaftlichen Verhältnisse der privaten Warenproduktion, in der sich alle ökono­mischen Gesetze spontan, d. h. hinter dem Rücken der Produzenten durchsetzen. Seine höchste Ent­wicklung erreicht der Warenfetischismus im Kapitalfetischismus. Erst wenn das Privateigen­tum an den Produktionsmitteln beseitigt und die sozialistische Produktionsweise geschaffen ist, verschwindet auch der Fetischcharakter der Ware Arbeit, gesellschaft­liche, Arbeit, private, Arbeitsteilung, ge­sellschaftliche, Ware, Wert.