Industrialisierung

Industrialisierung — Herausbildung und Entwick­lung der industriellen Großproduktion. Die Industrialisierung wird verstanden als: a) historische Ablösung der Ma­nufaktur durch die maschinelle Großproduktion in Fabrikbetrieben; b) als Umwandlung eines Landes aus einem rückständigem Agrarland in ein moder­nes Industrieland; c) als Summe von Vorgängen und Maßnahmen, die zur Entfaltung der Industrie einer Volkswirtschaft führen; d) als Kennzeich­nung der Einführung moderner industrieller Me­thoden und Organisationsformen in allen Zweigen der Produktion. Ziel, Methoden, Quellen, Tempo und Auswirkungen der Industrialisierung werden entscheidend durch die herrschenden Produktionsverhältnisse bestimmt. Die kapitalistische Industrialisierung setzte im 18./19. Jahrhundert mit der industriellen Revolution ein. Sie begann vor allem mit der Herausbildung der Leichtindustrie, d. h. jener Produktionszweige, in denen re­lativ geringe Investitionen notwendig waren, das Kapital schnell umschlug und folglich bei niedriger organischer Zusammensetzung des Kapitals eine hohe Profitrate erreicht wurde. Als Akkumula­tionsquellen dienten neben der Ausbeutung der Werktätigen des eigenen Landes (durch Verwand­lung von Mehrwert in Kapital) auch äußere Quel­len: Ausplünderung der Kolonien (England), knechtende Anleihen und Konzessionen (zaristi­sches Rußland) und Kriegskontributionen (Deutschland). Die kapitalistische Industrialisierung vollzieht sich auf der Grundlage des Privateigentums an den Produktionsmitteln und der Erfordernisse des Mehrwertgesetzes spontan und anarchisch und führt zu erheblichen Disproportionen. Mit der kapitalistischen Industrialisierung bildet sich das Proletariat her­aus.