Metamorphose der Ware

Metamorphose der Ware — Formwechsel der Ware im Austauschprozess zwecks Vermittlung des ge­sellschaftlichen Stoffwechsels, der Zirkulation von Waren aus den Händen von Eigentümern, für die sie Nicht-Gebrauchswerte sind, in die Hände von Eigentümern, die sie als Gebrauchswerte konsu­mieren. Per unmittelbare Produktenaustausch wird im Verlauf der historischen Entwicklung von den ersten Formen des Warenaustausches und schließlich von der entwickelten Warenzirkulation abgelöst. Die Warenzirkulation unterscheidet sich der Form und dem Inhalt nach vom Produk­tenaustausch. An die Stelle des zw. zwei Partnern stattfindenden einfachen Tauschaktes W — W, der von anderen Tauschvorgängen isoliert und in sich abgeschlossen ist, tritt eine endlose Kette zahl­reicher Verkaufs- und Kaufakte. Die Warenver­käufer und -käufer sind vielfältig voneinander abhängig, da sie nur eine oder wenige Waren pro­duzieren, jedoch viele Waren für die Befriedigung ihrer vielseitigen Bedürfnisse benötigen. Dieser notwendige Warenaustausch wird durch das Geld vermittelt, das in seiner Funktion als Zirkulationsmittel den Händewechsel der Waren bewirkt. Im Verlauf des Austausches findet eine Metamorphose der Ware statt. Der Austauschprozess vollzieht sich in dem Form­wechsel Ware — Geld — Ware (W — G — W), wobei der Formwechsel zweimal, und zwar in zwei entgegengesetzten und einander ergänzenden Metamorphose der Ware, stattfindet. Der vorher einheitliche Tauschakt Ware gegen Ware (W — W) trennt sich in zwei verschiedene Akte Ware — Geld (W — G) und Geld — Ware (G — W), Verwandlung der Ware in Geld und Rückverwandlung des Geldes in Ware. W —  G bildet die erste Metamorphose der Ware oder den Verkauf. Die Ware wandert vom Produzenten zum Käufer. Der Wa­renproduzent tauscht seine Ware gegen das allg. Äquivalent, das Geld. Durch den Verkauf realisiert der Warenbesitzer den Wert der Ware. Der Wert, der in der Ware verkörpert war, hat jetzt die Geldform angenommen und tritt damit in seiner allg. Gestalt, in unmittelbar gesellschaftlicher Form auf, in der er mit allen anderen Waren aus­tauschbar ist. Diese Verwandlung der Ware in Geld ist der entscheidende und schwierigste Akt der Metamorphose der Ware. „Das Überspringen des Warenwerts aus dem Warenleib in den Goldleib ist der salto mortale der Ware." (Marx) Die zweite oder Schlußmeta­morphose ist der Kauf (G — W). Für den Waren­produzenten, der zuerst Verkäufer war und nun Käufer ist, bildet dieser zweite Vorgang den Abschluss seines Auftretens auf dem Markt. Er gibt nun Geld, um einen anderen von ihm benötigten Gebrauchswert zu kaufen. Diese Verwandlung aus der Geldform in die Warenform ist für ihn leichter. Der Formwandel seiner Ware bzw. des von ihm produzierten Wertes ist abgeschlossen. Die ge­kaufte Ware dient als Gebrauchswert, fällt aus der Warenzirkulation heraus und wird konsumiert. Die beiden Bewegungsphasen der Metamorphose der Ware. W — G und G —  W bilden einen Kreislauf: Warenform —Geldform und Rückkehr zur Warenform, wobei die erste Ware Nicht-Gebrauchswert, die zweite Ge­brauchswert für ihren Besitzer hat. Der Kreislauf einer Ware, ihre Gesamtmetamorphose, bildet Teilmetamorphosen zweier anderer Waren. Die Metamorphose der Ware W — G des ersten Warenbesitzers ist zugleich für einen zweiten Warenbesitzer der Abschluss der Gesamtmetamorphose seiner Ware, nämlich G — W; die Metamorphose der Ware G — W des ersten Warenbesitzers ist für einen dritten Warenbesitzer der Beginn der Metamorphose der Ware seiner Ware, nämlich W — G. „Der Kreislauf, den die Metamorphosenreihe jeder Ware beschreibt, verschlingt sich also unentwirrbar mit den Kreis­läufen andrer Waren. Der Gesamtprozess stellt sich dar als Warenzirkulation." Der Warenzirkulation in der ein­fachen und der kapitalistischen Warenwirtschaft liegen gegenüber dem einfachen Produktenaus­tausch jeweils wesentlich neue gesellschaftliche Beziehungen und Abhängigkeiten zugrunde. Die Gesamtmetamorphose einer Ware bildet eine Ein­heit, gleichzeitig ist sie aber in zwei selbständige Teilmetamorphosen gespalten, in den Gegensatz von Verkauf und Kauf. Dieser Gegensatz tritt in Erscheinung, wenn ein Warenbesitzer zwar die Teilmetamorphose Ware — Geld vornimmt, aber nicht gleich oder überhaupt nicht den zweiten Teil, den Kauf von Ware für sein Geld. Dadurch ent­steht für andere Warenbesitzer die Möglichkeit, dass sie ihre Waren nicht absetzen können. In­sofern liegt in der Metamorphose der Ware die abstrakte Möglichkeit für das Entstehen von Krisen. Damit diese Möglich­keit zur Wirklichkeit wird, sind kapitalistische Produktionsverhältnisse notwendig. Im Kapitalis­mus ist die Metamorphose der Ware Bestandteil des Kreislaufs des Kapitals. — In der Warenzirkulation im Sozialis­mus können (und müssen) planmäßige Beziehun­gen zw. Warenverkäufern und -käufern geschaffen und damit eine planmäßige Metamorphose der Ware der Waren im ge­sellschaftlichen Maßstab gesichert werden.