Manchestertum, Manchesterschule

Manchestertum, ManchesterschuleBez. für eine Richtung in der Wirtschaftspolitik, die auf den Freihandel orientiert ist. Der Name geht auf die englische Industriestadt Manchester zurück, je­doch hat sich die urspr. Bedeutung, die sich auf eine dort wirkende Gruppe von Gegnern der Ge­treidezölle (1820/50) erstreckte, später allg. auf die Freihandelsbewegung ausgedehnt. In England war die Agitation mit anderen liberalen Forderungen verbunden (Wahlrecht, Finanz- und Schulpolitik, freie Schifffahrt). In Frankreich kam eine ähnliche Bewegung erst um 1860, durch Frederic Bastiat theoretisch vorbereitet und eng mit dem Kampf gegen den Sozialismus verknüpft, zum Durch­bruch. Bei den Manchester-Leuten in Deutschland traten die Aspekte der Außenhandelspolitik zugunsten eines wirklichkeitsfremden Liberalis­mus zurück. Sie polemisierten gegen die Sozial­politik, gegen den Kathedersozialismus und gegen die Einmischung des Staates in die Wirt­schaft. Führer der Bewegung in Deutschland war der Engländer John Prince-Smith, der die Theorien der klassischen bürgerlichen Politischen Ökonomie vulgarisierte. Trotz Formierungsversuchen (1858 auf dem Kongress der deutschen Volkswirte) kam es nur zu geringen Anfangserfolgen und schließlich zur Aufgabe der Prinzipien. Der Kongress der deutschen Volkswirte wurde durch den reformi­stisch orientierten Verein für Sozialpolitik ver­drängt.