Konkurrenz

Konkurrenz — Kampf der privaten Warenbesitzer untereinander um den günstigsten Tausch der Waren, Bewegungsform des warenproduzierenden Privateigentums in der Zirkulation, Korrelat zum Monopol. Die Konkurrenz als gesellschaftliche Aktion der privaten Produzenten gegeneinander realisiert die der Warenproduktion immanenten Verhält­nisse und Gesetze als blindwirkende Tendenzen hinter dem Rücken der Produzenten. In der Konkurrenz machen sich alle inneren Widersprüche der Pro­duktion dem einzelnen Produzenten als Zwangs­gesetze der Konkurrenz geltend. In der mittelalterlichen Periode der einfachen Warenproduktion und des Handelskapitals wird versucht, die ruinösen Aus­wirkungen der Konkurrenz durch die Bildung von Mono­polen zu regeln (Zünfte der Handwerksmeister und Kaufmannsgilden). Der Kapitalismus bricht mit der industriellen Re­volution und seiner politischen Machtergreifung die Monopole des Mittelalters und setzt die freie Konkurrenz (Konkurrenz, freie) als die ihm adäquate Bewegungsform durch. Die Konkurrenz wird ein auf Tod und Leben geführter Krieg der Kapitale um die Realisierung des produzierten Mehrwerts. Sie zwingt das einzelne Kapital bei Strafe seines Untergangs zu akkumulieren, zu rationalisieren, die Produktion auszudehnen, die Ausbeutung zu erhöhen, den Profit mit allen Mitteln zu steigern usw. Die Konkurrenz wird Massenkonkurrenz, sie weitet das Feld ihrer Wirkung auf den nationalen und schließlich internationalen Bereich aus, führt zur gegenseitigen Ruinierung der Kapitale und zur Konzentration und Zentralisation des Kapitals, zum Massenruin der einfachen Warenproduzenten und zur Verwandlung aller Produktion in kapitali­stische Produktion. Im Kapitalismus der freien Konkurrenz hat die Konkurrenz zwei Stufen. Erstens Konkurrenz innerhalb eines Produktionszweiges. Sie ist Konkurrenz um den günstigsten Absatz der Waren. Sie stellt den einheitlichen Marktpreis der Waren her und fixiert ihren Markt­wert als das Schwankungszentrum der Markt­preise. Die Konkurrenz, die den Preis regelt (Preiskon­kurrenz) ist dreifach: Konkurrenz zw. den Verkäufern um den Käufer, der bereit ist, den höchsten Preis zu zahlen; zw. den Käufern um den Verkäufer, der bereit ist, am billigsten zu verkaufen; Konkurrenz zw. Käufern und Verkäufern. Je nachdem, ob das Angebot oder die Nachfrage überwiegt, wirkt die Konkurrenz zw. den Verkäufern stärker als zw. den Käufern oder umgekehrt. Die stärkere Seite besitzt ein zufälliges und zeitweiliges Monopol und kann die Preise zu ihren Gunsten verändern. Außer als Konkurrenz gleicher Waren verschiedener Kapitale er­scheint die Konkurrenz als Konkurrenz von gegenseitig sich er­setzenden Waren, z. B. Kohle — Erdöl, Plaste — Metalle usw. (sog. Surrogat- oder Substitutions­konkurrenz) und als Konkurrenz um den Absatz einer Warenart auf Kosten einer anderen auf dem Konsumgütersektor, vor allem bei dem sog. elastischen Bedarf, z. B. Bekleidung — Heim­elektronik — Kraftwagen usw. (sog. vertikale Konkurrenz). Zweitens Konkurrenz zwischen den Produktionszweigen. Sie ist Konkurrenz um die günstigste Kapitalanlagesphäre. Sie gleicht die verschieden hohen Profitraten der einzelnen Zweige durch das Zu- oder Abfließen von Kapital, damit die Ausdehnung oder Ein­schränkung des Angebots und damit das Senken oder Heben der Preise, zur Durchschnittspro­fitrate aus und verwandelt die Marktwerte in Pro­duktionspreise bzw. Marktproduktionspreise. Die Konkurrenz um die günstigste Anlagesphäre ist das Grund­gesetz der kapitalistischen Konkurrenz Sie entsteht erst unter Bedingungen eines entwickelten Verkehrs usw. nach der industriellen Revolution. Die Konkurrenz der Kapitale regelt die Verteilung des. produzierten Mehrwerts auf die einzelnen Zweige und damit die proportionale Verteilung der Arbeit und des Kapi­tals. Das Kapital erzeugt auch die Konkurrenz um Arbeit. Diese Konkurrenz fixiert die Höhe des Lohnes und damit die Teilung des Nationaleinkommens in Lohn und Mehrwert, also in Teil für Konsumtion und Teil für Akkumulation. Das allg. Gesetz der kapitalisti­schen Akkumulation hält Angebot und Nachfrage nach Arbeit und damit den Lohn durch An- und Abschwellen der industriellen Reservearmee stets im Gleichgewicht mit der Akkumulation und in den Grenzen der Verwertungsbedingungen des Kapi­tals. Die Konkurrenz zw. Arbeit und Kapital wird zum ökonomischen Klassenkampf, sobald sich die Arbeiter als Klasse gesamtnational organisieren und die Konkurrenz unter sich verringern. Das Kapital versucht daher mit brutalen und raffinierten Mit­teln, die Organisation der Arbeiter zunichte zu machen. In der Konkurrenz treten die wesentlichen Bestim­mungen und Verhältnisse in einer mystifizierten Form zutage. So erscheint der Profit als natür­liches Ergebnis des Kapitals, die Rente als natür­liche Frucht des Bodens, der Arbeitslohn als das natürliche Ergebnis der Arbeit. — Ziel der Konkurrenz ist die Ausschaltung der Konkurrenten, d. h. das Monopol. Mit dem Hinüberwachsen des Kapitalis­mus in seine höchste, monopolistische Form wird die Konkurrenz durch das Monopol abgelöst und als mono­polistische Konkurrenz.