Methodenstreit

Methodenstreit — die Auseinandersetzung zw. zwei Grundrichtungen der bürgerlichen Poli­tischen Ökonomie am Ende des 19. Jh., und zwar zw. der Historischen Schule und der Grenz­nutzentheorie um die methodologischen Grund­lagen der bürgerlichen Politischen Ökonomie. Hinter dem Streit um wissenschaftliche Methoden, der im Wesentlichen zw. Gustav Schmoller und Carl Menger ausgetragen wurde, verbarg sich die Meinungsverschiedenheit sowohl um die ,,bes­sere" Konzeption im Kampf gegen die Politische Ökonomie als auch um die Inter­pretation der neuen Erscheinungen des reifen Kapitalismus. Man stritt über den Vorrang der Induktion oder der Deduktion, über den der hi­storisch-empirischen oder den der abstrakt-theoretischen Analyse in der wissenschaftlichen For­schung sowie um die Frage der Erkenntnismög­lichkeit objektiver Gesetze. Obwohl diese Pro­blematik durch die marxistische Erkenntnistheorie gelöst wurde, werden ähnliche Fragestellungen durch bürgerliche Theoretiker noch in die jüngste Gegenwart hinein diskutiert, so z. B. als das „große Antinomie-Problem". Oftmals wird der Streit um die „Werturteilsfrei­heit" in der Politischen Ökonomie als zweiter Methodenstreit bezeichnet. I. w. S. wird der Methodenstreit von bürgerlichen Ökonomen als ein ewig währendes „geisteswissenschaftliches Phänomen" angese­hen, bei dem es um immer wieder auftretende theoretische Auseinandersetzungen zw. unter­schiedlichen Lehrauffassungen (z. B. zw. No­minalismus und Realismus, zw. Merkantilismus und Physiokratismus) gehe.